DGI:Nosokomiale Pneumonie/Diagnostik/Differentialdiagnosen: Difference between revisions

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'''<span style="color: black">Differentialdiagnose: Aspirationspneumonie</span>'''
Die Diagnose oder der Ausschluss einer HAP gelingt bei den meist komplex kranken Patient:in:innen und suboptimaler Bildgebung (häufig nur Röntgen im Liegen möglich) oft nicht eindeutig (Bei ca. 1/3 der Patient:in:innen keine eindeutigen Befunde.)


<span style="color: black">Bei jeder Pneumonie im nosokomialen Setting (insb. bei Rezidiven) ist ein Screening nach Risikofaktoren für Aspirationen und, falls nötig, eine Rezidivprophylaxe wichtig. (</span><span style="color: black">⧴</span><span style="color: black"> Siehe Kapitel Prophylaxe.)</span>
Cave: Therapierelevant ist bereits die Verdachtsdiagnose einer nosokomialen Pneumonie.


<span style="color: black">Definition: Pneumonie als Folge einer Aspiration (= Einatmen von Fremdmaterial in die Atemwege und Lunge)</span>
Differentialdiagnostisch sind alle mit Infiltraten imponierenden Veränderungen des Rö-Thorax bei gleichzeitig vorhandenen paraklinischen Inflammationskriterien als Pneumonie zu erwägen. Dies sind z. B.:


<span style="color: #333333"><span style="mso-list:Ignore">· <span style="font:7.0pt &quot;Times New Roman&quot;">       </span></span></span><span style="color: black">Aktive oder passive Regurgitation von Mageninhalt</span>
- Atelektase,


<span style="color: #333333"><span style="mso-list:Ignore">· <span style="font:7.0pt &quot;Times New Roman&quot;">       </span></span></span><span style="color: black">Oropharyngeales Sekret</span>
- Infarkt-Pneumonie,


<span style="color: #333333"><span style="mso-list:Ignore">· <span style="font:7.0pt &quot;Times New Roman&quot;">       </span></span></span><span style="color: black">Blut</span>
- COPD und andere autoimmunologisch getriggerte Lungeninfiltrate,


<span style="color: #333333"><span style="mso-list:Ignore">· <span style="font:7.0pt &quot;Times New Roman&quot;">       </span></span></span><span style="color: black">Fremdkörper</span>
- Adenokarzinom,


<span style="color: black">Mikroaspirationen sind häufig, in der Regel unbemerkt und bis zu einem gewissen Grad physiologisch. Solche Aspirationen erregerhaltigen Sekrets aus den oberen Atemwegen sind pathophysiologisch bedeutsam für die Entstehung von Pneumonien allgemein.</span>
- Lungenstauung,


<span style="color: black">Die Aspirationspneumonie im klassischen Sinne ist hingegen auf eine Makroaspiration, klassischerweise von Mageninhalt, zurückzuführen. Hierbei entstehen Infiltrate in den abhängigen Lungenarealen – je nach Lagerung des Patienten im basalen (v. a. rechten) Unterlappen oder dorsal in Ober- und Unterlappen (Segment 2, 6, 9 und 10).</span>
- Aspirations-Pneumonitis


<span style="color: black">Folgenden Konstellationen sind Risikofaktoren für eine Aspirationspneumonie:</span>
- TRALI,


<span style="color: #333333"><span style="mso-list:Ignore">· <span style="font:7.0pt &quot;Times New Roman&quot;">       </span></span></span><span style="color: black">Einschränkung des Bewusstseins (von Psychopharmaka, Sedativa und Alkohol über Stroke, Schädel-Hirn-Trauma und Epilepsie bis hin zur Narkose und Reanimation)</span>
- Infektion mit anderem Fokus


<span style="color: #333333"><span style="mso-list:Ignore">· <span style="font:7.0pt &quot;Times New Roman&quot;">       </span></span></span><span style="color: black">Dysphagie (hohe Prävalenz im Alter, insb. bei degenerativen neurolog. Erkrankungen)</span>
Die mikrobiologische Diagnostik (Blutkulturen und Kulturen aus respiratorischem Material) verbessert die Sensitivität und Spezifität nicht, ist aber zur Optimierung der antiinfektiven Therapie erforderlich.


