Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen

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Inhaltsverzeichnis

Abstract:

DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Abstract

Klinisches Bild

DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Klinisches Bild

Klinische Situationen

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Leitsymptome

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Epidemiologie

DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Klinisches Bild/Epidemiologie

Prognose

DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Klinisches Bild/Prognose

Diagnostik

DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Diagnostik

Diagnosekriterien

DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Diagnostik/Diagnosekriterien

Diagnostische Schritte

DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Diagnostik/Diagnostische Schritte

Differentialdiagnosen

DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Diagnostik/Differentialdiagnosen

Erreger

DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Erreger

Therapie

DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Therapie

Empirische Therapie

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Kalkulierte Therapie

DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Therapie/Kalkulierte Therapie

Erregerspezifische Therapie

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Prophylaxe und Prävention

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Unterkapitel

DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Unterkapitel


Weiterführende Literatur und Hilfestellungen

DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Weiterführende Literatur und Hilfestellungen

Anmerkungen der Redaktion

DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Anmerkungen der Redaktion

Quellen

DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Quellen

Einzelnachweise




Geburtshilfliche Infektionen

Autoren: Masen Sueifan, Sabrina Mauruschat

Abstract

Geburtshilfliche Infektionen stellen für das Kind häufig ein Risiko dar, während die Schwangere oftmals von einer Infektion nicht oder nur kaum betroffen ist. Der Ausbreitungsweg potenzieller Pathogene ist unterschiedlich. Dieser kann hämatogen, vaginal aszendierend, diaplanzentar oder beim Durchtritt des Kindes durch den Geburtskanal sein. Des Weiteren lassen sich Infektionen nach dem Zeitpunkt der Entstehung unterscheiden – während der Schwangerschaft, peripartal und im Wochenbett.

Klinisches Bild

Das klinische Bild variiert stark je nachdem ob die Schwangere und/oder das Kind eine Infektion haben und richtet sich nach der zugrunde liegenden Erkrankung. Die Schwangerschaft an sich führt bei der Mutter zu einer erhöhten Anfälligkeit für Erkrankungen wie Harnwegsinfektionen oder auch Reaktivierung persistierender Erreger. Insbesondere kann es aber auch zu schwerwiegenden Komplikationen kommen. Hierunter zählen:

-      Embryopathie, Fetopathie, intrauteriner Fruchttod durch eine Infektion in utero

-       Frühgeburt

-       Tod der Mutter

-       Aszendierende Infektionen der Mutter (z.B. Sepsis)

-      Infektion des Kindes während der Geburt

Weiterhin wird das klinische Bild durch den Zeitpunkt der Infektion geprägt – hierbei handelt es sich um Infektionen während Schwangerschaft sowie peripartal und im Wochenbett.

Leitsymptome

Bakterielle Infektionen während der Schwangerschaft besitzen drei Ausbreitungswege – hämatogen, vaginal-aszendierend, vaginal-peripartal. Die Leitsymptome stehen daher in engen Kontakt mit dem zugrunde liegenden Ausbreitungsweg.

a)    Häufigere und miteinander assoziierte Erkrankungen

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Erkrankung Leitsymptom Direkte Schädigung Kind Komplikationen
Vorzeitiger Blasensprung spontaner schwallartiger oder auch nur tröpfchenweiser Abgang von Fruchtwasser

Frühzeichen:

- Zervixverkürzung mit innerem Trichter

- vorzeitige Wehen

Keine - Frühgeburt

- Triple I

- Nabelschnurvorfall

- Plazentalösung

Triple I (Amnioninfektionssyndrom) Verdacht auf Triple I:

- maternales Fieber plus

- fetale Tachykardie > 160/min länger als 10 Minuten oder

- maternale Leukozytose > 15.000/µl oder

- purulenter Fluor

bestätige Triple I:

- Verdacht auf Triple I plus nachgewiesene Infektion

- entweder per Amnionzetese im Fruchtwasser

- oder in der Plazenta, den Eihäuten oder der Nabelschnur (postpartal)

Neugeboreneninfektion - Frühgeburt

- Sepsis der Mutter

- Fetales inflammatory response syndrom (FIRS)

