DGI:Geburtshilfliche Infektionen/Vorzeitiger Blasensprung
Der vorzeitige Blasensprung kann bei aszendierender Infektion mit einer erhöhten Mortalität und Morbidität des Feten bzw. Neugeborenen assoziiert sein. Man unterscheidet den vorzeitigen Blasensprung vor Beginn der Eröffnungsperiode (Premature Rupture Of Membranes, PROM) von dem frühen vorzeitigen Blasensprung vor 37+0 SSW (Preterm Prelabor Rupture Of Mebrane, PPROM). Eine antimikrobielle Prophylaxe wird nach einem PROM bei reifem Kind erst nach 12 – 18 Stunden, oder bei erhöhten Infektparametern empfohlen, bei PPROM jedoch, sobald die Diagnose gesichert ist. Neben der Diagnostik mittels möglichst steriler Spekulumeinstellung, die bei unklarer Diagnose auch eine pH-Bestimmung des Scheidensekretes und den Nachweis von insulin-like growth factor-binding protein 1 (IGFBP-1) oder plazentarem alpha-1-Mikroglobulin (PAMG-1) umfassen kann, sollte immer ein bakteriologischer Abstrich aus der Cervix entnommen werden.
- Abstrich auf allgemein pathogene Keime
- Abstrich auf Streptokokken der Gruppe B (Selektivmedium)
- Abstrich zum Ausschluss / Nachweis von Mykoplasmen / Ureaplasmen bei Frühgeburtlichkeit
Nach dem Auftreten eines (frühen) vorzeitigen Blasensprungs kann es durch eine Vielzahl von Bakterien zu einer aszendierenden Infektion kommen. Im Vordergrund stehen hierbei eine gestörte Vaginalflora durch Darmbakterien. Aber auch Mycoplasma hominis (ursächlich für Triple I), Gardnerella vaginalis und Ureaplasma urealyticum können verursachende Pathogene sein. Obwohl fast jede Schwangere in der Früh-Schwangerschaft einen Chlamydien-Test macht, sind in seltenen Fällen Chlamydia trachomatis (Hauptursache für neonatale Konjunktivitiden und Pneumonien) für Infektionen verantwortlich. Zum frühen vorzeitigen Blasensprung gibt es keine eindeutige Evidenz für ein bestimmtes antimikrobielles Behandlungsregime. Die Therapie beinhaltet in der Regel eine Kombination von einem Aminopenicillin und einem Makrolid. Aminopenicilline zeigen eine gute Aktivität gegen B-Streptokokken, während Makrolid-Antibiotika gut zur Therapie von intrazellulären Erregern (wie Mykolpasmen) geeignet sind. Es gilt zu beachten, dass Beta-Laktamase Hemmer vorerst nicht zum Einsatz kommen sollten, da es Hinweise gibt, dass sie die Entstehung einer neonatalen Enterocolitis begünstigen könnten. Die kumulative Therapiedauer beträgt bei:
- Frühem vorzeitigem Blasensprung insgesamt 7 Tage
- Vorzeitigem Blasensprung, wenn 12 - 18 Stunden oder länger vor Geburtsbeginn, bei erhöhten Infektparametern, bis einschließlich 3. Tag postpartum nur bei entsprechender Klinik der Mutter
| Klinische Situation | Präferenz | Substanz | Dosierung | Dauer | Anpassungen | Kommentar |
|---|---|---|---|---|---|---|
| < 37. + 0 SSW | Therapie der Wahl | Azithromycin po | 1g | 1x | ||
| Zusätzlich | Ampicillin iv | 2g | 2d | - | Keine ß-Laktamase-Hemmer | |
| Ab Tag 3 | Amoxicillin | 500mg | 5d | - | Keine ß-Laktamase-Hemmer |
| Klinische Situation | Präferenz | Substanz | Dosierung | Dauer | Anpassungen | Kommentar |
|---|---|---|---|---|---|---|
| < 37. + 0 SSW | Therapie der Wahl | Azithromycin po | 1g | 1x | ||
| Zusätzlich | Clindamycin iv | 900mg | 2d | - | - | |
| Ab Tag 3 | Clindamycin po | 900mg | 5d | - | - |
| Klinische Situation | Präferenz | Substanz | Dosierung | Dauer | Anpassungen | Kommentar |
|---|---|---|---|---|---|---|
| > 37. + 0 SSW | Therapie der Wahl | Cefuroxim iv | 1,5g | Bis zur Geburt |
| Klinische Situation | Präferenz | Substanz | Dosierung | Dauer | Anpassungen | Kommentar |
|---|---|---|---|---|---|---|
| > 37. + 0 SSW | Therapie der Wahl | Clindamycin iv | 900 mg | Bis zur Geburt |
Ziel der antimikrobiellen Prophylaxe ist die Vermeidung einer Infektion des Kindes und/oder der Mutter. Frauen mit einem PROM entwickeln in ca. 6,7% der Fälle eine Chorioamnionitis (maternales Fieber, Leukozytose oder übelriechendes Fruchtwasser), wobei die Wahrscheinlichkeit mit Anzahl der vaginalen Untersuchungen steigt.