Geburtshilfliche Infektionen/Dammriss
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| Kapitelinformationen | |
|---|---|
| Stand: | Dezember 2024 |
| Kapitelleitung: | Masen Sueifan |
| Autor:innen: | Marzia Bonsignore, Sabine Mauruschat, Nathalie Pausner, Helmut Reinhold |
| Reviewer:innen: | Julia Jückstock |
| Beteiligte Fachgesellschaften: | |
| Feedback: | Mitwirken |
Unter dem "Damm" versteht man die Region zwischen den äußeren Geschlechtsorganen und des Anus. Unter der Geburt kann es aufgrund der starken Dehnung zu einem Einreißen des Damms unter Beteiligung der Scheidenhaut, der Beckenbodenmuskulatur sowie des M. sphincter ani kommen. Der Dammriss ist eine der häufigsten Geburtsverletzungen. Je nach Ausprägung werden vier Schweregrade unterschieden.
Klinisches Bild
Das unmittelbare Hauptsymptom stellen Schmerzen und Blutungen dar. In weiteren Verlauf kann es je nach Ausprägung des Dammrisses zu einer Dyspareunie, gestörtem Stuhldrang, Flatusinkontinenz und selten zu Inkontinenz für nicht festen oder auch festen Stuhl kommen.
| Grad | Beschreibung |
|---|---|
| I | Riss von Cutis und Subcutis ohne Beteiligung der Dammuskulatur |
| II | Riss der Dammuskulatur ohne Beteiligung des M. sphincter ani externus |
| IIIa | M. sphincter ani externus < 50% durchtrennt |
| IIIb | M. sphincter ani externus > 50% durchtrennt |
| IIIc | M. sphincter ani externus durchtrennt unter Beteiligung des M. sphincter ani internus |
| IV | zusätzliche Beteiligung des Rektums |
Leitsymptome
Postpartal kann es zu folgenden Symptomen kommen, welche im Verlauf von Jahren bis Jahrzehnten nach der Geburt an Häufigkeit zunehmen können:
- Gestörter Stuhldrang
- Flatusinkontinenz
- Selten: Inkontinenz für nicht festen oder auch festen Stuhl
Epidemiologie
Die Inzidenz für einen Dammriss Grad III lag in Deutschland (2017) bei 1,74% und für einen Dammriss Grad IV bei 0,12%. Ein systemisches Review von Dudding et al. ergab eine Inzidenz für Läsionen der Mm. sphincter ani externi et interni von 11%.
Prognose
60 bis 80% der Fälle sind nach einem Jahr asymptomatisch, allerdings können in 19 bis 36% sonographisch Sphincterdefekte nachgewiesen werden. Die klinische Bedeutung hierzu ist aber unklar. Die Rate an Wundheilungsstörungen wird mit 8% angegeben[1].
Diagnostik
Die Diagnostik erfolgt durch Inspektion und Palpation durch den Geburtshelfer oder die Hebamme und muss nach jeder vaginalen Geburt erfolgen. Kann hierbei ein Dammriss Grad III oder IV nicht ausgeschlossen werden, soll gemäß der aktuellen Leitlinie die/der gynäkologische Oberarzt:in bzw. Facharzt:in hinzugezogen werden[2].
Erreger
Erreger bei Wundheilungsstörungen von Geburtsverletzungen
Das Erregerspektrum setzt sich aus der Darm- und Vaginalflora zusammen
Therapie
Ein Dammriss III. und IV. Grades erfordert eine chirurgische Wundversorgung. Hierzu sollte eine perioperative Antibiotikaprophylaxe erfolgen.
| Klinische Situation | Präferenz | Substanz | Dosierung | Dauer | Anpassungen | Kommentar |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Dammriss
Grad III/IV |
perioperative Prophylaxe | Cefuroxim | 1,5g | 1x | - | - |
Für eine Fortsetzung der perioperativen Prophylaxe gibt es keine Evidenz. Eine Fortsetzung sollte nur unter kritischer Risikobewertung stattfinden. Gemäß der aktuellen Leitlinie kann in ausgewählten Fällen nach individueller Risikoabschätzung die Antibiotikaprophylaxe postoperativ fortgeführt werden. Dies sollte aber unter Antibiotic Stewardship Gesichtspunkten kritisch betrachtet werden.
Prophylaxe und Prävention
Neben den durch die Patientin nicht zu beeinflussende Risikofaktoren für einen höhergradigen Dammriss, wie beispielsweise ein geschätztes Geburtsgewicht > 4000g, kann das Risiko durch einige Maßnahmen gesenkt werden:
- Warme Kompressen auf den Damm legen
- Episiotomie
- Antenatale/subpartale Damm-Massage
Quellen
DGI:Geburtshilfliche Infektionen/Dammriss/Quellen
- ↑ Guidelines of the Royal Collage of Obstetricians & Gynaecologists. The Management of Third- and Fourth-Degree perineal tears. 2015
- ↑ Management of third and fourth degree perineal tears after vaginal birth. Guidelines of the DGGG, OEGGG and SGGG (S2k-Level, AWMF Registry No. 015/079, December 2020). http://www.awmf.org/leitlinien//detail/II/015-079.html