- Uterine Dysfunktion mit Gefahr eines Geburtsstillstands und/oder postpartaler Atonie

b)    weiteren häufigeren Infektionen:

Erkrankung Leitsymptom Mutter Direkte Schädigung Kind Komplikationen
Campylobacter fetus und jejuni Infektion

hämatogene Ausbreitung

- Krankheitsbeginn mit hohem Fieber

- abdominelle Krämpfe

- gefolgt von Diarrhöe, entweder in Form einer Ileitis (wässrig) oder in Form einer Kolitis (schleimig-blutig)

- septischer Abort

- septische Frühgeburt

- Spätfolgen: Reiterkrankheit, reaktive Arthritis, Guilian-Barré-Syndrom
E. coli

Vaginal-peripartal

- vorzeitiger Blasensprung

- fragliche Uteruskontraktionen, Krämpfe

- Fieber

- aber auch asymptomatischer Verlauf mit hoher Keimlast in Kultur

- Spätabort

- Frühgeburt

Neonatale E. coli Sepsis
Gruppe-B-Streptokokken

Vaginal-peripartal

- für Schwangere selten pathogene Bedeutung

- Fieber

- häufigste Ursache für neonatale Morbidität und Mortalität - es werden zwei Krankheitsverläufe unterschieden

a) early-onset: 24-48h nach Geburt

- rascher Verlauf

- pulmonale Adaptionsstörung

- Bradykardie

- Zyanose

- Apnoe-Attacken

- Trinkschwäche

- respiratory distress Syndrom

- Pneumonie

- Meningitis

- Sepsis

Herpes-Infektion

Vaginal-peripartal

- brennede Schmerzen

- Juckreiz

- Knötchen. Bläschen

- großflächige Läsionen

- Leistenlymphknoten- schwellung

- sehr selten im 1. Trimenon Chorioretinits, Mikrozephalie - bei florider Herpes genitales Infektion peripartal Gefahr eines Herpes neonatorum mit Todesfolge oder schweren Schäden

-Gefahr einer Herpes Infektion mit Folge eines Herpes neonatorum bei seronegativer Mutter durch Infektion mit Herpes oralis durch Besucher oder Personal

HPV-Infektion

Vaginal-peripartal

- bei niedrigrisiko-HPV-Typ häufigstes Symptom Condyloma acuminat

- bei hochrisiko-HPV-Typen asymptomatischer Verlauf

Keine - bei niedrigrisiko-HPV kann es nach Infektion des Kindes peripartal zu Larynxpapillome kommen

- Zervix-Ca der Mutter

Listeriose

hämatogene Ausbreitung

- Meist milde Symptomatik, grippe-ähnlich

- gelegentlich persistierendes niedriges bis mäßig erhöhtes Fieber, welches nach 8 – 10 Tagen wieder zunimmt.

- Schwangere haben 10-fach höheres Risiko eine Listeriose zu bekommen

- Fruchtod

- Frühgeburt

- bei Infektion hohe Mortalität des Kindes

Early-onset (diaplazentare Infektion) (1. Lebenswoche)

- Sepsis

- Atemnot

- Granulomatosis infantiseptica

Late-onset (vaginal-peripartal)/2.. Lebenswoche):

- Meningitis

Toxoplasmose

hämatogene Ausbreitung

- meist asymptomatische Klinik bis leichte grippe-ähnliche Symptome

- gefährlich ist Erstinfektion während der Schwangerschaft

Hydrocephalus

Retinochoroiditis

Totgeburt

Nach Jahren kann es zu Gesichtsfeldausfällen beim Kind kommen
Zervizitis

Vaginal-peripartal

- symptomloser Verlauf möglich

- vaginaler Ausfluss (Fluor), purulent/mukopurulent)

- vaginale Zwischenblutungen

- vorzeitiger Blasensprung

- bei Chlamydia trachomatis-Infektion keine direkte Schädigung, v.a. kein Zusammenhang zu Frühgeburtlichkeit

- bei Gonorrhöe (Gonokokken) Frühgeburt oder septischer Abort möglich

- bei Chlamydien-Infektion während der Geburt Konjunktivitis, seltener Otitis media

- nach Aspiration von Chlamydien während der Geburt Gefahr der Pneumonie

- bei Gonorrhoe Konjunktivitis, seltener oropharyngeale Infektion

c)    weiteren selteneren Infektionen:

