DGI:Borreliose/Kardiale und arthrogene Manifestation/Prophylaxe und Prävention
von Zeckenstichen bzw. der Lyme-Borreliose:
Einen Schutz vor Zeckenstichen bietet bedeckende Kleidung (Hosenbeine in die Socken stecken). Nach Aufenthalten im Freien sollte die Haut und insbesondere bei Kindern der behaarte Kopf untersucht werden. Weiterhin sollten Gelenkbeugen, interdigitale Lokalisationen, der Retroauriculärbereich und Glutealfalten abgesucht werden. Innerhalb von zwölf Stunden nach einem Zeckenstich kommt es nur selten zu einer Infektion, da die Borrelien eine gewisse Zeit benötigen, um aus dem Darm der Zecke in den Wirt zu gelangen. Eine minimale Zeit für eine Übertragung von Borrelien ist aber nicht definiert. In Tierversuchen lag die Übertragungsrate nach 18 – 24 Stunden zwischen 0 – 50 Prozent. Je schneller somit die Zecke entfernt wird, umso niedriger ist das Risiko, an einer Borreliose zu erkranken. Die Zeckensuche sollte auch Haustiere mit einschliessen.
Repellentien (z. B. DEET, Icaridin, EBAAP) zeigen eine Wirkung, allerdings ist die Schutzzeit dieser Mittel im Vergleich zum Mückenschutz deutlich kürzer. Wer sich häufig im Freien aufhält, kann auch die Imprägnierung der Kleidung mit einem Insektizid (Langzeit-Pyrethroide) in Betracht ziehen. Zecken, die z.B. von Haustieren abfallen, können durchaus eine gewisse Zeit (ein bis zwei Wochen) in der Wohnung überleben und sich einen neuen Wirt suchen.
Eine Impfung steht nicht zur Verfügung. Zur Zeckenentfernung existieren Pinzetten bzw. Zeckenkarten. Nach Zeckenentfernung wird die Nachbeobachtung der Einstichstelle für sechs Wochen empfohlen. Eine medikamentöse orale Prophylaxe wird nicht empfohlen. Die lokale Anwendung von Azithromycin z.B. in Pflasterform wird kontrovers diskutiert.
| Auftreten nach Zeckenstich | Indikation für Serologie | zusätzliche Labortests | Klinik | |
|---|---|---|---|---|
| Erythema migrans | 3-30 Tage
(Median 7-10 Tage) |
Serologie nicht indiziert
(Nullserologie ggf. einfrieren für später) |
Keine
(klinische Diagnose) |
Randbetontes, nicht erhabenes Erythem mit mind. 5 cm Durchmesser,
zunehmende zentrifugale Ausbreitung, sichtbare Zeckeneinstichstelle im Zentrum des Erythems |
| Benignes Lymphozytom | 2-10 Monate | Serologie indiziert
(Sensitivität 80%) |
Ggf. Hautbiopsie |
livid-roter subkutaner Knoten
oder Plaque, Pseudolymphom, solitär, bevorzugt bei Kindern, Lokalisation: Ohrläppchen, Mamillen oder Genitalbereich |
| Acrodermatitis chronica atrophicans | 6 Monate bis viele Jahre | Serologie indiziert
(Sensitivität 99%) |
PCR aus der Hautbiopsie
(Sensitivität 70-80%) |
initial ödematös-infiltratives Stadium (rötlich),
unbehandelt Übergang in atrophes Stadium (lividrot bis lehmbraun), Assoziation mit peripher Neuropathie in 50% |
| Arthritis | 3 - 6 Monate
(Spät disseminiertes Stadium) |
Serologie indiziert(Sensitivität > 95%) | ggf. PCR aus Gelenspunktat, Synovialbiopsie | schubweise, häufig schmerzarme Mono / Oligoartritis der großen Gelenke, v.a. des Kniegelenkes |
| Karditis | Wochen bis Monate (früh disseminiertes Stadium) | Serologie Indiziert ggf. Kontrolle für Titeranstieg/ Serokonversion (Sensitivität unklar) | ggf. PCR aus Gelenspunktat, Synovialbiopsie | Neu aufgetretener, tlw. wechselnder AV Block I.-III. Grades,
Vorhofflimmern, ventrikuläre Extrasystolen,Reizleitungs- oder unspezifische Erregungsrückbildungsstörungen. |
| Frühe Neuroborreliose | Wochen bis Monate | Serologie indiziert
im Serum und Liquor, zu Beginn ggf im Serum noch negativ (Sensitivität 70-90%) |
Liquorpunktion:
Typisch ist einelymphozytäre Liquorpleozytose, positiver Reiber-Quotient, ggf PCR (Sensitivität 30%) |
Meningo-Radikuloneuritis
(Spinal-/Hirnnerven II-XII) mit/ohne Fazialisparese, Kinder: meist Meningitis oder isoliert einseitige/beidseitige Fazialisparese |
| Späte Neuroborreliose | Monate bis Jahre | Serologie indiziert
im Serum/Liquor (Sensitivität 99-100%) |
Liquorpunktion:
typisch ist eine lymphozytäre Liquorpleozytose, Borellien-spezifischer AK-Index, PCR nicht indiziert (Sensitivität nur 10%) |
Enzephalitis, Enzephalomyelitis,
Meningoenzephalits, zerebrale Vaskultits, periphere Polyneuropathie |
| Post-Lyme Syndrom | ||||