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DGI:Opportunistische Infektionen/HSV/Klinisches Bild: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 11. November 2021, 19:51 Uhr

Klinisches Bild

Bei der mukokutanen Form zeigt sich im Prodromalstadium (charakteristischerweise < 6 Stunden bei rezidivierender HSV-1-Infektion) ein lokaler Pruritus mit lokalem Brennen. Typisch sind gruppiert stehende Bläschen auf erythematösem Grund, gehäuft konfluierend im weiteren zeitlichen Verlauf. Die Lokalisation ist vor allem an Nase, Ohren, Finger und Genitalen. Eine narbenlose Abheilung erfolgt innerhalb von 10 bis 19 Tagen nach ersten Auftreten. Rezidivierende Läsionen im Regelfall an gleicher Lokalisation sind möglich. In der Folge können dann eine Gewebeatrophie und auch Narbenbildung eintreten.

Sonderformen sind die Herpes Keratitis und ZNS-Infektion. Die Herpesenzephalitis ist häufig assoziiert mit multiplen Krampfepisoden. Eine virale Meningitis ggf. mit lumbosakraler Myeloradikulitis ist klinisch mit einem Harnverhalt oder einer Obstipation verbunden.

Neonatale HSV-Infektion (Herpes neonatorum) treten in der 1. bis 4. Lebenswoche auf mit Entwicklung von mukokutanen Bläschen oder einer ZNS-Beteiligung, welche mit einer hohen Morbidität und Letalität vergesellschaft ist.

Herpes-simplex-Virustypen (HSV-1 und HSV-2) induzieren eine orale oder genitale Infektionen. Die Übertragung erfolgt durch engen Kontakt zu infizierten Personen führend mit den Bläschen/ Läsionen bzw. spezifisch deren Sekretinhalt.

Eine Autoinokulation umliegender suszeptibler Haut durch z. B. Verletzungen ist möglich.

Erstinfektion treten zumeist als akute Herpes-Gingivostomatitis bei HSV-1 auf.

HSV ist mit 80-90 % der Fälle deutlich häufiger als HSV-2 Infektionen.

HSV-2 tritt meist im Bereich der Genitale auf.

Bedeutsam ist eine lebenslange Persistenz in Spinalganglien, daraus resultieren dann Rezidive durch z. B. vermehrte Sonnenexposition (Herpes simplex solaris), fieberhafte Erkrankungen, physischen oder emotionalen Stress, Menstruations assoziiert, konkurrierende Infektionen oder eine Immunsuppression.


Lokalisation:

A) Lippen, Genitale, Auge B) ZNS C) Herpes-Disseminierung D) Weitere Manifestationen:
HSV-1 induziert typischerweise eine Gingivostomatitis (primäre Infektion mit Fieber und Schmerzen möglich). In 10-20% kann dies jedoch auch durch HSV-2 assoziiert geschehen.

In 10-20 % treten wiederholte Infektionen -meist in derselben Lokalisation- auf, dies wird als Herpes simplex rezidivans bezeichnet und ist in der Transitionszone zwischen Haut und Lippe bzw. Mundwinkel.

Weitere Manifestationen sind eine Herpes labialis (Rezidiv bzw. Sekundärinfektion), eine Herpeskeratitis (Schmerzen, Tränenfluss, Photophobie und Hornhautgeschwüre), eine Herpesretinits, eine herpetische Nagelbettinfektion, ein Eczema herpeticatum mit potentiell auftretender bakterieller Superinfektion (Sonderform vor allem bei atopischem Ekzem).

HSV-2 Infektionen führen zu ano-genitale Läsionen ( Proktitis v. a. bei Analverkehr, Proktitis) und neonatalen Herpes-Infektion.

Zerebrale Herpesinfektionen bedingen eine Enzephalitis mit multiplen Krampfepisoden und/ oder einer Meningitis mit ggf. lumbosakraler Myeloradikulitis. Die Transmission des Virus erfolgt wahrscheinlich über den Bulbus olfactorius neurotrop ins ZNS. Vor neurologischen Symptomen bestehen gehäuft klinische oder serologische Zeichen einer mukokutanen HSV-Infektion.

Die Herpes-Enzephalitis ist die häufigste Form der sporadischen Herdenzephalitis in außertropischen Ländern mit 5-10% aller Virus-Enzephalitiden. Sie zeigt eine bizyklinische Patient:innengruppe mit den Gruppen zwischen dem 5. bis 30. Lebensjahr und älter als das 50. Lebensjahr.

Selten sind Herpes Disseminierung möglich mit fulminanter Hepatitis oder Pneumonie. Gehäuft ist dies bei Immunsuppression v. a. bei HIV-Infektion (bei <100 CD4 Zellen/µl), Chemotherapie im Rahmen einer hämato-onkologischer Erkrankung, allogener Stammzell-/ Organtransplantation, Mangelernährung, ausgedehntem Ekzem und schweren Verbrennungen. In den genannten Fällen tritt meist ein schwerer Verlauf auf. Eine HSV-1 Infektion ist eine mögliche Ursache einer peripheren Faszialisparese.

Weitere Manifestationen sind eine progressive und persistierende Ösophagitis bzw. Kolitis und perianale Ulzera.

Eine HSV assoziierte Ösophagitis ist möglich im Rahmen einer Reaktivierung aus den Neuronen des Mund-Rachen-Raumes. Meist ist der distale Ösophagus betroffen. Trigger sind schwere Erkrankungen, Corticosteroidtherapie, Chemotherapie oder Radiation dieser Region (führend Mediastinum bei Lymphomen, Mammakarzinom, Bromchialkarzinom, Ösophaguskarzinom), Refluxösophagitis. Wichtig ist ein Auftreten im Rahmen einer HIV-Infektion abzuklären (s. Kapitel HIV, Aids definierender Erkrankung).

HSV- Infektionen kommen weltweit und ganzjährig vor.

Die Prävalenz in der Bevölkerung bei HSV-1 ist hoch mit nahezu 100% und mit HSV-2 bei ca. 20–60%.

HSV-2 Antikörper sind meist postpubertär nachweisbar, da mit der sexuellen Aktivität korrelierend. In Deutschland beträgt die Seroprävalenz 4 % bei jungen Erwachsenen und 17% bis zum 65 Lebensjahr.

Die Prävalenz in Entwicklungsländern ist deutlich höher als in Industrieländern v. a. in Mittelamerika, Südamerika und Afrika.
Die Prognose bei einer HSV- Enzephalitis ist mit einer hohen Letalität verbunden, unbehandelt bis zu 70%, bei Neugeborenen sind 50–80 % der Fälle letal verlaufend.

Selbst bei suffizienter Therapie treten häufig schwere neurologische, motorische und kognitive Defizite in Folge auf.