Erkrankung Leitsymptom Mutter Direkte Schädigung Kind Komplikationen
A-Streptokokken-Infektion

hämatogene Ausbreitung

richtet sich nach der Erkrankung:

- Phyryngitis,Tonsilitis

- Scharlach: Sonderform der Pharyngitis (Ursache ist durch Bakteriophagen befallene A-Streptokokken), durch sich bildendes erythrogenes Toxin werden diffuse, auf Druck verblassende Erytheme gebildet, dabei sind Munddreieck, Handflächen und Fußsohlen ausgespart, Erdbeer-Zunge

- Gefahr für Mutter ab Blasensprung

Direkte Schädigung bei Scharlach nicht bekannt Erhöhtes Infektionsrisiko ab dem Zeitpunkt des Blasensprungs
Borreliose

hämatogene Ausbreitung

- Infektion mit Borrelien verläuft in drei Stadien, wobei nicht jedes Stadium durchlaufen werden muss

- Stadium 1: Erythema migrans

- Stadium 2: nach Wochen bis Monaten: Lymphadenosis cutis benigna oder seröse Meningitis

- Stadium 3: Spätstadium, chronisch-rezidiviernde Arthritis (Lyme-Borreliose)

- bisher kaum beschriebene Fälle

- Borellien sind mit Troponema pallidum verwandt

- Totgeburt

- Frühgeburt (mit Exanthem)

- Syndaktylie

HIV-Infektion

verschiedene Übertragunsgwege

- im Stadium I der Infektion, meist 2 -3 Wochen nach der Infektion, grippale Symptome, ähnlich einer EBV Infektion

- ca. 20% der Betroffenen zeigen Symptome im Stadium I

- keine direkte Schädigung des ungeborenen Kindes

- peripartales Infektionsrisiko bei ca. 30%

- AIDS definierende Erkrankung
Keuchhusten

hämatogene Ausbreitung

Beginn als grippaler Infekt (zu diesem Zeitpunkt ist Schwangere hoch-infektiös)

- im Anschluß folgt Stadium convulsivum (sehr geringe Infektiösität)

- charakteristisch sind Hustenanfälle mit anschließenden tiefen Atemzügen (verursacht durch Pertussis-Toxin -> antibiotisch nicht zu beeinflussen)

Nicht bekannt Im Stadium convulsivum Frühgeburt möglich
Lues

hämatogene Ausbreitung

Ein oder mehrere Ulci oder Oedema indurativum, mit zum Teil nicht schmerzhaften regionalen Lymphknotenschwellungen a) höchstes Risiko für das Kind bei Erstinfektion der Mutter während der Schwangerschaft (Primärinfektion). Wahrscheinlichkeit für Infektion des Kindes 70 bis 100%

- in der Frühschwangerschaft Frühabort oder Fruchttod

- ab 4. Schwangerschaftsmonat Lues connata

b) Infektion unter vaginaler Geburt führt zu Primäraffekt im Nacken und Kopf des Kindes

a) Lues connata praecox: entspricht Sekundärstadium der Syphilis

b) Lues connata tarda: klinische Symptome im späten Kindes- oder frühen Erwachsenenalter

Salmonellose

hämatogene Ausbreitung

- meist enteritische Salmonellose mit Brechdurchfall und Diarrhoe (meist nicht blutig)

- Typhus/Paratyphus selten

- Frühgeburt möglich

- enteritische Salmonellose mit schwerem Verlauf als bei Erwachsenen

- Meningitis
Staph. aureus Infektion

hämatogene Ausbreitung

- gehört nicht zur physiologischen Flora der Vagina

- hämatogene Streuung während Geburt

- Symptome entsprechend Besiedelung

- Konjunktivitis Sepsis
Trichomoniasis

Vaginal-peripartal

- Entzündung der Vaginalschleimhaut

- Rötung und Schwellung

- schaumig-dünnflüssiger, gelblich-grüner Fluor

- übelriechender Fluor

- vorzeitiger Blasensprung

- Spätabort

- Frühgeburt

- vermindertes Geburtsgewicht

- zervikale Neoplasien

- Unfruchtbarkeit

d)    Leitsymptome von peripartalen/Wochenbett-Infektionen:

