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DGI:Knochen-, Gelenks- und Protheseninfektionen/Spondylodiszitis/Therapie: Unterschied zwischen den Versionen

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Auch im Verlauf kann eine operative Sanierung / Stabilisierung bei sich verschlechternden Schmerzen bzw. neurologischen Defiziten bzw. spinalen Deformitäten notwendig werden.
Auch im Verlauf kann eine operative Sanierung / Stabilisierung bei sich verschlechternden Schmerzen bzw. neurologischen Defiziten bzw. spinalen Deformitäten notwendig werden.
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{{DGI:Spondylodiszitis/Therapie/Kalkulierte_Therapie}}
{{DGI:Spondylodiszitis/Therapie/Erregerspezifische_Therapie}}

Version vom 3. Januar 2022, 19:24 Uhr

Therapie

Für die Diagnostik und Therapie der Spondylodiszitis sollte ein interdisziplinäres Konzept erstellt werden, an dem je nach lokaler Struktur zumindest Radiologen bzw. Neuroradiologen, in der Wirbelsäulenchirurgie erfahrene Chirurgen (Neurochirurgen / Orthopäden-Unfallchirurgen) und Mikrobiologen, Infektiologen sowie Apotheker beteiligt sind. Zusätzlich sollte eine angemessene Schmerztherapie erfolgen. Für ein optimales Outcome ist die Behandlung in einem entsprechendem Zentrum empfehlenswert.

Grundpfeiler der konservativen Therapie der Spondylodiszitis ist die adäquate (möglichst gezielte Erreger-bezogene) Antibiotikatherapie.

Bei einem Teil der Patienten ist zusätzlich eine zeitnahe chirurgische Fokussanierung notwendig (Abszessentlastung, Spülung...), insbesondere bei neurologischen Ausfallserscheinungen kann die dringliche Sanierung in bis zu der Hälfte der Fälle zu deren Rückbildung führen. Taylor Ggf. ist auch eine CT-gestützte Abszessdrainage möglich. Wichtig ist hierbei die Gewinnung von aussagekräftigem Material für die Erregerdiagnostik (s.o.)!

Auch im Verlauf kann eine operative Sanierung / Stabilisierung bei sich verschlechternden Schmerzen bzw. neurologischen Defiziten bzw. spinalen Deformitäten notwendig werden.

Die Therapie der Spondylodiszitis sollte Erreger-bezogen erfolgen (LINK Gezielte Antibiotikatherapie von Knochen- und Gelenkinfektionen), da die gezielte Therapie wirksamer und mit weniger Nebenwirkungen (Vermeidung von Breitspektrum-Antibiotika o.ä.) verbunden ist.

Daher sollte eine kalkulierte Therapie erst nach Materialgewinnung und möglichst auch erst nach Erregernachweis begonnen werden (CT-gestützte Punktion bzw. intraoperativ; s. Kapitel Diagnostik) ESCMID[1], IDSA[2], AWMF[3], Grados[4]


Ausnahme: Bei instabilen / septischen Patienten, Immunsupprimierten bzw. Patienten mit schwerer / progredienter neurologischer Symptomatik sollte eine kalkulierte Therapie sofort nach Entnahme von 2 - 3 Blutkulturpaaren begonnen werden.

In Tabelle 2 finden sich Vorschläge für die kalkulierte Therapie, gegebenenfalls ist jedoch eine Anpassung an individuelle Gegebenheiten notwendig (u.a. wahrscheinlichster Infektionsfokus, Besiedlung mit multiresistenten Erregern, lokale Resistenzlage, Allergien, Medikamenteninteraktionen). Die kalkulierte Initialtherapie sollte initial für i.d.R. für mindestens 2 Wochen intravenös erfolgen.

Problematisch ist die orale Anschlusstherapie nach einer initial wirksamen kalkulierten intravenösen Therapie, da das mögliche Erregerspektrum meist enger ist und es nach Umstellung zu einem Therapieversagen kommen kann. Daher ist nach Oralisierung der Therapie ohne Erregernachweis eine engmaschige klinische und laborchemische Verlaufskontrolle zu empfehlen (Schmerzen?, CRP, Bildgebung).


Tab 2. Mögliche kalkulierte Therapie der Spondylodiszitis (OHNE Erregernachweis) [IDSA[2], SPILF[5], Garkowski[6], Abele-Horn 2020[7]]
Spondylodiszitis,

pyogen

(unspezifisch)

Substanz Dosierung Kommentar
Intravenöse

Initial-therapie

  1. Wahl
Flucloxacillin


plus


Ceftriaxon

6 x 2g i.v.


plus


1 x 2g i.v.

