DGI:Opportunistische Infektionen/HSV: Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 16. Februar 2021, 15:54 Uhr
Herpes simplex Viren (humane Herpesviren Typ 1 und 2) sind epidermotrop und neurotrop und daher häufige Ursachen rezidivierender Infektionen mit mukokutaner Beteiligung von Lippen, Mundhöhle, Auge und der Genitale. Schwere Infektionen bei Immunsuppression treten gehäuft mit Dissemination auf. Ein zerebraler Befall mit Meningoenzephalitis oder bei Neonaten ist beschrieben. Pathognomonisch ist das klinische Bild kutane Läsionen gruppiert stehender schmerzhafter Bläschen mit initial klarem Inhalt auf erythematösen Grund. Prodromal wird lokalisiert ein Spannungsgefühl oder Juckreiz beschrieben. Laborchemische Diagnostik mittels PCR oder Antigennachweis aus Direktmaterial sind führend zur Abklärung von Differentialdiagnosen oder eines atypischen Verlaufs bzw. Disseminierung. Die Therapie ist primär symptomatisch. Eine systemische antivirale Therapie mit beispielhaft Aciclovir kann bei schwerer Erkrankung oder Rezidiven notwendig werden.
Diagnose
Primär bei der mukokutanen Formklinische Beurteilung > „Blickdiagnose“
3.1 Diagnosekriterien
2.2.1: PCR (Abstrich) bzw.
2.2.2: PCR (Liquor), MRT (Negativbefund kein Ausschluss einer infektiösen Genese), CT Schädel ungeeignet
2.2.3: PCR (BAL bzw. Biopsie)
3.2 Diagnostische Schritte
-typisches klinisches Bild gekennzeichnet, so dass eine spezifische Diagnostik nur in ausgewählten Fällen erforderlich ist. Atypische Krankheitsbilder können bei Patienten mit Immundefizienz auftreten. Eine spezifische Diagnostik sollte außerdem bei ZNS-Erkrankungen, Pneumonie, Infektionen während der Schwangerschaft und des Neugeborenen erfolgen.
-Tzanck-Test (Entnahme von Gewebematerial vom Blasengrund der Hauteffloreszenz> aufgebracht auf Objektträger , gefärbt (z.B. nach Giemsa) und unter dem Mikroskop untersucht)
-Direkter Erregernachweis mittels PCR= Goldstandard oder Kultur (Nachteil Zeitaufwand durchschnittlich 24-48 h)
-Antigennachweis durch ELISA oder direkte Immunfluoreszenz
-Serologie nur bei Differenzierung Primär- versus Sekundärinfektion sinnvoll in der Schwangerschaft bzw. Transplantation, ausbleibende Serokonversion bei Immunsuppression schließt keine Infektion aus
>bei anhaltendem Verdacht insbesondere einer Herpesenzephalitis auch bei initial negativer PCR, erneute Punktion geraten
-Resistenztestung bei unzureichendem Therapieansprechen
-Bildgebung z. B. CT bei u. a. Herpes-Pneumonie
-ggf. Bronchoskopie
3.3 Differentialdiagnosen
-Herpes zoster/ Gürtelrose
-Lues
-andere Blasen-bildende Erkrankung z. B. Pemphigus/ Pemphigoid HSV-1 und -2 gehören in die Familie der Herpesviridae. Es handelt sich um ein behülltes großes, doppelsträngiges DNS-Virus. Die Virushülle bedingt die Empfindlichkeit gegenüber Detergenzien und Desinfektionsmitteln.
HSV kommt weltweit vor und ist Spezies spezifisch.
Der Mensch ist für HSV als Reservoir der einzige natürliche Wirt.