Erkrankung Leitsymptom Mutter Komplikationen
Endometritis puerperalis Bei Frühendometritis (meist durch Anaerobier oder Darmkeime) stehen folgende Symptome im Vordergrund:

- Auftreten der Symptomatik meist 48 Stunden nach Entbindung

- Schlecht riechender Ausfluss

- vaginale Blutung

- Schmerzen

- mäßig hohes Fieber

- Uterus weich und dolent

- Fundus steht höher als es Wochenbettag entsprechen sollte

Bei Spätendometritis durch

Chlamydien steht im Vordergrund:

- Auftreten der Symptomatik 4-6 Wochen nach Entbindung

- Blutung

Bei im Verlauf nicht baldigen Rückgang des Fiebers ist eine Infektion mit Staph. aureus und Abszessbildung möglich
Episiotomiewundinfekt - Rubor, Tumor, Dolor, Calor

- nässende, eitrige Wunde

- Fieber

Indikation zur chirurgischen Intervention
Harnwegsinfekt - Dysurie

- Fieber

- Blut und Leukozyten im Wochenbett möglich

- aszendierender Harnwegsinfekt

- Urosepsis

puerperable Peritonitis - Fieber

- Schmerzen

- Diarrhöe bei weicher Bauchdecken

Kann Zwischenstufe zu Puerperal Sepsis sein
Puerperalsepsis - diffuser Krankheitszustand der Mutter

- Fieber besonders an Tag 2 und 3 bis 38,5°C

- plötzlicher, rasanter Symptomverlauf

- in Beine ausstrahlende Schmerzen

- Schwäche/Antriebsarmut

- qSOFA > 2 Punkte

- Vollbild einer fulminanten Sepsis

- respiratorische Insuffizienz

- toxic Schocksyndrom

- Pyoderma gangraenosum

- Tod der Mutter

Wundinfekt nach Sectio caesarea - Rubor, Tumor, Dolor, Calor

- nässende, eitrige Wunde

- Fieber

Sepsis

e)    Infektionen der Mamma:

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Erkrankung Leitsymptom Mutter Komplikationen
Mastitis puerperalis - örtlich begrenzte Rötung, Schwellung und Überwärmung der Brust

- lokal starke Schmerzen

- zudem können systemische Reaktionen wie Fieber (> 38 °C) auftreten

- hämatogene Streuung im Sinne einer Sepsis sind selten

Abszessbildung

Klinische Situationen

Infektionen in der Geburtshilfe sind in der westlichen und entwickelten Welt seltener geworden. Dennoch sind sie nach wie vor gefürchtet. Durch Impfungen konnten viele Risiken minimiert werden, dennoch müssen Infektionen der werdenden Mutter immer ernst genommen werden.

Epidemiologie

Nicht zu allen Infektionskrankheiten in der Geburtshilfe lassen sich Angaben zur Epidemiologie machen. So ist in Deutschland beispielsweise eine Chlamydia trachomatis Infektion nicht meldepflichtig.

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Infektion Häufigkeit
Endometritis puerperalis häufig, keine Zahlen verfügbar [1]
Episiotomie Infektion Insgesamt selten, da Episiotomie an sich selten geworden
Infektion nach Sectio caesarea ca. 1% bei stattgehabter PAP
Puerperalsepsis Keine offiziellen Daten vorhanden
Scharlach für die Tonsillopharyngitis wird mit ca. 1 – 1,5 Mio in Deutschland/Jahr geschätzt.

Scharlach: 4154 gemeldete Fälle 2020[2]

Vorzeitiger Blasensprung 8 – 10% aller Schwangerschaften
Gruppe-B-Streptokokken - bei ca. 20 – 30% der Menschen Teil der physiologischen Darmflora

- bei ca. 10 - 30% der Schwangeren in Vagina nachweisbar

- Trasmissionrate auf das Kind ca. 50%

Prognose

Die Prognose richtet sich nach der jeweiligen Erkrankung/Infektion.


