DGI:Geschlechtskrankheiten/Klinisches Bild/Epidemiologie

From Infektiopedia

Mit Ausnahme für HIV und Syphilis besteht in Deutschland keine Meldepflicht (nach den Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes). Epidemiologische Daten zu dem Vorkommen von STIs beruhen daher auf unterschiedlichen Quellen.

Dem ECDC wurden 2013 etwa 400.000 Chlamydien-, etwa 66.000 Gonokokken- und über 24.000 Syphilisinfektionen aus 26 Ländern übermittelt. Das ECDC geht daher von einer Untererfassung aus, da unter den EU-Mitgliedsstaaten weiterhin große Unterschiede in Teststrategien, Testmethoden und Surveillance bestehen. Eine zuverlässige Aussage zur wirklichen Situation in Europa kann anhand dieser Daten nicht getroffen werden [3]

Die Epidemiologie unterscheidet sich auch in den einzelnen Risikogruppen. Gemäß Daten des RKI liegt bei MSM die allgemeine Prävalenz von STI bei 30%. Mycoplasma genitalium ist dabei der häufigste Erreger mit über 16% gefolgt von Chlamydia trachomatis (9.9%) und Neisseria gonorrhoe (8,9%)[4].

Auffällig ist ein deutlicher Anstieg der Syphilis-Meldezahlen um 149% (zwischen 2009 und 2016).<abbr title="Mit 7889 gemeldeten Fällen wurde 2019 die bisherige Höchstzahl erreicht[FM1] , wie das RKI im epidemiologischen Bulletin 49/2020 berichtet. Bundesweit lag die Syphilisinzidenz bei 8,5/100000 Einwohner. Die bundesweit höchsten Inzidenzen wurden in Berlin gemeldet (62,8-117,8)." style="cursor:help; border-bottom:1px dotted #666; font-style:normal;">ⓘ Die höchste Inzidenz weisen Männer zwischen 30 und 39 Jahren auf. Achtzig Prozent der Fälle wurden bei MSM diagnostiziert[5].
Bei Frauen ist Chlamydia trachomatis der häufigste Erreger. Insgesamt sind 3,8% der Chlamydientests (Chlamydienscreening unter 25 Jahren und Schwangerschaft) bei Frauen positiv[6]. Die Infektionen verlaufen bei 80% der Frauen und 50% der Männer asymptomatisch und bleiben häufig unerkannt. Koinfektionen mit Gonokokken treten bei 15% der infizierten Männer auf[7].

  1. RKI, Epidemiologisches Bulletin 3/10; 20-27
  2. RKI, Epidemiologisches Bulletin 3/10; 20-27
  3. Bremer V, Dudareva-Vizule S, Buder S, An der Heiden M, Jansen K. [Sexually transmitted infections in Germany : The current epidemiological situation]. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2017;60(9):948-957. doi:10.1007/s00103-017-2590-1
  4. Jansen K, Steffen G, Potthoff A, et al. STI in times of PrEP: high prevalence of chlamydia, gonorrhea, and mycoplasma at different anatomic sites in men who have sex with men in Germany. BMC Infect Dis. 2020;20(1):110. doi:10.1186/s12879-020-4831-4
  5. Bremer V, Dudareva-Vizule S, Buder S, An der Heiden M, Jansen K. [Sexually transmitted infections in Germany : The current epidemiological situation]. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2017;60(9):948-957. doi:10.1007/s00103-017-2590-1
  6. Jansen K, Steffen G, Potthoff A, et al. STI in times of PrEP: high prevalence of chlamydia, gonorrhea, and mycoplasma at different anatomic sites in men who have sex with men in Germany. BMC Infect Dis. 2020;20(1):110. doi:10.1186/s12879-020-4831-4
  7. Bremer V, Dudareva-Vizule S, Buder S, An der Heiden M, Jansen K. [Sexually transmitted infections in Germany : The current epidemiological situation]. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2017;60(9):948-957. doi:10.1007/s00103-017-2590-1