DGI:Nosokomiale Pneumonie/Diagnostik/Diagnostische Schritte
Klinik
Therapierelevant ist bereits die Verdachtsdiagnose einer nosokomialen Pneumonie!
Neues, persistierendes oder progredientes Infiltrat plus zwei von drei weiteren Kriterien:
- Leukozyten > 10.000 oder < 4.000/μl
- Fieber > 38,3 °C
- Purulentes Sekret
CAVE: Der Einsatz von Biomarkern zur Diagnose der HAP (z.B. Procalcitonin, sTREM-1, IL1 beta, IL-6 und G-CSF) sind nicht zu empfehlen. Keiner dieser Biomarker hat bisher eine gegenüber der konventionellen mikrobiologischen Diagnostik eigenständige und überlegene Bedeutung erlangen können.
Bei Verdacht auf Sepsis im Rahmen der HAP soll PCT als sensitiver Marker in der initialen Diagnostik eingesetzt werden.
Laktat soll zur Diagnose des septischen Schocks im Rahmen der HAP eingesetzt werden.
Bildgebung
Sonografie: Zunehmende Bedeutung, da bettseitig durchführbar und zumindest periphere Infiltrate nachweisbar sind.
Rö-Thorax: Bei Verdacht auf HAP in 2 Ebenen durchzuführen. Bei bettlägerigen Patient:innen a.p. im Liegen (Kriterien sind u.a.: Neues oder persistierendes Infiltrat, Verdichtung, Kavernenbildung).
CT-Thorax: Bei therapierefraktärer HAP oder kompliziertem Verlauf
Häufige nicht-pneumonische Ursachen für Infiltrate:
- Atelektase
- Pulmonalvenöse Stauung
- COP, eosinophile Pneumonie u.a. autoimmunologische Lungenerkrankungen
- ARDS anderer Genese
- Lungenarterienembolie
- Lungenkarzinom
Labor
Blutkulturen, mind. 2 Paar. Legionellen-Ag im Urin nur bei begründetem Verdacht.
Kein Pneumokokken-Ag im Urin.
Mikrobiologie
Eine invasive Diagnostik (Trachealsekret, BAL) ist der nicht-invasiven nicht überlegen und sollte nur bei therapeutischen Konsequenzen – i.d.R. bei schweren und langen Verläufen – durchgeführt werden.
Bei intubierten Patient:innen (VAP) ist bei Pneumonieverdacht jedoch immer ein adäquat entnommenes unteres Atemwegssekret einzusenden (Qualitätskriterien: siehe dt. S3-LL zur HAP).
Candida-Diagnostik respiratorischem Material ist überflüssig, da Hefepilzinfektionen als Ursache der HAP bei Patient:innen ohne definiertes Immundefizit extrem selten sind.
Aspergillus-Diagnostik dagegen ist dann sinnvoll, wenn Prädispositionen wie eine strukturelle Lungenerkrankung, eine rheumatologische Grunderkrankung oder eine Leberzirrhose vorliegen und/oder hinweisende Infiltrate in der CT-Thorax zur Darstellung kommen. Der Nachweis von Galaktomannan-Antigen aus der BAL ist dem Nachweis im Blut überlegen.
Blutkultur: Nachweis einer Bakteriämie und extrapulmonaler Foci
Keine routinemäßige Diagnostik auf respiratorische Viren. Nur in der Influenza-Saison sollte eine Diagnostik auf Influenza insbesondere bei Intensivpatient:innen erfolgen.
In der SARS-CoV-2 Pandemie Situation: Bei jeder ambulant erworbenen respiratorischen Infektion ist eine SARS-CoV-2 Infektion auszuschließen. Differentialdiagnose SARS-CoV-2 bei begründetem Verdacht auch bei nosokomial erworbener Atemwegsinfektion (Outbreak?).