Geburtshilfliche Infektionen/Triple I

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Kapitelinformationen
Stand: Dezember 2024
Kapitelleitung: Masen Sueifan
Autor:innen: Marzia Bonsignore, Sabine Mauruschat, Nathalie Pausner, Helmut Reinhold
Reviewer:innen: Julia Jückstock
Beteiligte Fachgesellschaften:
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Der Begriff "Triple I" wurde auf einem internationalen Workshop als Ersatz für die bis dahin gebräuchlichen Bezeichnungen Amnioninfektionssyndrom und Chorioamnionitis beschlossen. Ziel war es, maternales Fieber von einer intrauterinen Infektion und/oder Inflammation zu unterscheiden. Dabei steht "Triple I" für "intrauterine Inflammation oder Infektion oder beidem".  Häufigste Ursache für ein Triple I ist der (frühe) vorzeitige Blasensprung und die  einhergehende aszendierende Infektion.


Inhaltsverzeichnis

Klinisches Bild

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Das klinische Bild ist geprägt durch ein Auffiebern der Patientin (siehe Tabelle Leitsymptome). Treten zudem entweder eine fetale Tachykardie, eine maternale Leukozytose oder ein purolenter Fluor auf, besteht der Verdacht auf ein Triple I. Gelingt der Nachweis einer Infektion im Fruchtwasser, der Plazenta, Eihäute oder der Nabelschnur, spricht man von einem bestätigten Triple I.

Leitsymptome

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Definition
Maternales Fieber
  • Körpertemperatur > 39 °C oral gemessen
  • Körpertemperatur zw. 38,0 und 38,9 °C (oral)

dann Wiederholung der Messung nach 30 min.

wenn Temperatur > 38,0 °C, dann liegt ebenfalls

maternales Fieber vor.

V.a. Triple I Maternales Fieber unklarer Genese

plus mind. einer der Punkte:


1. Fetale Tachykardie mit HF > 160/min > 10 min

2. Maternale Leukozytose > 15.000µg ohne Kortikosteoridgabe

3. Purulenter Fluor aus dem Zervikalkanal

Bestätigtes Triple I V.a. Triple plus objektive Befunde einer Infektion:


1. Amnionflüssigkeit (durch Amniozentese) mit positiver Gramfärbung, niedrige Glukosekonzentration (< 14 mg/dl), erhöhte Leukozytenzahl (> 30 Zellen/mm3), Interleukin-6-Bestimmung aus Fruchtwasser


oder


2. Histopathologischer (postpartaler) Befund einer Inflammation oder Infektion oder beidem der Plazenta, der Eihäute oder der Nabelschnur (Funisitis)

Epidemiologie

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Konkrete Zahlen aus Deutschland liegen nicht vor. Die Recherche hierzu wird erschwert durch die neue und alte Begriffsdefinition. Eine Untersuchung ergab für das Jahr 2008 in den USA 2,2 Millionen Lebendgeburten mit der Angabe einer Chorioamnionitis. Die Prävalenz wird mit 9,7/1000 Lebendgeburten angegeben, wobei die neonatale Mortalität bei 1,4/1000 Lebendgeburten lag. Im Vergleich lag diese unter den Kindern ohne eine Chorioamnionitis bei 0,81/1000 Lebendgeburten[1].

Prognose

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Das Vorliegen eines Triple I ist ein Prädiktor für einige potenziell gefährliche Komplikationen:

  • Neugeboreneninfektion
  • Fetales Inflammatory Response Syndrom (FIRS)
  • Sepsis der Mutter
  • Frühgeburt
  • Uterine Dysfunktion mit Gefahr eines Geburtsstillstands und/oder postpartaler Atonie
  • Bei Sectio caesarea erhöhtes Risiko von
    • Wundinfektion
    • Endomyometritis
    • Thrombophlebitis

Diagnostik

Diagnostik bearbeiten
  • Maßgeblich ist die Klinik
  • Amniozentese (positive Gramfärbung, Glukosekonzentration < 14mg/dl, erhöhte Leukozytenzahl > 30/mm3,Interleukin-6-Bestimmung aus Fruchtwasser)
  • Postpartale Histopathologie



Therapie

Bei Verdacht oder bestätigtem Triple I ist die Entbindung unter subpartaler Antibiotika Therapie indiziert:


frühzeitiger vorzeitiger Blasensprung (PPROM)

Klinische Situation Präferenz Susbtanz Dosierung Dauer Anpassungen Kommentar
< 37. + 0 SSW Therapie der Wahl

zusätzlich

Azithromycin po

Ampicillin iv

1 g


2 g

1x


2 d


keine ß-Laktamase Hemmer

ab Tag 3 Amoxicillin 500 mg 5 d keine ß-Laktamase Hemmer


früher vorzeitiger Blasensprung (PPROM) bei bestätigter Penicillin Allergie

Klinische Situation Präferenz Susbtanz Dosierung Dauer Anpassungen Kommentar
< 37. + 0 SSW Therapie der Wahl

zusätzlich

Azithromycin po

Clindamycin iv

1 g


900 mg

1x


2 d

ab Tag 3 Clindamycin po 900 mg 5 d

vorzeitiger Blasensprung (PROM)

Klinische Situation Präferenz Susbtanz Dosierung Dauer Anpassungen Kommentar
< 37. + 0 SSW Therapie der Wahl Cefuroxim iv 1,5 g bis zur Geburt

vorzeitiger Blasensprung (PROM) bei gesicherter Penicillin Allergie

Klinische Situation Präferenz Susbtanz Dosierung Dauer Anpassungen Kommentar
< 37. + 0 SSW Therapie der Wahl Clindamycin iv 900 mg bis zur Geburt





Quellen

DGI:Geburtshilfliche Infektionen/Triple I/Quellen



  1. Malloy MH. Chorioamnionitis: epidemiology of newborn management and outcome United States 2008. J Perinatol. 2014 Aug;34(8):611-5. doi: 10.1038/jp.2014.81. Epub 2014 May 1. PMID: 24786381.