Diagnostik

Diagnosekriterien

Diagnosekriterien sind bei der Vielzahl möglicher geburtshilflicher Infektionen die Beurteilung einer dezidierten gynäkologischen Untersuchung sowie, falls indiziert, eine angemessene mikrobiologische Probengewinnung. Diese muss sich auf die zugrunde liegenden Arbeitsdiagnose beziehen.

Diagnostische Schritte

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Erkrankung Klinik Mikrobiologie/Labor
A-Streptokokken

hier: Scharlach

- Exanthem, Erythem, Pyodermie

- Fieber

- ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A in Rachen und/oder Vagina

- Labor: Leukozytose, CRP

- Serologie nicht relevant

Borreliose Stadium I: Erythema migrans

Stadium II: nach Wochen bis monate Lymphadenosis cutis benigna oder seröse Meningitis

Stadium III: chronisch-rezidivierende Arthirtis (Spätstadium)

Stadium I: klinische Diagnose, nur in 50% Antikörper nachweisbar

Stadium II: Erregernachweis mittels Serologie (ELISA), PCR

Campylobacter jejuni und fetus - klinische Untersuchung Erregernachweis aus Fruchtwasser, Stuhl, Blutkultur
Episiotomie-Wundinfektion - postpartum Wundinspektion keine
HIV-Infektion reduzierter AZ und EZ - AK-Schnelltest, wenn pos.

- dann PCR und Immunstatus

- Resistenztestung

HPV Unspezifischer Fluor Vaginaler Abstrich

PCR

Keuchhusten - klinische Untersuchung

- Symptome eines grippalen Infekts (7. – 14 Tage nach Indfektion).

CAVE: Pat. Zu dieser Zeit hochinfektiös

nasopharyngealer Abstrich

PCR

ELISA gegen Pertusistoxin und (PT) und Filamenthämagglutinin (FHA = begünstigt Adhäsion anderer Bakterien z.B. Pneumokokken) möglich

Listeriose - allgemeine klinische Untersuchung

- Meningismus?

Erregernachweis PCR oder Kultur aus

- Blutkultur

- Fruchtwasser

- Liquor (bei V.a. Meningitis)

- Zervix Abstrich nach vorzeitigem Blasensprung

Serologie wegen Kreuzreaktion ungeeignet

Lues - gynäkologische Untersuchung

- nicht schmerzhafte Lymphknoten

- Ulcus oder Oedema indurativum

- TPHA- oder TPPA Test sind sicher Hinweise auf abgelaufene Infektion, aber kein Hinweis auf Floridität

- Behandlungswürdigkeit mittels VDRL-Test und verschiedene IgM Antikörper

Puerperal Peritonitis - klinische Untersuchung

- v.a. weiches Abdomen typisch

- laborchemische Infektzeichen
Salmonellose - klinische Untersuchung

- Anamnese auf mögliche Übertragung: kontaminierte Lebensmittel (Fleisch, Geflügel, Eier, etc.), mögliche Schmierinfektion von gesunden Dauerausscheidern

Stuhl auf pathogene Erreger
Staph. aureus Infektion - gynäkologische Untersuchung - vaginaler Abstrich

- Abnahme von 2 bis 3 Paar Blutkulturen

- CRP, PCT

Toxoplasmose - Klinische Untersuchung

- evtl. Augenhintergrund

- Toxoplasma- Antikörper-Suchtest ->

- Toxoplasma-IgM-Antikörper-Test ->

- Toxoplasma-Abklärungsverfahren ->

- Beurteilung der Ergebnisse

Immunität kann angenommen werden bei:

IgG-AK pos plus IgM-AK neg

Trichomoniasis Gynäkologische Untersuchung Vaginaler Abstrich
Triple I - Temperaturmessung

- Vitalparameter Mutter und Kind

- CRP, Leukozyten im BB

- Zervix-/Vaginalabstrich

- Amniozentese

- postpartale Biopsie von Plazenta, Eihäuten, Nabelschnur zur Histopathologischen Untersuchung

Vorzeitiger Blasensprung - gynäkologische Untersuchunng

- Spekulumeinstellung, Nachweis von Vernix-Flocken

- Ultraschalluntersuchung

- Abstrich Mikrobiologie

- laborchemische Entzündungsparameter

Differentialdiagnosen

Das Feld de geburtshilflichen Infektionen umfasst eine große Anzahl verschiedenster Erreger und Erkrankungen. Eine gewissenhafte gynäkologische Untersuchung sowie eine geeignete mikrobiologische Umfeld Diagnostik sind daher ebenso wichtig wie eine interdisziplinäre Versorgung der Schwangeren.

