DGI:Antibiotikatherapie bei Sepsis/Therapie/Empirische Therapie

From Infektiopedia
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Die angefügte Tabelle gilt als Anhalt, entscheidend für die empirischen Therapieempfehlungen sind die regionale bzw. hausinterne Resistenzstatistik und Patientenfaktoren, wie Schweregrad der Erkrankung, Vorerkrankungen und das Risikoprofil für resistente Erreger. Eine Kombinationstherapie kann erforderlich sein, um das Erregerspektrum bestmöglich zu erfassen. Jedoch konnte bislang in Sepsisstudien keine Überlegenheit einer Kombinations- gegenüber einer Monotherapie bzgl Mortalität gezeigt werden.

Wichtige Hinweise:

  • Die Identifikation und Sanierung (chirurgisch / CT gesteurte Punktion) eines Infektionsfocus hat neben der Durchführung der Sepsis Campaign Bündels höchste Priorität. Fremdkörper sollten, soweit möglich, entfernt werden!
  • Bei bestimmten Infektionsdiagnosen (Endokarditis, ggf. Neutropenie, Meningitis, schwere CAP) sollte kombiniert therapiert werden. Nach 48-72 h sollte eine Reevaluation bzgl klinischen Ansprechens und Erregernachweis erfolgen, ggf kann auf eine effektive Monotherapie deeskaliert werden.
  • Bei Patienten in besonderen klinischen Situationen, adipösen Patienten oder resistenten Erregern können höhere Dosierungen, als in der Tabelle angegeben, erforderlich sein. In diesen Fällen ist es sinnvoll, infektiologischen Rat einzuholen.
  • Die Dosierung und Applikation der Antiinfektiva sollte anhand pharmakokinetischen / pharmakodynamischen Prinzipien und spezifischen Medikamenteneigenschaften bei Patienten mit Sepsis oder septischem Schock optimiert werden. So können auf Intensivstationen nach Applikation einer Aufsättigungsdosis prolongierte Infusionsschemata für einige Betalaktame angewandt werden, bzw Dauerinfusionen, wenn eine Spiegelmessung möglich ist.
  • Bei Zustand nach antiinfektiver Vortherapie sollte ggf ein Substanzklassenwechsel erfolgen.
  • Bei Risikopatienten (z.B Immunsuppression, abdominelle Eingriffe) kann eine Kombination mit einem Antimykotikum oder einer antiviralen Substanz erwogen werden.

CAVE: Lokale Resistenzstatistik und Entwicklung unbedingt beachten!


Klinische Situation Präferenz Substanz Dosierung Dauer Anpassung Kommentar
Kein Anhalt für eindeutigen Focus Therapie der 1. Wahl Piperacillin / Tazobactam 4 x 4/0,5 g i.v. ??? Dosierungen beziehen sich auf einen nierengesunden Patienten. Unter Umständen Dosisanpassung an Niereninsuffizienz erforderlich.
Atemwegsinfektion, ambulant erworben Therapie der 1. Wahl Ceftriaxon 1x 2g iv

ODER Piperacillin / Tazobactam 4 x 4/0,5 g i.v. + Azithromycin 1 x 500 mg i.v. ODER Levofloxacin 1x 750mg iv ODER Moxifloxacin 2 x400mg iv

Pneumonie unter Beatmung (Ventilator-assoziierte Pneumonie) Therapie der 1. Wahl Piperacillin / Tazobactam 4 x 4/0,5 g i.v.
Abdominelle Infektion

(siehe auch Kapitel Abdominelle Infektionen)

Therapie der 1. Wahl Imipenem / Cilastin 3 x 1/1 g i.v. ggf. chirurgische Sanierung
Therapie der 1. Wahl Meropenem 3-4x 1g
Urosepsis Therapie der 1. Wahl Piperacillin / Tazobactam 4 x 4/0,5 g i.v.
Therapie der 1. Wahl Meropenem 4 x 1 g i.v.
erhöhtes Risiko für MRSA- Infektion Zusatztherapie Vancomycin 1,5 g, dann 2x1,5 g i.v. Vancomycin Dosierung gewichtsabhängig!
Erhöhtes Risiko für 3MRGN Infektionen Therapie der 1. Wahl Meropenem 3-4x 1g i.v

CAVE: Die Identifikation und Sanierung (chirurgisch / CT gesteurte Punktion) eines Infektionsfocus hat neben der Durchführung der Sepsis Campaign Bündels höchste Priorität. Fremdkörper sollten, soweit möglich, entfernt werden!