DGI:Harnwegsinfektionen/Diagnostik/Diagnosekriterien
Die Verdachtsdiagnose wird klinisch anhand einer typischen Symptomatik gestellt.
Die Symptomatik wird auch genutzt, um mögliche Differentialdiagnosen abzugrenzen. Bei Frauen konnte gezeigt werden, dass durch Überprüfung dreier spezifischer Punkte die Prätestwahrscheinlichkeit erhöht werden kann:
- Es liegen relevante Schmerzen beim Wasserlassen, häufige Miktionen und imperativer Harndrang vor.
- Solche Symptome sind bereits bekannt, und es wird selbst von der Patientin eine Harnwegsinfektion vermutet (Erfahrung).
- Es bestehen vaginale Beschwerden, wie z.B. Ausfluss oder Juckreiz.
Sollten die Punkte 1 und/oder 2 vorliegen, ist eine Zystitis wahrscheinlich. Bei ausschließlich oder begleitenden vaginalen Beschwerden wie Juckreiz oder Ausfluss, sollten auch Differentialdiagnosen, wie z.B. sexuell übertragbare Infektionen und eine gynäkologische Untersuchung in Erwägung gezogen werden. (1)
Ein weiteres Tool zur Differenzierung zwischen komplizierter und unkomplizierter Zystitis und bei Männern zur Beurteilung einer begleitenden Prostatitis bzw. sexuell übertragbarer Infektionen als Differentialdiagnose, ist der validierte Fragebogen Acute Cystitis Symptom Score (ACSS) mit seinen 18 Fragen (1). Der Score fragt u.a. klinische Symptome ab und kann von den Patient:innen vorab im Wartebereich ausgefüllt werden. Er kann über das Internet kostenfrei bezogen werden.