Kalkulierte Therapie
| Klinische Situation | Präferenz | Substanz | Dosierung | Dauer | Anpassungen | Kommentar |
|---|---|---|---|---|---|---|
| HIV-Infektion, Chemotherapie bei hämato-onkologischer Erkrankung, allogene Stammzell-, Organtransplantation, Mangelernährung, ausgedehntes Ekzem, Verbrennungen | Wenn A):
Therapie der 1. Wahl |
Aciclovir
Brivudin |
5 x 400 mg p.o.
oder 3 x 5 mg/kg i.v. 1x 125 mg p.o. |
5 Tage,
Bis 14 Tage bei HIV Positivität bzw. 5-7 Tage bei Immun-suppression
|
Anpassung an Nierenfunktion ab Creatinin Clearance <50ml/min | |
| Wenn A):
Allergie/ Unverträglichkeit |
Famciclovir | 3 x 250 mg p.o. | 7 Tage | Wenn Aciclovir-Resistenz: Foscarnet
2 x 90 mg/kg i.v. 2 - 3 Wochen | ||
| oder
Valaciclovir |
2 x 500 mg p.o. | 5 - 10 Tage | ||||
| Wenn B), C) und D)
Therapie der 1. Wahl |
Aciclovir | 3 x 10 mg/kg i.v. | 2 - 3 Wochen |
Prophylaxe / Prävention
-Herpes labialis: Händehygiene, Patientenkontakt unter Maßgabe der Basis-Hygienemaßnahmen
-mukokutane Primärinfektion (i.d.R. Gingivostomatitis): keine Besuche von Gemeinschaftseinrichtungen, z. B. Kindergarten, Schule, Vermeidung bei Erkrankung von Kontakt zu Neugeborenen und Immunsupprimierten
-Herpes genitalis: Kondome, kein Geschlechtsverkehr bei akuter Infektion, Händehygiene
-medikamentöse Prophylaxe bei Immunsuppression v. a. bei allogener Stammzelltransplantation und intensivierter Chemotherapie > Aciclovir, ggf. Valaciclovir oder Famciclovir aufgrund besserer oraler Bioverfügbarkeit
-Sectio bei manifester Herpes genitalis-Infektion der Mutter vor dem Blasensprung
- Bei Nachweis einer genitalen Herpesinfektion Testung auf weitere STDs und Sexualpartner:innen
- Mehrere Impfstoffe sind in Entwicklung u. a. in Phase II Studien.
- Gross, G. Herpes-simplex-Virusinfektionen. Hautarzt 55, 818–830 (2004). https://doi.org/10.1007/s00105-004-0785-5
Aubert M, Strongin DE, Roychoudhury P, et al. Gene editing and elimination of latent herpes simplex virus in vivo. Nat Commun. 2020;11(1):4148. doi:10.1038/s41467-020-17936-5 - Spengler U. Infektion der Leber mit humanen Herpesviren. :4.
- Spengler - Infektion der Leber mit humanen Herpesviren.pdf. Accessed November 7, 2021. https://www.hepatitisandmore.de/archiv/2017-1/Hep_m1_17_FoBi_Spengler.pdf
- Characterization of a live-attenuated HCMV-based vaccine platform | Scientific Reports. Accessed November 7, 2021. https://www.nature.com/articles/s41598-019-55508-w
- Herpesvirus-Infektionen - Wissen @ AMBOSS. Accessed November 7, 2021. https://www.amboss.com/de/wissen/Herpesvirus-Infektionen/
- LL 030 100 Virale Meningoenzephalitis 2018 - Deutsche Gesellschaft für Neurologie e. V. Deutsche Gesellschaft für Neurologie e. V. Accessed November 7, 2021. https://dgn.org/leitlinien/ll-030-100-virale-meningoenzephalitis-2018/
- LL OI 2014-2.pdf. Accessed November 7, 2021. https://daignet.de/site-content/hiv-leitlinien/leitlinien-1/LL%20OI%202014-2.pdf
- Opportunistische Infektionen | SpringerLink. Accessed November 7, 2021. https://link.springer.com/article/10.1007/s00108-019-0624-5
- RKI - Infektionskrankheiten A-Z - Herpes-Infektionen (Herpes simplex). Accessed November 7, 2021. https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/H/Herpes/Herpes.html