DGI:Opportunistische Infektionen/Zerebrale Toxoplasmose/Klinisches Bild
- Immunkompetent: Erstinfektion in den meisten Fällen asymptomatisch; grippeähnliche Symptome mit Fieber und Lymphadenitis möglich; selbstlimitierend.
- Immunsupprimiert: In der Regel Reaktivierung einer latenten Infektion; bei AIDS-Patient:innen am häufigsten Enzephalitis (Symptome u.a. Fieber, Kopfschmerzen, Krampfanfälle, fokal neurologische Defizite, Vigilanzminderung), seltener okulär (Symptome: Skotome, Sehstörungen, Erblindung); bei Transplantationspatient:innen disseminierte Verlaufsform möglich mit entsprechenden Symptomen.
- Konnatal: Klassische Trias mit Hydrozephalus, Chorioretinitis, intrazerebralen Verkalkungen; nur eine Minderheit bereits bei Geburt auffällig (mögliche Anzeichen Trinkschwäche, Krampfanfälle, Zerebralparese); Entwicklung einer okulären Toxoplasmose (z.T. beidseitig) bei ca. 50% innerhalb der ersten zwei Lebensjahrzehnte (Symptome Skotome, Sehstörungen, Erblindung).
Zerebrale Toxoplasmose[1]
A) HIV-Infektion (CD4 Zellzahl < 100/µl) ohne effektive Prophylaxe, allogene Stammzell- und Organtransplantation
B) Konnatal erworben, symptomatisch
Seroprävalenz in Europa sehr unterschiedlich, in Deutschland bei Erwachsenen durchschnittlich ca. 50%. Anstieg der Durchseuchungsrate beim Erwachsenen ca. 1% pro Jahr. Infektion postnatal durch Verzehr rohen oder unzureichend gegarten, zystenhaltigen Fleisches, durch Verzehr mit sporulierten Oozysten kontaminierter Lebensmittel oder durch Schmierinfektion mit kontaminierter Erde/Katzenkot.
Konnatale Infektion gemäß Meldung nach IfSG 6-23 Fälle/Jahr mit hoher Dunkelziffer (Modellrechnungen > 1200 infizierte Kinder/Jahr). Diaplazentare Übertragung bei Erstinfektion der Schwangeren, zunehmende Transmissionsrate bei abnehmender kindlicher Erkrankungsschwere mit Dauer der Schwangerschaft.
Relevante Morbidität. Mortalität der disseminierten Toxoplasmose bei Immunsupprimierten bis zu 80%. Hohe Rezidivrate mit Indikation zur Sekundärprophylaxe.