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DGI:Opportunistische Infektionen/HSV

Aus Infektiopedia

Herpes simplex Viren (humane Herpesviren Typ 1 und 2) sind epidermotrop und neurotrop und daher häufige Ursachen rezidivierender Infektionen mit mukokutaner Beteiligung von Lippen, Mundhöhle, Auge und der Genitale. Schwere Infektionen bei Immunsuppression treten gehäuft mit Dissemination auf. Ein zerebraler Befall mit Meningoenzephalitis oder bei Neonaten ist beschrieben. Pathognomonisch ist das klinische Bild kutane Läsionen gruppiert stehender schmerzhafter Bläschen mit initial klarem Inhalt auf erythematösen Grund. Prodromal wird lokalisiert ein Spannungsgefühl oder Juckreiz beschrieben. Laborchemische Diagnostik mittels PCR oder Antigennachweis aus Direktmaterial sind führend zur Abklärung von Differentialdiagnosen oder eines atypischen Verlaufs bzw. Disseminierung. Die Therapie ist primär symptomatisch. Eine systemische antivirale Therapie mit beispielhaft Aciclovir kann bei schwerer Erkrankung oder Rezidiven notwendig werden.


Primär handelt es sich bei der mukokutanen Form um eine klinische Beurteilung im Sinne einer „Blickdiagnose“. HSV-1 und -2 gehören in die Familie der Herpesviridae. Es handelt sich um ein behülltes großes, doppelsträngiges DNS-Virus. Die Virushülle bedingt die Empfindlichkeit gegenüber Detergenzien und Desinfektionsmitteln.

HSV kommt weltweit vor und ist Spezies spezifisch.

Der Mensch ist für HSV als Reservoir der einzige natürliche Wirt.

Kalkulierte Therapie

Klinische Situation Präferenz Substanz Dosierung Dauer Anpassungen Kommentar
HIV-Infektion, Chemotherapie bei hämato-onkologischer Erkrankung, allogene Stammzell-, Organtransplantation, Mangelernährung, ausgedehntes Ekzem, Verbrennungen Wenn A):

Therapie der 1. Wahl

Aciclovir

Brivudin

5 x 400 mg p.o.

oder

3 x 5 mg/kg i.v.

1x 125 mg p.o.

5 Tage,

Bis 14 Tage bei HIV Positivität bzw.

5-7 Tage bei

Immun-suppression


Anpassung an Nierenfunktion ab Creatinin Clearance <50ml/min  
Wenn A):

Allergie/

Unverträglichkeit

Famciclovir 3 x 250 mg p.o. 7 Tage Wenn Aciclovir-Resistenz: Foscarnet

2 x 90 mg/kg i.v.

2 - 3 Wochen

oder

Valaciclovir

2 x 500 mg p.o. 5 - 10 Tage
Wenn B), C) und D)

Therapie der 1. Wahl

Aciclovir 3 x 10 mg/kg i.v. 2 - 3 Wochen

Prävention / Prophylaxe

Bei Herpes labialis ist eine Händehygiene und der Patient:innenkontakt unter Maßgabe der Basis-Hygienemaßnahmen ausreichend.

Bei der mukokutanen Primärinfektion (i.d.R. Gingivostomatitis) sind keine Besuche von Gemeinschaftseinrichtungen, z. B. Kindergarten, Schule, Vermeidung bei Erkrankung von Kontakt zu Neugeborenen und Immunsupprimierten geraten.

Bei Herpes genitalis Infektionen sind Kondome, kein Geschlechtsverkehr bei akuter Infektion, und Händehygiene zur weiteren Verbreitung empfohlen (s. STD Kapitel).

Die medikamentöse Prophylaxe bei Immunsuppression v. a. bei allogener Stammzelltransplantation und intensivierter Chemotherapie wird mit Aciclovir, ggf. Valaciclovir oder Famciclovir aufgrund der besseren oralen Bioverfügbarkeit durchgeführt.

Bei manifester Herpes genitalis-Infektion der Mutter ist vor dem Blasensprung eine Sectio caesarea elektiv zu terminieren

  • Bei Nachweis einer genitalen Herpesinfektion Testung auf weitere STDs und Sexualpartner:innen
  • Mehrere Impfstoffe sind in Entwicklung u. a. in Phase II Studien.


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    Aubert M, Strongin DE, Roychoudhury P, et al. Gene editing and elimination of latent herpes simplex virus in vivo. Nat Commun. 2020;11(1):4148. doi:10.1038/s41467-020-17936-5
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  • LL 030 100 Virale Meningoenzephalitis 2018 - Deutsche Gesellschaft für Neurologie e. V. Deutsche Gesellschaft für Neurologie e. V. Accessed November 7, 2021. https://dgn.org/leitlinien/ll-030-100-virale-meningoenzephalitis-2018/
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  • RKI - Infektionskrankheiten A-Z - Herpes-Infektionen (Herpes simplex). Accessed November 7, 2021. https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/H/Herpes/Herpes.html