DGI:Borreliose/Lyme Borreliose/Klinisches Bild/Epidemiologie
Die Lyme- Borreliose ist die häufigste zeckenübertragene Erkrankung und existiert in Asien, Europa und den USA. In Nordamerika findet sich ausschließlich die Spezies Borrelia burgdorferi sensu stricto (arthrotrop). In Europa finden sich zusätzlich die häufigere Borrelia garinii (neurotrop), gefolgt von Borrelia afzelii (dermatotrop). Daher unterscheiden sich die klinischen Manifestationen zwischen Nordamerika und Europa. Die Acrodermatitis chronica atrophicans und das Lymphozytom finden sich praktisch nicht in Nordamerika. Dort manifestiert sich B. burgdorferi sensu stricto eher mit Gelenkbeteiligung. Bei neurotropen Manifestationen findet man am häufigsten Borrelia garinii. Die Acrodermatitis chronica atrophicans wird durch Borrelia afzelii hervorgerufen.
In Süddeutschland betragen durchschnittliche Infektionsraten ca. 1% bei Larven, 10% bei Nymphen und 20% bei adulten Zecken. Die Ausbreitungsgebiete der Lyme-Borreliose dehnen sich weiter aus. Lyme-Borreliose findet sich in Europa zwischen 35°N und 60°N, im Allgemeinen bis 1300 m über dem Meeresspiegel. Hierbei gibt es aber eine erhebliche Heterogenität bzgl. der räumlichen Ausdehnung. Es existiert ein Nord-Süd-Gefälle (die Antikörperlevel sind am höchsten im nördlichen und zentralen Teil Europas). Die sog. „population-weighted incidence“ manifester Erkrankungen in Westeuropa wird auf 22 Fälle pro 100.000 Personenjahre geschätzt, allerdings sind die Inzidenzdaten der einzelnen Länder hinsichtlich Qualität und Quantität nicht einheitlich. In manchen Hotspots finden sich > 100 Fälle pro 100.000 Einwohner pro Jahr (Teile von Slowenien, südliches Schweden, Deutschland, Österreich etc.). Die niedrigste Inzidenz findet sich in Italien. In sechs östlichen deutschen Bundesländern fanden sich schwankende Inzidenzen (34,9 Fälle auf 100.000 Einwohner 2009 versus 19,54 auf 100.000 Einwohner 2012). Schätzungen der Infektionsraten in Deutschland liegen zwischen 60.000 und > 200.000 Fällen/Jahr.
Das Risiko, an Lyme-Borreliose zu erkranken, ergibt sich einerseits aus der Zahl und Verbreitung der Zecken, andererseits aus der persönlichen Exposition. Berufliche Tätigkeiten in der freien Natur (Waldarbeiter, Forstarbeiter etc.) bzw. Freizeitaktivitäten wie Jagen, Pilzesammeln etc. führen zu erhöhtem Risiko. Besonders betroffene Altersgruppen sind Kinder (im Alter von 5-14 Jahren) und Erwachsene (im Alter von 50-64 Jahren).
Die Seroprävalenzen in Deutschland reichen von 7% der 14-17-jährigen bis 24,5% der 70-79-jährigen Männer sowie 16,4% der Frauen gleichen Alters. Eine jährliche Serokonversionsrate von 0,45% bei vorher Seronegativen wird angenommen.