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Version vom 27. September 2021, 13:17 Uhr
Invasive Aspergillosen sind klassische opportunistische Infektionen bei immunkompromittierten Patient:innen. Eine Früherkennung, umfassende Diagnostik und rasche Therapieeinleitung sind essentiell zur erfolgreichen Behandlung.
Invasive Aspergillosen, Aspergillome und Otomykosen werden durch Pilze der Gattung Aspergillus ausgelöst. Häufigste Lokalität sind die Atemwege der Patient:innen. Klinisch zeigen sich pulmonale Aspergillosen mit einer Infektion des Lungengewebes oder lokalen Entzündungen im Bereich der oberen Atemwege, wie zum Beispiel die Tracheobronchitis und der Rhinosinusitis.[1][2][3][4]Bei schwerer, langanhaltender Einschränkung des Immunsystems kann es zu invasivem Wachstum mit Invasion in das Gefäßsystem kommen, was zu einer disseminierten Infektion mit Beteiligung aller Organe führen kann.
Diagnose
Diagnostische Schritte

Angestrebte Diagnostik variiert je nach (vermutetem) Organbefall. Die häufigste Form ist die invasive pulmonale Aspergillose. Daher sollten, wenn möglich, eine Computertomographie (CT) des Thorax erfolgen. Hier zeigen sich eine oder mehrere noduläre Verdichtungen, sogenannte Noduli mit oder ohne Höhlenbildung. Sie zeigen sich peribronchiolär und das sogenannte Tree-in-Bud-Muster (Blütenzweig-Muster) aufweisen. Typisch ist das sogenannte Halo-Zeichen, ein milchglasartiges Infiltrat, das einen Nodulus zirkulär umgibt. Es ist vermutlich das radiologische Korrelat für die an den Infektionsherd angrenzende Einblutung und wird typischerweise bei neutropenischen (und dann auch thrombozytopenischen) Patienten beschrieben.[1]18 Während adäquater Therapie kann es zunächst zu einer Größenzunahme der Infiltrate kommen, bevor das Infiltrat bis auf eine Narbe schrumpft. Eine Form der Defektheilung ist die Bildung einer Höhle, die ggf. Pilz- und Nekrosematerial enthält. Im CT kann dies als sogenanntes Luftsichel-Zeichen (engl. air-crescent) auffallen.[2][3]19,20 Bei Patienten mit großen nodulären Infiltraten kann eine CT-Angiographie Aufschluss über eine mögliche Angioinvasivität geben und so Sensitivität und Spezifität der Bildgebung erhöhen.[4][5]21,22 Die radiologischen Befunde können jedoch sehr variabel sein. Daher sind Differentialdiagnosen unbedingt auszuschließen. Bei allen Patienten mit pilztypischen Infiltraten im CT Thorax sollte daher die Durchführung einer bronchoalveolären Lavage mit Probengewinnung erfolgen.[6][7]23,24 Mikroskopische, kulturelle, serologische und molekulargenetische Untersuchungen der Proben sind zur Diagnosefindung unabdingbar. Kulturell lassen sich zusätzlich Resistenztestungen durchführen, die unter Umständen eine Anpassung der antimykotischen Therapie notwendig machen. Serologisch kann man aus Lavageflüssigkeit und aus dem Blut Galactomannan nachweisen. Aus Serum empfiehlt es sich Proben an drei aufeinander folgenden Tagen zu analysieren.[8][9][10][11]25-28 Zum algorithmusgesteuerten Diagnostik eignet sich der EQUAL Asergillosis Score 2018 (Abbildung 1A und B).[12]29
Klassische humanpathogene Aspergillus-Spezies sind A. fumigatus, A. flavus, A. niger, A.nidulans, A. terreus und A. oryzae.
Die Wahl des Antimykotikums wird davon bestimmt, ob die Patient:innen bereits eine antimykotische Prophylaxe zum Zeitpunkt des Symptombeginns erhalten haben. Sollte dies der Fall sein, besteht der Verdacht auf eine Durchbruchmykose und ein Wechsel der Substanzklasse sollte vorgenommen werden.[5][6][7]
| Präferenz | Substanz | Dosierung |
|---|---|---|
| Therapie der 1. Wahl | Voriconazol oder | 2 x 6 mg/kg i.v., pro Tag (d1), dann 2 x 4 mg/kg i.v. pro Tag |
| Isavuconazol | 3 x 200 mg i.v. für 6 Infusionen über 2 Tage, dann 1 x 200 mg i.v. pro Tag | |
| Therapie der 2. Wahl oder bei Azol-Resistenz / bei Druchbruchinfektion unter Azolprophylaxe | Liposomales Amphotericin B oder | 1 x 3 mg/kg i.v. pro Tag |
| Caspofungin | 1 x 70 mg i.v., pro Tag (d1), dann 1 x 50 mg i.v.pro Tag falls KG <80kg
|
Die Standardtherapie ist in Tabelle 1 und im EQUAL Aspergillosis Score 2018 (Abbildung 1B) dargestellt.[8][9][10][11][12][13][14] Im Therapieverlauf sollten für Voriconazol Spiegelkontrollen durchgeführt werden, um die Dosierung individuell anzupassen.[15]
Einige Aspergillus Spezies zeigen eine verminderte Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Antimykotika. Aspergillus terreus weist eine schlechtere Empfindlichkeit gegenüber Amphotericin B auf, so dass Azolantimykotika eingesetzt werden sollten.[16] Seltene Spezies, wie z.B. Aspergillus calidoustus oder Aspergillus lentulus sind intrinsisch resistent gegenüber Amphotericin B und Voriconazol.[17][18] In den letzten Jahren nehmen Fallberichte zu, die Infektionen mit azol-resistenten Aspergillus fumigatus-Isolaten melden.[19][20][21][22][23][24][25] Meistens ist eine TR34/L98H-Mutation ursächlich. In einer großen, deutschlandweiten Studie wurden niedrige Resistenzraten erhoben, so dass die Standardtherapie in Deutschland zurzeit weiterhin mit einem Azol erfolgen sollte, sofern die lokale Resistenzrate 10% nicht überschritten wird.[26] Nichtsdestotrotz gehört eine Resistenztestung zur Standarddiagnostik. Bei mangelndem Therapieansprechen sollte das Möglichkeit einer Azol-resistenz bedacht werden und eine erneute Probeentnahme erfolgen.
Prophylaxe / Prävention
Patienten, die ein erhöhtes Risiko für eine invasive Aspergillose haben, sollen nach mehreren Leitlinien eine Primärprophylaxe mit einem Aspergillus-wirksamen Antimykotikum erhalten.[27][28][29][30][31]Dies wird nach der Anzahl der Tage zu erwartender Neutropenie gesteuert. Generell ist eine antimykotische Prophylaxe bei Patienten, die < 7 Tage neutropenisch sind, nicht erforderlich. Patienten mit AML, MDS oder mit GvHD nach allogener Stammzelltransplantation sollten eine Posaconazol-Prophylaxe erhalten.[32][33] www.ecmm.info – Homepage der European Confederation of Medical Mycolcogy.
https://www.ecmm.info/ecmm-excellence-centers/ - Kennzeichnung der Excellenzzentren der ECMM.
https://www.ecmm.info/equal-scores/ - Diagnose und Therapiescores der ECMM.
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