DGI:Borreliose/Kutane Manifestation/Therapie

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Die Mittel der Wahl bei den kutanen Formen der Borreliose sind das oral anwendbare Doxycyclin und Amoxicillin. Azithromycin kann als Mittel der 2. Wahl herangezogen werden und hat aufgrund seiner langen Halbwertzeit eine kürzere Therapiedauer. Das ebenfalls zu den Makroliden gehörende Clarithromycin wird aktuell kontrovers diskutiert und besitzt keinen uneingeschränkten Nutzen. Roxithromycin sollte nicht empfohlen werden. Bei der Spätmanifestation, ggf. mit neurologischer Beteiligung, ist die Anwendung von intravenös angewendetem Penicillin G, Ceftriaxon oder Cefotaxim aufgrund der besseren Liquorgängigkeit unausweichlich.

Für einen maximalen Therapierfolg sind vor allem eine ausreichende hohe Dosierung und eine ausreichende Dauer der Therapie von Bedeutung. Während die Frühmanifestation einen Behandlungszeitraum von 10-21 Tagen umfasst, müssen spätmanifeste Formen über 30 Tage behandelt werden.

Bei der Therapie sollte auf substanzspezifische Neben- und Wechselwirkungen geachtet werden, die auch als Kriterium für die Substanzwahl herangezogen werden können.

Unter der Therapie mit Doxycyclin ist auf eine ausgeprägte Phototoxizität zu achten und die Patienten auf eine adäquate Sonnenexpositionsprophylaxe hinzuweisen. Zudem ist auf das wechselwirkende Potenzial von Doxycyclin mit der gleichzeitigen peroralen Aufnahme mehrwertiger Kationen (z.B. Ca2+, Mg2+, Zn2+, Fe2+/3+, Al3+) zu achten. Neben Mineralstoffpräparaten betrifft dies die gleichzeitige Anwendung diverser Antazida und/oder Milch und Milchprodukten. Ein mindestens 2-3 stündiger Abstand bei der Einnahme muss eingehalten werden, um die Wirkung des Doxycyclins nicht zu konterkarieren. Eine gleichzeitige Anwendung mit Nahrung ist jedoch empfehlenswert, um Übelkeit und Erbrechen zu reduzieren. Darüber hinaus besteht ein Wechselwirkungspotenzial mit Colestyramin und/oder Aktivkohle. Die Anwendung in der Schwangerschaft ist kontraindiziert.

Beim Amoxicillin sind klinische relevante Nebenwirkungen wenig stark ausgeprägt und beschränken sich generell neben Übelkeit und Erbrechen vornehmlich auf (allergische) Hautreaktionen. Bei klinisch manifesten Penicillinallergien darf Amoxicillin nicht angewendet werden. Amoxicillin stellt das Mittel der Wahl während der Schwangerschaft dar.

Bei der disseminierten Form der Borreliose sollte über die Möglichkeit einer Herxheimer-Reaktion mit Aufflammen der Erytheme, schwerem Krankheitsgefühl und Fieber innerhalb der ersten 24 Stunden nach antibiotischer Therapieinitiierung aufgeklärt werden.


Therapie der Hautmanifestationen
Klinische Situationen Präferenz Substanz Dosierung Dauer Anpassungen Kommentar
Lokalisierte Frühmanifestation Therapie der Wahl Doyxcylin

ODER

200 mg q24h p.o. 10-14d Für Jugendliche und Erwachsene ab 50 kg
Amoxicillin 1 g q8h p.o. 14d
Alternative Azithromycin 250 mg q12h p.o. 5-10d
Disseminierte Frühmanifestation Therapie der Wahl Doyxcylin

ODER

200 mg q24h p.o. 14-21d Für Jugendliche und Erwachsene ab 50 kg
Amoxicillin 1 g q8h p.o. 14-21d
Alternative Azithromycin 250 mg q12h p.o. 5-10d
Spätmanifestationen ohne neurologische Symptomatik Therapie der Wahl Doyxcylin

ODER

200 mg q24h p.o. 30d Für Jugendliche und Erwachsene ab 50 kg
Amoxicillin 1 g q8h p.o. 30d
Spätmanifestationen mit neurologischer Symptomatik Therapie der Wahl Penicillin G

ODER

5 Mio I.E. q6h i.v. 4-21d Weiter oral bis 30d
Ceftriaxon

ODER

2 g q24h i.v. 4-21d Weiter oral bis 30d
Cefotaxim 2 g q8h i.v. 4-21d Weiter oral bis 30d