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Erkrankung Differentialdiagnose
Toxoplasmose Bei Lymphadenitiden im Halsbereich:

- Malignom, z.B. M. Hodgkin

- Streptokokken-Angina

- Mononikleose (EBV)

- Katzenkrankheit durch Bartonellen

Bei Ophtalmonolgie:

- Troponema pallidum

- Mycobacterium tubercolosis

- CMV (bei immunsupprimierten)

- okkuläre Sarkoidose

Bei Enzephalitis:

- Humanes Polyomavirus 2 (PML)

- Aspergillose

- Lymphom

- Hirninfarkt

Erreger

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Infektion Erreger
A-Streptokokken-Infektion Streptococcus pyogenes
Endometritis puerperalis - A-Streptokokken

- Enterobacteriacea

- Anaerobier

Episiotomie Wundinfektion - häufig Anaerobier
Infektio nach Sectio caesarea - A-Streptokokken

- Staph. aureus

- Enterobacteriacea

- Anaerobier

- Gardnerella vaginalis

Keuchhusten Bordetella pertusis
Listeriose Listeria monocytogenes
Lues Troponema pallidum
Mastitis puerperalis - Staphylococcus aureus

- Gruppe B Streptokokken

- koagulasenegative Staphylokokken

- Streptococcus viridans

puerperale Peritonitis - A-Streptokokken

- Staph. aureus

- Enterobacteriacea

- Anaerobier

Puerperal-Sepsis - meist Streptococcus pygenes (A-Streptokokken)

- selten: Streptococcus pneumoniae, Staph. aureus, Enterobacteriacea

Trichomoniasis Trichomonas vaginalis
Triple I - Streptokokken der Gruppe A und B

- Staphylokokken

- Anaerobier

- E. colie

- Enterokokken

Vorzeitiger Blasensprung - Gonokokken

- Trichomonaden

- Bakterien der Darmflora

- Dysbiose bei bakterieller Vaginose

Therapie

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Erkrankung Substanz Dosierung Dauer
A-Streptokokken-Infektion Amoxicillin

bei Penicillin-Allergie

Clindamycin

CAVE: Fluorchinole in Schwangerschaft kontrainduiziert und zudem schlecht wirksam

3 x 1g p.o.

3 x 600mg p.o.

5 – (10) Tage

5 – (10) Tage

Borreliose Amoxicillin oder

Ceftriaxon

CAVE: Therapie nur bei klinischen Hinweise auf Infektion und/oder IgM Nachweis; Doxycyclin in der Schwangerschaft kontroindiziert

3 x 1g p.o.

1 x 2g i.v.

14 Tage
Campylobacter fetus und jejuni Infektion Erkrankung meist selbstlimitieren;

schwere Verläufe

Azythromycin

1 x 500mg p.o. 3 Tage
E. coli
Endometritis puerperalis Early-onset:

Ampicillin/Sulbactam plus

Gentamycin

Late-onset

Piperacillin/Tazobactam plus

Gentamycin

2g/1g q8h i.v.

5mg/kg KG q24h i.v.

4g/0,5g q8h i.v.

5mg/kg KG q24h i.v.

Bis 24h nach Entfieberung
Episiotomiewundinfekt Cefuroxim plus

Metronidazol

1,5g q8h i.v. plus

500mg q12h i.v.

5 – 7 Tage
Gruppe-B-Streptokokken Amoxicillin/Sulbactam

Kind:

Wenn Mutter GBS Prophylaxe erhalten hat, Beobachtung des Neugeborenen für 48h.

Ohne angemessene Prophylaxe Beobachtung für 48h. Wenn Fruchtblase > 18h vor Geburt oder < 37 SSW dann BK,Blutbild, CRP. Weitere Therapie je nach Befund

2g/1g q8h i.v. 5 – 7 Tage
Harnwegsinfekt Fosfomycin 3g oral 1x
Herpes-Infektion Aciclovir 5 x 200 mg p.o.

oder

3 x 400mg p.o.

