DGI:Blutstrominfektion/Gram-negative Bakterien/Enterobacterales/Erreger

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Die meisten Gram-negativen Bakterien lassen sich grob in die Gruppe der Enterobacterales und der sogenannten „Nonfermenter“ einteilen. Zahlreiche Spezies gehören zur Gruppe der Enterobacterales, von denen viele für die Humanmedizin keine Bedeutung haben, und von den potentiell relevanten Spezies wiederum der Großteil als fakultativ pathogen anzusehen ist. Nur wenige Spezies sind für den Großteil der Bakteriämien durch Enterobacterales verantwortlich, vor allem Escherichia coli und Klebsiella spp.

In den letzten 20 Jahren hat die Häufigkeit der Gram-negativen Bakteriämie insgesamt sowie der Bakteriämien durch multiresistente Gram-negative Stäbchen (MRGN) deutlich zugenommen (Holmes et al. 2021 Clin Microbiol Rev), und E. coli ist in vielen Settings das am häufigsten in der Blutkultur nachgewiesene Bakterium. Als Reservoire für Gram-negative Bakterien besitzen v.a. der Gastrointestinaltrakt sowie Umweltquellen Bedeutung, z.B. wurde im Umfeld von Abwasseranlagen und Krankenhausabwasser eine Häufung von Gram-negativen Bakterien nachgewiesen, welche ebenfalls häufig multiple Resistenzen trugen.

An Resistenzen spielen insbesondere Extended-Spectrum Betalaktamasen (ESBL), welche eine Resistenz gegen viele Penicillin-Derivate sowie Drittgenerationscephalosporine vermitteln, AmpC-Beta-Laktamasen (welche insbesondere bei Enterobacter spp. einen ähnlichen Resistenzphänotyp vermitteln) sowie Fluorchinolon- und Aminoglykosid-Resistenzen eine Rolle. In den letzten 10 Jahren zeigt sich darüber hinaus in Deutschland eine Zunahme von Carbapenem-Resistenzen. Solche Resistenzen können durch Carbapenemasen bedingt sein. Dabei handelt es sich – wie bei den deutlich häufigeren ESBL-Bildnern – um mobile genetische Elemente, die leicht horizontal von einem Bakterium auf ein anderes übertragen werden können und daher auch für die Infektionsprävention und Krankenhaushygiene von großer Bedeutung sind. Die am häufigsten bei Enterobacterales nachgewiesenen Carbapenemasen in Deutschland sind OXA-48, die Metallo-Beta-Laktamasen VIM und NDM sowie KPC. Die Inzidenz der Carbapenemasen ist in vielen außereuropäischen Ländern sowie in Südeuropa (v.a. Italien, Griechenland) deutlich höher, sodass Patient:innen aus diesen Gebieten, insbesondere wenn sie zuvor stationär behandelt wurden, mittels Rektalabstrich auf das Vorliegen solch resistenter Bakterien gescreent werden sollten. Neben Carbapenemasen kann ein Carbapenem-Resistenzphänotyp auch aus der Kombination einer ESBL mit einem Porinverlust der bakteriellen Zellwand resultieren.