Borreliose/Kutane Manifestation

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Kapitelinformationen
Stand: March 2025
Kapitelleitung: Hanni Bartels
Autor:innen: Hanni Bartels, Christian Radke
Reviewer:innen: Mark Oette
Beteiligte Fachgesellschaften:
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Inhaltsverzeichnis

Klinisches Bild

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Lokalisiert

Erythema chronicum migrans:

Nach einem symptomfreien Intervall von 3-30 Tagen kann es um den Zeckenstich zum Auftreten einer lokalen Infektion mit konsekutiver Entzündungsreaktion der Haut kommen. Hierbei muss man differentialdiagnostisch primär von einer lokalen Hypersensitivitätsreaktion unterscheiden. Daher wird als Richtwert einen Mindestdurchmesser von 5 cm für das Erythem angegeben. Das typische Erythema migrans ist ein roter bis blauroter Fleck, welcher sich zentrifugal ausbreitet mit zentraler Abheilung.

Borrelien-Lymphozytom:

Im Bereich der Zeckeneinstichstelle oder im sich ausbreitenden Erythema migrans können livid-rote erhabene Knoten (Pseudolymphom- kutane lymphoide Hyperplasie) entstehen. Das Auftreten ist bei Kindern (7%) häufiger als bei Erwachsenen (2%). Die häufigsten Lokalisationen beim Kind sind die Ohrläppchen, Mamillen und der Genitoanalbereich.

Disseminiert

Sollte es zu einem disseminierten Krankheitsverlauf kommen, ist dieser meist begleitet von allgemeinen grippalen Krankheitssymptomen wie leichtem Fieber, Arthralgien, Myalgien, Kopfschmerzen sowie Lymphadenopathien.

Multiple Erythema migrantia (MEM):

Die hämatogene Disseminierung der Borrelien in der Haut kann zum Auftreten von multiplen scharf begrenzten Erythemen unterschiedlicher Größe führen, welche über Tage bis Wochen persistieren können sowie auch rezidivierend auftreten können. Bei Kindern manifestieren sich häufig symmetrische multiple Erytheme bevorzugt im Gesicht, phänotypisch den Ringelröteln ähnelnd. Neben den systemischen Krankheitssymptomen können auch akute neurologische Symptome auftreten.

Kutane Spätmenifestationen

Acrodermatitis chronica atrophicans (ACA:)

Manifestation im höheren Lebensalter und überwiegend bei Frauen.

Ödematös-infiltratives Stadium der ACA:

Die entzündlichen Veränderungen der Haut, vorwiegend an den Extensoren der Extremitäten, imponieren früh mit hellroten, retikulären und später mit lividen, teigigen Erythemen.

Atrophes Stadium der ACA:

Unbehandelt kommt es zu einer zunehmenden Atrophie der Hautschichten sowie Hautanhangsgebilde. Dabei kann es lokalisiert zu Fibrosierungen oder Pseudosklerodermien kommen.





Therapie

Die Mittel der Wahl bei den kutanen Formen der Borreliose sind das oral anwendbare Doxycyclin und Amoxicillin. Azithromycin kann als Mittel der 2. Wahl herangezogen werden und hat aufgrund seiner langen Halbwertzeit eine kürzere Therapiedauer. Das ebenfalls zu den Makroliden gehörende Clarithromycin wird aktuell kontrovers diskutiert und besitzt keinen uneingeschränkten Nutzen. Roxithromycin sollte nicht empfohlen werden. Bei der Spätmanifestation, ggf. mit neurologischer Beteiligung, ist die Anwendung von intravenös angewendetem Penicillin G, Ceftriaxon oder Cefotaxim aufgrund der besseren Liquorgängigkeit unausweichlich.

Für einen maximalen Therapierfolg sind vor allem eine ausreichende hohe Dosierung und eine ausreichende Dauer der Therapie von Bedeutung. Während die Frühmanifestation einen Behandlungszeitraum von 10-21 Tagen umfasst, müssen spätmanifeste Formen über 30 Tage behandelt werden.

Bei der Therapie sollte auf substanzspezifische Neben- und Wechselwirkungen geachtet werden, die auch als Kriterium für die Substanzwahl herangezogen werden können.

Unter der Therapie mit Doxycyclin ist auf eine ausgeprägte Phototoxizität zu achten und die Patienten auf eine adäquate Sonnenexpositionsprophylaxe hinzuweisen. Zudem ist auf das wechselwirkende Potenzial von Doxycyclin mit der gleichzeitigen peroralen Aufnahme mehrwertiger Kationen (z.B. Ca2+, Mg2+, Zn2+, Fe2+/3+, Al3+) zu achten. Neben Mineralstoffpräparaten betrifft dies die gleichzeitige Anwendung diverser Antazida und/oder Milch und Milchprodukten. Ein mindestens 2-3 stündiger Abstand bei der Einnahme muss eingehalten werden, um die Wirkung des Doxycyclins nicht zu konterkarieren. Eine gleichzeitige Anwendung mit Nahrung ist jedoch empfehlenswert, um Übelkeit und Erbrechen zu reduzieren. Darüber hinaus besteht ein Wechselwirkungspotenzial mit Colestyramin und/oder Aktivkohle. Die Anwendung in der Schwangerschaft ist kontraindiziert.

Beim Amoxicillin sind klinische relevante Nebenwirkungen wenig stark ausgeprägt und beschränken sich generell neben Übelkeit und Erbrechen vornehmlich auf (allergische) Hautreaktionen. Bei klinisch manifesten Penicillinallergien darf Amoxicillin nicht angewendet werden. Amoxicillin stellt das Mittel der Wahl während der Schwangerschaft dar.

Bei der disseminierten Form der Borreliose sollte über die Möglichkeit einer Herxheimer-Reaktion mit Aufflammen der Erytheme, schwerem Krankheitsgefühl und Fieber innerhalb der ersten 24 Stunden nach antibiotischer Therapieinitiierung aufgeklärt werden.


Therapie der Hautmanifestationen
Klinische Situationen Präferenz Substanz Dosierung Dauer Anpassungen Kommentar
Lokalisierte Frühmanifestation Therapie der Wahl Doyxcylin

ODER

200 mg q24h p.o. 10-14d Für Jugendliche und Erwachsene ab 50 kg
Amoxicillin 1 g q8h p.o. 14d
Alternative Azithromycin 250 mg q12h p.o. 5-10d
Disseminierte Frühmanifestation Therapie der Wahl Doyxcylin

ODER

200 mg q24h p.o. 14-21d Für Jugendliche und Erwachsene ab 50 kg
Amoxicillin 1 g q8h p.o. 14-21d
Alternative Azithromycin 250 mg q12h p.o. 5-10d
Spätmanifestationen ohne neurologische Symptomatik Therapie der Wahl Doyxcylin

ODER

200 mg q24h p.o. 30d Für Jugendliche und Erwachsene ab 50 kg
Amoxicillin 1 g q8h p.o. 30d
Spätmanifestationen mit neurologischer Symptomatik Therapie der Wahl Penicillin G

ODER

5 Mio I.E. q6h i.v. 4-21d Weiter oral bis 30d
Ceftriaxon

ODER

2 g q24h i.v. 4-21d Weiter oral bis 30d
Cefotaxim 2 g q8h i.v. 4-21d Weiter oral bis 30d




Quellen

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