5 – 10 Tage
Keuchhusten Azithromycin

CAVE: antibiotische Therapie nur sinnvoll in Frühphase, also in der Zeit der Infektiosität

1 x 500mg p.o.

1 x 250mg p.o.

Tag 1

Tag 2 - 5

Listeriose Während der Schwangerschaft:

Ampicillin

Sepsis Kind (early-onset):

Ampicillin

Meningitis Kind (late-onset):

Ampicillin plus

Gentamycin

2g q4h i.v.

Pädiatrische Dosierung beachten

21 Tage

14 Tage

21 Tage

Lues Benzylpenicillin-Benzathin

Bei echter Penicillin Allergie:

Ceftriaxon

2,4 Mio IE i.m.

Dosis auf zwei Punktionsstellen verteilt

2g q24h

1x pro Woche

Über 3 Wochen

3 Wochen

Mastitis puerperalis Flocloxacillin oder

Cefazolin

Bei gesicherter Penicillin-Allergie

Clindamycin

4 g q8h i.v.

2 g i.v.

600 mg q8h i.v.

7 – 10 Tage

7 – 10 Tage

7 – 10 Tage

Puerperale Peritonitis Cefuroxim plus Metronidazol 1,5g q8h i.v. plus

500mg q8h i.v.

7 – 10 Tage
Puerperal-Sepsis Ampicillin/Sulbactam

oder

Cefuroxim plus Metronidazol

2g/1g q8h i.v.

1,5g q8h i.v. plus

500mg q8h i.v.

7 – 10 Tage

7 – 10 Tage

Salmonellose Keine antibiotische Therapie empfohlen. Datenlage allerdings dünn.
Staph. aureus Infektion Bei Kolonistation der Vagina:

Lokales Desinfektivum

Bei Bakteriämie

Flucloxacillin

4g q8h i.v. mind. 14 Tage

Kontrolle durch Blutkultur

Toxoplasmose[3] Spiramycin

Ab 16. SSW:

Pyrimethamin plus

Sulfadiazin plus

Folinsäure

(CAVE: nicht Folsäure!)

3 x 1g p.o.

1. Tag 50mg p.o.

ab 2. Tag 25mg p.o.

4 x 1g p.o.

15mg p.o. (3x wöchentlich)

Bis zur 16. SSW

Falls im Ultraschall Hinweis auf eine Infektion des Feten, fortsetzen der Therapie bis zum Enden derSchwangerschaft

Trichomoniasis ab 14. SSW:

Metronidazol

2 x 500mg p.o. 5 – 7 Tage
Triple I Amoxicillin/Sulbactam

Empirische Therapie nach mikrobiologischen Befunden

2g/1g q8h i.v. 5 – 7 Tage
Vorzeitiger Blasensprung Keine generelle Empfehlung für antibiotische Therapie
Wundinfekt nach Sectio caesarea Cefuroxim plus

Metronifazol

1,5g q8h i.v.

500 mg q12h i.v.

5 – 7 Tage
Zervizitis Je nach nachgewiesenem Erreger

Prophylaxe / Prävention (Autoren:Masen Sueifan, Sabrina Mauruschat)

Bei rezidivierenden oder unspezifischen Fluor Kultur auf Gonokokken, Mykoplasmen und Chlamydien, da diese oft in der Mikroskopie nicht erkennbar sind. Immer HIV Test, ggf. auch Hepatitis C und E Serologie in der Schwangerschaft.

Insgesamt ist es unbedingt anzustreben, zum Zeitpunkt der Geburt alle Infektionen zu kennen und zu sanieren

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Erkrankung Prophylaxe
A-Streptokokken - bei A-Streptokokken Infektion in Umgebung der Schwangeren, Abstrich aus Rachen und Vagina. Vor Geburt zwingend erneuter Abstrich um Infektion des Kindes zu vermeiden. Bei Kolonisation 10-tägige antibiotische Prophylaxe

