DGI:Postexpositionsprophylaxe/Hepatitis

From Infektiopedia

Eine Verletzung der Haut, der mukokutane Kontakt oder eine Berührung von nichtintakter Haut (Trauma, Dermatitis) mit einem mit Blut oder anderen potentiell infektiösen Körperflüssigkeiten oder Gewebe kontaminierten Gegenstand kann zur Infektion mit dem Hepatitis B- oder Hepatitis C-Virus (HBV, HCV) führen. Die Zahl der Nadelstichverletzungen (NSV) bei im Gesundheitswesen arbeitenden Personen in Deutschland wird auf 500.000 pro Jahr geschätzt (obwohl z.B. im Jahr 2019 der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege bundesweit „nur“ 50.000 Stichverletzungen branchenübergreifend gemeldet wurden). HBV erreicht besonders in der Frühphase der Infektion und bei HBeAg-positiven Trägern eine hohe Konzentration von infektiösen Viruspartikeln im Blut. Es ist stabil gegenüber Austrocknung, einfachen Detergenzien, Alkohol und Temperaturschwankungen und bleibt auch nach mehr als sieben Tagen auf Oberflächen infektiös. Bei hochreplikativen HBV-Infektionen (~ HBV-DNA >100.000 Kopien/ml) sind HB-Viren (zwar mit einer ca. 1.000-10.000-fach geringeren Viruskonzentration) auch in Speichel, Samenflüssigkeit und Vaginalsekret nachweisbar. Im Stuhl und Urin ist das HBV nur in geringen Konzentrationen vorhanden. In der Spätphase einer HBV-Infektion und bei HBeAg-negativen HBV-Infizierten ist dagegen meist nur jedes 100ste bis 1.000ste Viruspartikel infektiös.

HCV-RNA kommt ebenfalls in Blut und anderen serösen Flüssigkeiten vor. Die Virus-Konzentration im Speichel ist sehr viel niedriger. Ob in Urin, Stuhl oder Vaginalsekret infektiöse HC-Viruspartikel vorhanden sind, wird kontrovers diskutiert. HCV-Übertragungen durch die Umwelt sind selten, da das Virus bei Raumtemperatur rasch an Aktivität verliert.

Hepatitis B Virus (HBV) und Hepatitis C Virus (HCV)

Aktive Hepatitis B-Impfung im Säuglings- und Kleinkindalter und das Nachholen der Grundimmunisierung bis dahin noch ungeimpfter Kinder und Jugendlicher möglichst vor der Pubertät, spätestens aber bis zum 18. Lebensjahr. Hepatitis B-Impfung im Erwachsenenalter für besonders gefährdete Personengruppen:

  • Personen mit Immundefizienz und anderen Erkrankungen, die einen besonders ungünstigen Verlauf einer HBV-Infektion bewirken können
  • Erhöhtem beruflichen Expositionsrisiko
  • Erhöhtem nichtberuflichem Expositionsrisiko
  • Personen mit Reiseindikation
  • Ärzteblatt DÄG Redaktion Deutsches. Prophylaxe gegenüber HBV, HCV und HIV nach beruflicher Exposition. Deutsches Ärzteblatt. Published August 19, 2005. Accessed June 17, 2021. https://www.aerzteblatt.de/archiv/48030/Prophylaxe-gegenueber-HBV-HCV-und-HIV-nach-beruflicher-Exposition