DGI:Gynäkologische Infektionen/Klinisches Bild

From Infektiopedia
Revision as of 16:33, 19 October 2020 by imported>Brinkery (Die Seite wurde neu angelegt: „=Klinisches Bild= Das klinische Bild von gynäkologischen Infektionen wird geprägt durch Veränderungen des Scheidenausflusses, dem Fluor, durch knötchenför…“)
(diff) ← Older revision | Latest revision (diff) | Newer revision → (diff)

Klinisches Bild

Das klinische Bild von gynäkologischen Infektionen wird geprägt durch Veränderungen des Scheidenausflusses, dem Fluor, durch knötchenförmige und flächige Rötungen sowie brennenden Schmerzen und Juckreiz.

Je nach Infektion benötigt der Erreger zudem eine Eintrittspforte und verursacht oftmals ein typisches klinisches Bild.

Leitsymptome

Grundlagen: [neue Zwischenüberschrift]

Gynäkologische Infektionen führen häufig zu einer Veränderung des physiologischen Fluors. Wichtige Unterscheidungskriterien sind:

-      Konsistenz (wässrig, klebrig, dünn, fest)

-       Geruch (fischartig, säuerlich, stinkend)

-       Ursache der Infektion (Bakterien, Pilze, Viren)

-      deutlich erhöhte Leukozytenzahl im Fluor

Der Verlauf einer Infektion der weiblichen Geschlechtsorgane kann asymptomatisch oder nur von geringer Ausprägung sein. Typische Beschwerden einer Infektion können sein:

-      Pruritus

-       Brennen beim Wasserlassen oder Geschlechtsverkehr

-       Schmerzen

-       Rubor

-      Schwellung

Das klinische Bild einer Infektion lässt sich oft durch folgende Erscheinungen einordnen:

-      veränderter Fluor

-       Ulkus

-      Pusteln/Bläschen

mso-yfti-tbllook:1184;mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt"

Erkrankung/Infektion Pathogenese Leitsymptome
Bakterielle Vaginose -       Dysbiose des Scheidenmileus

-       Abnahme H2O2 bildender Laktobazillen

-       Konsekutive Zunahme potentiell pathogener Erreger

-       Abnahme des sauren pH

-       ein auf der Scheidenwand haftender dünnflüssiger, grau-weißer bis gelber vaginaler Fluor

-       brennende Schmerzen, v.a. beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)

-       Pruritus

-       ggf. Dysurie

Bartholinitis -       Entzündung der Glandula vestibularis major durch Darm-/Hautkeime-       Verschluss des Ausführungsgangs möglich -       einseitige Rötung und Schwellung im kaudalen Labienanteil

-       starke Schmerzen

-       plötzlich eintretende Symptomatik

Vulvitis pustulosa -       Hautläsionen

-       Läsionen an Hautanhangsgebilden

-       Schlechte und übertriebene Hygiene

-       Adipositas

-       Pusteln, Knötchen

-       Juckreiz

-       Rötung, Schwellung

-       Dysurie

Vulvitis

-       Furunkel/Karbunkel

-       eingewachsene Haare

-       verstopfte Talgdrüsen

-       Immunsuppression

-       mangelnde Hygiene

-       Pusteln, Knötchen

-       Juckreiz

-       Rötung, Schwellung

Vulvitis

-       ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A

è         Streptococcus pyogenes

-       meist digitale Übertragung vom Nasen-Rachen-Raum

-       mangelnde Hygiene

-       „häufigste“ bakterielle Vulvitis bei Kindern vor der Pubertät

-       leichte bis starke immer flächige Rötung

-       erinnert an Pilzinfektion

-       Schmerzen

Erythrasma -       Infektion des Stratum corneum

-       eher ältere Frauen befallen

-       begünstigend ist feucht-warmes Milieu (Hautfalten, Labia majora)

-       meist keine Beschwerden

-       durch Porphyrinbildung der Corynebakterien rotbraune, makulopapulöse Hautveränderungen

Kolpitis

-       Trichomoniasis

-       begünstigend ist feucht-warmes Milieu der Scheide -       fleckige Rötung, kann mal an Herpes erinnern

-       Brennen stärker als Juckreiz

-       evtl. Dysurie

Fluor:

-       grün-gelb, bis schaumig, dünnflüssig, evtl. klebrig

-       pH > 5

Kolpitis

-       A-Streptokokken

-       Schmierinfektion von oral

-       Sexualverkehr

-       nicht von anderen Kolpitiden unterscheidbar
Kolpitis

-       Staph. aureus

-       begünstigend ist feucht-warmes Milieu der Scheide -       äußerst selten

-       typische Symptome

Kolpitis

-       ohne Erregernachweis

-       begünstigend ist feucht-warmes Milieu der Scheide -       meist chronisch

-       gelblicher Fluor über langen Zeitraum

-       viele Behandlungsversuche

-       pH 4,5 – 6

Zervizitis -       siehe Kapitel STD

Klinische Situationen

Infektionen können in jedem Alter auftreten und hängen maßgeblich von dem Grad der sexuellen Aktivität, Hygiene, Hormonstatus, Antibiotikatherapien, Stress, Schlafmangel und chronischen Krankheiten/Immunsupression ab.

Frauen mit einer Frühgeburt in der Anamnese zählen bei einer bakteriellen Vaginose zu den Hochrisikopatientinnen. Ebenfalls stellen rezidivierende Harnwegsinfektionen und Blutungsanomalien einen Hinweis auf eine BV dar und sollten großzügig untersucht werden.