- Kolpitis/granulozytenreicher Fluor: Abstrich zur Mibi

- Hautauschläge: A-Streptokokken Infektion in Betracht ziehen

- Pyodermie: Abstrich aus Pusteln

- Sectio caesarea: perioperative Antibiotikaprophylaxe obligatorisch

Borreliose Expositionsvermeidung

Rasches Entfernen der Zecke

Chlamydia trachomatis Screening Untersuchung zu Beginn der Schwangerschaft
Gruppe-B-Streptokokken (GBS) - Screening der Schwangeren zwischen 35 + 0 und 37+ 0 SSW auf GBS

- ggf. intrapartale Antibiotikagabe an die Mutter

- ggf. postnatale Überwachung des Neugeborenen

- ggf. postnatale Antibiotikabehandlung der Mutter[4]

Mastitis puerperalis - tragen eines BHs auch bei Nacht

- kühlende Umschäge

- Brustwarzenpflege

- Einweisung zum Stillen

Salmonellose - Beachtung Lebensmittelhygiene

- wenn Mutter Dauerausscheider dann Vermeidung der Kontamination des Kindes unter Entbindung

- Sectio caesarea nur bei hohem Risiko

STD Aufklärung über STD

Verwendung von Kondomen

Toxoplasmose[5] - Keine rohen oder nicht ausreichend erhitzten oder gefrosteten Fleischprodukte

- Rohes Gemüse und Früchte vor dem Verzehr gründlich waschen

- Waschen der Hände vor dem Essen

- Waschen der Hände nach dem Zubereiten von rohem Fleisch, nach Garten-, Feld- oder anderen Erdarbeiten und nach dem Besuch von Sandspielplätzen

- Beim Halten einer Katze innerhalb der Wohnung in der Umgebung der Schwangeren sollte die Katze mit Dosen- und/oder Trockenfutter ernährt werden. Die Kotkästen, insbesondere frei gehaltener Katzen sollten täglich durch Nicht-Schwangere mit heißem Wasser gereinigt werden


Weiterführende Literatur & Hilfestellungen

Petersen, E.: „Infektionen in Gynäkologie und Geburtshilfe“, 1. Auflage 1988 (5 Aufl.), Stuttgart, Thieme Verlag, ISBN 978-3-13-722901-8.

Meldepflichtige Erkrankungen in der Geburtshilfe laut Infektionsschutzgesetz (IfSG)

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Erkrankung/Erreger Grundlage Meldung durch
Campylobatcer IfSG §7 namentlich durch Labor
HIV IfSG §7 namentlich durch Labor
Keuchhusten/

Bordetella pertusis

IfSG §6

IfSG §7

namentlich durch Arzt

namentlich durch Labor

Salmonella sp. IfSG §7 namentlich durch Labor
Toxoplasma gondii IfSG §7 namentlich durch Labor, nur bei konnataler Infektion
Treponema pallidum IfSG §7 namentlich durch Labor

Tabellarische Anmerkungen zur Meldepflicht nur bei ganz klarer Lehrmeinung angeben.

Anmerkung der Redaktion

Quellen

Martius (Federführung), J., U.B. Hoyme, R. Roos, A. Franz, P. Bartmann, und F. Pohlandt. „Prophylaxe der Neugeborenensepsis (frühe Form) durch Streptokokken der Gruppe B“. In Leitlinien Kinder- und Jugendmedizin, B17.1-B17.8. Elsevier, 2015. https://doi.org/10.1016/B978-3-437-22061-6.50364-5.

Rath, Werner, und Klaus Friese, Hrsg. Erkrankungen in der Schwangerschaft. Stuttgart: Georg Thieme Verlag, 2005. https://doi.org/10.1055/b-002-54074.

Robert Koch-Institut. „RKI-Ratgeber Toxoplasmose“, 2018. https://doi.org/10.17886/EPIBULL-2018-051.

Robert-Koch-Institut. „SurvStat@RKI 2.0“. Zugegriffen 26. September 2020. https://survstat.rki.de/Content/Query/Create.aspx.


[1] Rath und Friese, Erkrankungen in der Schwangerschaft.

[2] Robert-Koch-Institut, „SurvStat@RKI 2.0“.

[3] Robert Koch-Institut, „RKI-Ratgeber Toxoplasmose“.

[4] Martius (Federführung) u. a., „Prophylaxe der Neugeborenensepsis (frühe Form) durch Streptokokken der Gruppe B“.

[5] Robert Koch-Institut.