DGI:Endokarditis/Anmerkung der Redaktion
Anmerkung der Redaktion
– möglicherweise ist die zeitliche Grenze von 1 Jahr nach Operation bei der Unterteilung von früher und später Form der Prothesenendokarditis zu lang gewählt. Es gibt Hinweise dafür, dass sich insbesondere das Errergerspektrum in den ersten 120 Tagen nach Operation wesentlich unterscheidet (Focaccia Siciliano R et al.).
– bei persistierender MRSA-Bakteriämie ist eine Daptomycin-Resistenz zu erwägen und entsprechende mikrobiologische (genotypische) Resistenztestung einzuleiten. Aufgrund der hierzulande extrem selten vorkommenden Daptomycin-Resistenz bei MRSA aus Blutkulturisolaten (Experten-Erfahrung des Redaktionsteams), wurde bei der tabellarischen Auflistung der erregerspezifischen Therapie davon abgesehen, regelhaft bei Daptomycin die Kombination mit Rifampicin zur Vorbeugung einer Resistenzbildung zu empfehlen.
– die europäische und amerikanische Leitlinie unterscheiden sich bzgl. der Empfehlungen zur Dauer der Antibiotikatherapie nach Klappenersatz in folgenden Punkten: in der europäischen Leitlinie wird sich explizit auf das Kulturergebnis der Nativklappe bezogen. Ist dieses negativ, zählt die Therapiedauer ab Start der Antibiotikatherapie, ist dieses positiv, ab dem Tag der OP. Die amerikanische Leitlinie legt sich in diesem Punkt nicht auf Nativ- und/oder Kunstklappe fest, sondern sagt lediglich allgemein, dass bei negativer Kultur von der Klappe der Therapie ab Start der Therapie gerechnet werde und ggf. sogar nur 2 Wochen ausreichend wären. Bei positiver Kultur stimmt sie mit der europäischen Leitlinie überein (6 Wochen ab OP-Datum).
beide Leitlinien (europäisch und amerikanisch) empfehlen bei einer Nativklappenendokarditis durch Penicillin G-sensible Streptokokken einen MHK-cutoff von <= 0.125 mg/l, um die Indikation zur Kombinationstherapie mit Gentamicin zu begründen. Gemäß EUCAST liegt der MHK-cutoff jedoch bei <=0.25 mg/l. Die Redaktion des Endokarditis-Kapitels freut sich über eine Einschätzung der Reviewer zu dieser Diskrepanz.