Cave: Ggf. Anpassung an das individuelle MRSA- bzw. MRGN-Risiko
Fremd-material-assoziiert / post-operativ Vancomycin


plus


Ceftriaxon

*


plus


1 x 2g i.v.

*Datei:DGI_Infoblatt Vancomycin RGU.pdf
Penicillin-Allergie Vancomycin


plus


Ciprofloxacin

*


plus


2 x 750 mg

*Datei:DGI_Infoblatt Vancomycin RGU .pdf
Orale

Anschluss-therapie

Möglichst gezielt nach Erregernachweis; ist dies im Einzelfall nicht möglich, infektiologisches Konsil empfohlen.


Die Therapie der Spondylodiszitis sollte möglichst gezielt Erreger-bezogen erfolgen:

Erreger Präferenz Substanz Dosierung EinklappenKommentar
Staphylococcus aureus

und andere Staphylokokken,

Oxacillin-sensibel

Intravenöse Initialtherapie

1. Wahl

Flucloxacillin 6 x 2 g i.v.
oder

Cefazolin

3 x 2 g i.v.
Alternative bei schwerer Allergie Vancomycin * *Datei:DGI_Infoblatt Vancomycin RGU.pdf

** hohe Dosis off-label, Expertenmeinung

oder

Daptomycin

1 x 8 – 10** mg/kg i.v.
bei Fremdmaterial-assoziierter Infektion plus

Rifampicin

1 x 600 mg i.v. bzw.

2 x 450 mg p.o.

wegen sehr guter Bioverfügbarkeit orale Gabe bevorzugen
alternativ

plus

Fosfomycin            

3 x 5 g i.v.
Orale Anschlusstherapie

ohne Fremdmaterial

Cotrimoxazol 3 x 960 mg p.o Cave: wegen schlechter Bioverfügbarkeit orale Betalaktame meiden.
oder

Clindamycin

3 x 600 mg p.o
oder

Doxycyclin

2 x 100 mg p.o.
oder

Levofloxacin

plus

Rifampicin

2 x 500 mg p.o.

plus

2 x 450 mg p.o.

Orale Anschlusstherapie

bei Fremdmaterial-assoziierter Infektion

Cotrimoxazol

plus

Rifampicin

3 x 960 mg p.o.

plus

2 x 450 mg p.o.

möglichst keine Kombination von Rifampicin mit Clindamycin oder Linezolid
oder

Doxycyclin

plus

Rifampicin

2 x 100 mg p.o.

plus

2 x 450 mg p.o.

oder

Levofloxacin

plus

Rifampicin

2 x 500 mg p.o.

plus

2 x 450 mg p.o.

Staphylococcus aureus

und andere Staphylokokken,

Oxacillin-resistent

Intravenöse Initialtherapie Vancomycin * *Datei:DGI_Infoblatt Vancomycin RGU.pdf

** hohe Dosis off-label, Expertenmeinung

oder

Daptomycin

1 x 8 – 10** mg/kg i.v.
bei Fremdmaterial-assoziierter Infektion plus

Rifampicin

1 x 600 mg i.v. bzw.

2 x 450 mg p.o.

wegen sehr guter Bioverfügbarkeit orale Gabe bevorzugen
alternativ

plus

Fosfomycin            

3 x 5 g i.v.
Orale Anschlusstherapie s.oben
Enterococcus spp.,

Ampicillin-sensibel

Intravenöse Initialtherapie

1.Wahl

Ampicillin 6 x 2 g i.v.
Alternativen Vancomycin * *Datei:DGI_Infoblatt Vancomycin RGU.pdf
oder

Daptomycin

1 x 10 - 12 mg/kg KG i.v. hohe Dosis off-label, Expertenmeinung
Orale Anschlusstherapie Amoxicillin 3 x 1 g p.o.
Enterococcus spp.,

Ampicillin-resistent

Intravenöse Initialtherapie Vancomycin * *Datei:DGI_Infoblatt Vancomycin RGU.pdf
oder

