DGI:Opportunistische Infektionen/VZV
Humanes Herpesvirus 3 (HHV3) der Gruppe der Alpha-Herpesviren. Alpha-Herpesviren sind neurotrope Viren, die ihre Latenz in sensorischen Ganglien der Nerven etablieren. Virion mit einem doppelsträngigen DNA-Genom.
Kalkulierte Therapie
Bei einer unkomplizierten Windpocken-Erkrankungen kann die Behandlung rein symptomatisch erfolgen. Bei Immunkompetenten mit Herpes zoster ist neben der symptomatischen Behandlung eine orale antivirale Therapie indiziert, um die Krankheitsdauer zu verkürzen und Komplikationen vorzubeugen. Diese sollte möglichst frühzeitig innerhalb von 2 bis 3 Tage nach Symptombeginn eingeleitet werden. Bei immunsupprimierten Patient:innen und beim Auftreten von Komplikationen, wie z.B. der Varizellenpneumonie oder des Zoster ophthalmicus, wird in der Regel eine intravenöse antivirale Therapie eingeleitet. Die antivirale Behandlung ist hochwirksam bei der Verhinderung von Dissemination und viszeraler Beteiligung.
| Klinische Situation | Präferenz | Substanz | Dosierung | Dauer | Anpassungen | Kommentar |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Immunkompetente Patient:innen mit Herpes zoster | Therapie der 1. Wahl wenn A (Gürtelrose) | Valaciclovir | 3 x 1 g p.o. | Aciclovir und Valaciclovir: Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz | ||
| Aciclovir | 3 x 10 mg/kg i.v. | |||||
| Immunsupprimierte Patient:innen oder komplikativer Verlauf (z. B. Pneumonie, Zoster ophthalmicus) bei Immunkompetenten | Therapie der 1. Wahl
wenn B (Lunge) oder C (ZNS) oder D (generalisiert) |
Aciclovir | 3 x 10 mg/kg i.v. | 2 - 3 Wochen | Aciclovir: Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz | |
| Allergie/
Unverträglichkeit |
Foscarnet | 2 x 90 mg/kg i.v. | 10 Tage | Foscarnet: Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz | Bei Aciclovir-Resistenz |
Die Varizellen-Schutzimpfung stellt als aktive Immunisierung die beste Vorbeugung einer Infektion mit Varizellen dar. In der Regel wird ein attenuierter Lebendvirusimpfstoff verwendet. Die Varizellen-Impfung ist seit 2004 von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut für alle Kinder und Jugendliche empfohlen. Die STIKO empfiehlt allen Kindern die Varizellenimpfung mit 2 Impfstoffdosen vorzugsweise im Alter von 11 bis 14 Monaten und 15 bis 23 Monaten.
Zum Schutz vor Gürtelrose, deren Komplikationen und Spätfolgen ist ein adjuvantierter Herpes-zoster-subunit-Totimpfstoff (Shingrix®) erhältlich, der laut STIKO derzeit für alle Personen ab dem Alter von 60 Jahren empfohlen ist. Zudem sollten Patient:innen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grunderkrankung bereits ab 50 Jahren erhalten. Dazu gehören unter anderem Personen mit HIV-Infektion, rheumatoider Arthritis, systemischem Lupus erythematodes, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen oder Asthma bronchiale, chronischer Niereninsuffizienz oder Diabetes mellitus. Es werden zwei Impfdosen im Abstand von mindestens 2 bis maximal 6 Monaten verabreicht.
Die Übertragung kann bei Varizellen sowohl als Tröpfcheninfektion als auch als Kontaktinfektion erfolgen, bei lokalisiertem Herpes zoster nur als Kontaktinfektion. Eine Isolation mit Tragen einer FFP2/3-Maske ist deshalb nur bei Varizellen und generalisiertem Herpes zoster notwendig. Hygiene-Präventivmaßnahmen umfassen die Maßnahmen der Basishygiene, wie z.B. Händedesinfektion, Desinfektion von Oberflächen mit häufigem Hand-Hautkontakt und Aufbereitung der eingesetzten Medizinprodukte.
Anmerkung der Redaktion
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