Epidemiologie

mso-yfti-tbllook:1184;mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt"

Bartholinitis Am häufigsten sind Frauen im Alter von 19 bis 35 Jahren betroffen[1]
Bakterielle Vaginose Ca. 5% der Frauen die zu einer Vorsorgenuntersuchung kommen haben eine BV[2]

Prognose

Akute Infektionen lassen sich meist effektiv therapieren, wobei chronische Verläufe oftmals nur symptomatisch behandelt werden können, oder bei der Bartholinitis eine chirurgische Intervention mit Marsupialisation erforderlich machen können.

Diagnostik

Diagnosekriterien

In der Gynäkologie spielt neben der klinisch-gynäkologischen Untersuchung die Mikroskopie von Nativpräparaten eine wichtige Rolle. Darüber hinaus kommt der Mikrobiologie ebenfalls eine entscheidende Rolle zu. Eine umfassende Kenntnis über die verschiedenen Infektionen in der Gynäkologie ist daher unumgänglich.

Diagnostische Schritte

a)    Bakterielle Vaginose

Die Diagnose der BV wird klinisch gestellt und gilt als gesichert, wenn drei der vier genannten Kriterien positiv sind:

Amsel-Kriterien: Amingeruch -Schlüsselzellen, erhöhter pH, liquider Fluor

-      Grau-weißer, homogener Fluor

-       Nachweis von Schlüssel-Zellen (Clue Cells)

-       Erhöhter vaginaler pH-Wert (> 4,5)

-       Fischartiger Geruch, insbesondere nach Alkalisierung mit 10%iger Kalilauge (KOH)

-      Ermittlung des Nugent Scores

Diagnostische Schritte

-      Klinische/gynäkologische Untersuchung

-       pH-Wert Messung

-       Beurteilung eines Nativpräparats des Fluors

-       Klinische/gynäkologische Untersuchung (im Falle einer Bartholinitis meist ausreichend)

-       pH-Wert Messung

-       Beurteilung eines Nativpräparats des Fluors

-      Nugent Score = Erstellung eines gramgefärbten Vaginalabstrichs zur quantitativen und qualitativen Beurteilung der Bakterien Entitäten.[3]

mso-yfti-tbllook:1184;mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt"

Grampositive Stäbchen Nugent-Score
4+ (>30/Gesichtsfeld) 0
3+ (5-30/Gesichtsfeld) 1
2+ (1-4/Gesichtsfeld 2
1+ (<1/Gesichtsfeld) 3
0 (keine in 5 Gesichtsfeldern 4

mso-yfti-tbllook:1184;mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt"

Gramnegative bzw. gramlabile Stäbe (z.B. Gardnerella, Prevotella, Bacteriodes) Nugent-Score
4+ (>30/Gesichtsfeld) 4
3+ (5-30/Gesichtsfeld) 3
2+ (1-4/Gesichtsfeld 2
1+ (<1/Gesichtsfeld) 1
0 (keine in 5 Gesichtsfeldern 0

mso-yfti-tbllook:1184;mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt"

Gramlabile gebogene Stäbchen (Mobiluncus) Nugent-Score
4+ (>30/Gesichtsfeld) 2
3+ (5-30/Gesichtsfeld) 2
2+ (1-4/Gesichtsfeld 1
1+ (<1/Gesichtsfeld) 1
0 (keine in 5 Gesichtsfeldern 0

Beurteilung Nugent-Score

mso-yfti-tbllook:1184;mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt"

Nugent-Score 0 – 3 (negativ) Kein Anhalt für eine BV
Nugent-Score 4 – 6 (intermediär) Ergebnis ist in Zusammenschau mit der klinischen Symptomatik zu beurteilen
Nugent-Score 7 – 19 (positiv) Vom Vorliegen einer BV ist auszugehen

b)   Weitere Erkrankungen/Infektionen

solid black .5pt;mso-yfti-tbllook:1184;mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt"

Erkrankung/Infektion Diagnostische Schritte
Vulvitis

-       A-Streptokokken

-       Kultur aus Fluor

è         da Resistenzen selten ist eine Testung nicht unbedingt erforderlich

-       Mikroskopie des Fluors: mehr Granulozyten als Epithelzellen, fehlende Laktobazillen, Kettenkokken sind selten, meist nur mehrere hintereinander

Erythrasma -       Klinische Untersuchung

-       Hautveränderung an typischen Stellen

-       Abstrich und Mikrobiologie meist nicht erforderlich

-       Unter UV-Licht (Wood-Licht) ziegelrote Fluoreszenz

Kolpitis -       gynäkologische Untersuchung

-       Mikroskopie

o   Trichomonaden machen ruckartige Bewegung

o   Anzahl Granulozyten

-       Abstrich/Kultur

-       Färbungen nach Giemsa

Differentialdiagnosen

mso-yfti-tbllook:1184;mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt"

Erkrankung/Infektion Differentialdiagnose
Vulvitis pustulosa Neben Infektionen mit Staph. aureus kommen folgende Erreger/Infektionen in Betracht:

-       Candida albicans -> keine Bindung an Follikel

-       Herpes genitalis: Bläschen und Erosionen

-       Molluscum contagiosa: Virusinfekt

Erythrasma -       Fadenpilzinfektion (Tinea inguinalis)

-       Ekzem

-       Candidose

-       Psoriasis vulgaris

Bakterielle Vaginose -       Chlamydien-Infektion

-       Gonorrhoe

-       Mykosen

-       Staphylococcus aureus

-       Streptokokken Gruppe A

-       Trichomonaden

-       Vulvitis

-       Cervixkarzinom

-       Vaginalkarzinom

Kolpitis mögliche Ursache:

-       Pilzinfektion

-       Viren

-       Protozoen

-       Bakterien

-       Kein Keimnachweis

-       Gonorrhoe

-       Zervizitis