DGI:Geburtshilfliche Infektionen/Mastitis puerperalis/Klinisches Bild
Klinisches Bild
Die Mastitis puerperalis ist eine während der Stillzeit auftretende akute bakterielle Entzündung der weiblichen Brust und um eine der häufigsten Erkrankungen im Wochenbett.. Aufgrund der in der Literatur unterschiedlichen Definitionen der Mastitis puerperalis, schwankt die Inzidenz je nach der zu Grunde liegenden Definition.
Ist ein Milchstau Ursache für eine Mastitis puerperalis können verschiedenste Faktoren Auslöser der Entzündung der Brustdrüse sein. Hierzu zählen:
- Stilltechnik
- Stillfrequenz (zu kurze oder zu seltene Stillperiode)
- Verschluss von Milchgängen aufgrund von:
- Verstopfung durch feste Partikel (Casein-Calcium-Verbindungen, Fettklümpchen)
- Zu enge Bekleidung und daraus resultierender Einschnürung
- Übermäßige Milchproduktion
- Fehlender Milchreflex, z.B. durch Stress, Schlafmangel
- Stillen von Zwillingen/Mehrlingen
Ein Milchstau ist ein Prädiktor einer bakteriellen Infektion der Brust.
Durch Verletzungen an der Mamille kann es zu einer bakteriellen Infektion der Brustdrüse kommen. Hierdurch können (fakultativ) pathogene Erreger in die periduktalen Lymphbahnen vordringen. Weitere Faktoren stellen eine mangelnde Hygiene aber auch vorangegangene Entzündungen und Verletzungen, z.B. auch durch ein Piercing, eine Rolle. Die Mastitis puerperalis tritt gehäuft in der zweiten bis vierten Woche post partum auf. Je nach Ursache imponieren die Patientinnen durch folgende Symptome.
Bei bakterieller Ursache:
- Örtlich begrenzte Rötung, Schwellung und Überwärmung der Brust
- Lokal starke Schmerzen
- Hämatogene Streuung im Sinne einer Sepsis sind selten
Mastitis puerperalis aufgrund eines Milchstaus:
- Lokale Verhärtung und Schmerzen
- Nur geringe oder keine Überwärmung
- Kein Fieber
- Eventuell kleines weißes Bläschen auf der Mamille (white blister)
Die Erkrankung tritt meist in den ersten drei Monaten nach der Geburt auf. Die Inzidenz variiert in den weltweiten Studien stark. Hintergrund hierfür sind die sehr unterschiedlichen Studienpopulationen. Die angegebenen Inzidenzen schwanken zwischen 2 und 50%[1]. Eine prospektive Studie aus Schottland ergab beispielsweise unter 420 stillenden Frauen eine Inzidenz von 18% innerhalb eines halben Jahres[2]. Da es sich im Frühstadium bei der Mastitis puerperalis meist nicht um einen bakteriellen Infekt handelt, klingen die Symptome durch regelmäßige Entleerung der Brust in der Regel ab[3]. Bei Vorliegen einer bakteriellen Infektion ist die Prognose bei adäquater antibiotischer Therapie ebenfalls gut. Allerdings besteht hier die Gefahr der Entstehung eines Mamma Abszesses.