Daptomycin

1 x 10 - 12 mg/kg KG i.v. hohe Dosis off-label, Expertenmeinung
Orale Anschlusstherapie Linezolid 2 x 600 mg p.o. Linezolid max. 28 Tage zugelassen
Streptokokken Intravenöse Initialtherapie Benzylpenicillin (Penicillin G) 4 x 5 Mio I.E. i.v.                                    
Orale Anschlusstherapie Amoxicillin 3 x 1 g p.o.
Enterobakterien Intravenöse Initialtherapie Ampicillin 6 x 2 g i.v.
Ceftriaxon 1 x 2 g i.v.
Orale Anschlusstherapie Ciprofloxacin 2 x 750 mg p.o
Pseudomonas aeruginosa Intravenöse Initialtherapie Piperacillin 4 x 4 g i.v. Bei Pseudomonas-Infektionen immer hohe Dosis verwenden.
oder

Ceftazidim

3 x 2 g i.v.
Orale Anschlusstherapie Ciprofloxacin 2 x 750 mg p.o.
Candida spp.

     

Intravenöse Initialtherapie Caspofungin Tag 1:                        

1 x 70 mg i.v.,

danach: 1 x 50 mg i.v.                  KG ≤ 80 kg

bzw. 1 x 70 mg i.v.             KG > 80 kg

Orale Anschlusstherapie Fluconazol Einmalig 1 x 800 mg p.o.,

weiter mit 1 x 400 mg p.o.

Mycobacterium tuberculosis Initialtherapie 2 Monate Isoniazid (in Kombi mit Pyridoxin)

plus Rifampicin plus Pyrazinamid plus Ethambutol

s. Dosierungsempfehlung Link Deutsches Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose
Anschlusstherapie Isoniazid (in Kombi mit Pyridoxin)

plus Rifampicin




Bezüglich Substanz und Therapiedauer fehlen randomisierte Studien, die Empfehlungen beruhen auf den vorhandenen Leitlinien, die sich überwiegend auf Expert:innenmeinungen bzw. Ableitungen von ähnlichen Infektionsfoci beziehen.

Bei Fremdmaterial-assoziierter Spondylodiszitis sollte die Therapie bei noch vorhandenem Fremdmaterial eine biofilmaktive Substanz beinhalten (z.B. Rifampicin bzw. Fosfomycin i.v. bei Staphylokokken), wobei zu beachten ist, dass Rifampicin und Fosfomycin bei diesem Krankheitsbild niemals als Monotherapie gegeben werden sollen (Gefahr der schnellen Resistenzentwicklung). Die Entfernung/Wechsel des Implantates sollte diskutiert werden.

Bei zusätzlichem Nachweis einer Endokarditis sollte die Antibiotikatherapie entsprechend der Endokarditis-Leitlinien erfolgen und anschließend entsprechend der o.g. Empfehlungen zur Spondylodiszitis Therapie verlängert werden (s. orale Anschlusstherapie).

  1. Lazzeri E, Bozzao A, Cataldo MA, et al. Joint EANM/ESNR and ESCMID-endorsed consensus document for the diagnosis of spine infection (spondylodiscitis) in adults. Eur J Nucl Med Mol Imaging. 2019;46(12):2464-2487. doi:10.1007/s00259-019-04393-6
  2. 2,0 2,1 Berbari EF, Kanj SS, Kowalski TJ, et al. 2015 Infectious Diseases Society of America (IDSA) Clinical Practice Guidelines for the Diagnosis and Treatment of Native Vertebral Osteomyelitis in Adults. Clin Infect Dis. 2015;61(6):e26-46. doi:10.1093/cid/civ482
  3. Herren C. Diagnostik und Therapie der Spondylodiszitis_20200826. :101.
  4. Grados F, Lescure FX, Senneville E, Flipo RM, Schmit JL, Fardellone P. Suggestions for managing pyogenic (non-tuberculous) discitis in adults. Joint Bone Spine. 2007;74(2):133-139. doi:10.1016/j.jbspin.2006.11.002
  5. Spilf. [Primary infectious spondylitis, and following intradiscal procedure, without prothesis. Recommendations]. Med Mal Infect. 2007;37(9):573-583. doi:10.1016/j.medmal.2007.03.007
  6. Garkowski A, Zajkowska A, Czupryna P, et al. Infectious spondylodiscitis - a case series analysis. Adv Med Sci. 2014;59(1):57-60. doi:10.1016/j.advms.2014.02.001
  7. Abele-Horn M. Spondylodiszitis/Osteomyelitis der Wirbelkörper IN: Antimikrobielle Therapie: Entscheidungshilfen zur Behandlung und Prophylaxe von Infektionskrankheiten. Aktiv Druck & Verlag GmbH. 16. September 2020