<span style="color: #333333"><span style="mso-list:Ignore">· <span style="font:7.0pt &quot;Times New Roman&quot;">       </span></span></span><span style="color: black">Alteration im Oropharynx und oberen GI-Trakt (schlechte orale Hygiene, Magensonde/ PEG, PPI, Erkrankungen des Ösophagus)</span>
===== VAT - Ventilator-assoziierte Tracheobronchitis =====
Anders als die VAP ist die VAT keine invasive Infektion des Lungenparenchyms und damit in der Regel nicht akut lebensbedrohlich. Daher besteht keine Behandlungsindikation. Eine Ausnahme kann eine schwere Tracheobronchitis mit eindeutiger respiratorischer Verschlechterung sein.


<span style="color: #333333"><span style="mso-list:Ignore">· <span style="font:7.0pt &quot;Times New Roman&quot;">       </span></span></span><span style="color: black">Reduktion der Sekret-Clearance (insb. COPD, invasive Beatmung) und der Immunantwort (Multimorbidität, hohes Alter, schlechter Ernährungszustand etc.)</span>
Die Abgrenzung zur Pneumonie gelingt insb. mittels Ausschluss von:  


<span style="color: black">Bezüglich der Auswahl der antimikrobiellen Therapie spielt eine Aspirationsanamnese in der Regel keine Rolle, da im nosokomialen Setting die bei Aspirationen vermehrt vorkommenden Enterobakterien und ''S. aureus'' ohnehin dem zu erwartenden Erregerspektrum entsprechen. Antimikrobielle Regime mit Anaerobier-Wirksamkeit (je nach Risiko für MRE/Zeitpunkt des Erwerbs z. B. Aminopenicillin+ BLI, Piperacillin/Tazobactam, Moxifloxacin, Carbapeneme) sollten tendenziell bevorzugt werden.</span>
- Lungeninfiltraten mittels multimodaler Bildgebung und


<span style="color: black">Eine eindeutige Abgrenzung zur sterilen Aspirations-Pneumonitis gelingt oft nur schwer. Im Zweifel und bei schweren Verlaufsformen sollte immer eine antimikrobielle Therapie eingeleitet werden. Sie sollte beendet werden, falls sich im Rahmen einer Reevaluation nach 2-3 Tagen der Verdacht auf eine Pneumonie nicht bestätigt.</span>
- ausgeprägter systemischer Inflammation/Sepsiszeichen mittels Labor und Klinik
 
CAVE: Eine VAT kann zur VAP voranschreiten. Die Differenzierung kann schwierig sein. Bei  VAT muss engmaschig auf die Entstehung einer VAP reevaluiert werden.

Latest revision as of 22:48, 1 December 2025

Die Diagnose oder der Ausschluss einer HAP gelingt bei den meist komplex kranken Patient:in:innen und suboptimaler Bildgebung (häufig nur Röntgen im Liegen möglich) oft nicht eindeutig (Bei ca. 1/3 der Patient:in:innen keine eindeutigen Befunde.)

Cave: Therapierelevant ist bereits die Verdachtsdiagnose einer nosokomialen Pneumonie.

Differentialdiagnostisch sind alle mit Infiltraten imponierenden Veränderungen des Rö-Thorax bei gleichzeitig vorhandenen paraklinischen Inflammationskriterien als Pneumonie zu erwägen. Dies sind z. B.:

- Atelektase,

- Infarkt-Pneumonie,

- COPD und andere autoimmunologisch getriggerte Lungeninfiltrate,

- Adenokarzinom,

- Lungenstauung,

- Aspirations-Pneumonitis

- TRALI,

- Infektion mit anderem Fokus

Die mikrobiologische Diagnostik (Blutkulturen und Kulturen aus respiratorischem Material) verbessert die Sensitivität und Spezifität nicht, ist aber zur Optimierung der antiinfektiven Therapie erforderlich.

VAT - Ventilator-assoziierte Tracheobronchitis

Anders als die VAP ist die VAT keine invasive Infektion des Lungenparenchyms und damit in der Regel nicht akut lebensbedrohlich. Daher besteht keine Behandlungsindikation. Eine Ausnahme kann eine schwere Tracheobronchitis mit eindeutiger respiratorischer Verschlechterung sein.

Die Abgrenzung zur Pneumonie gelingt insb. mittels Ausschluss von:

- Lungeninfiltraten mittels multimodaler Bildgebung und

- ausgeprägter systemischer Inflammation/Sepsiszeichen mittels Labor und Klinik

CAVE: Eine VAT kann zur VAP voranschreiten. Die Differenzierung kann schwierig sein. Bei  VAT muss engmaschig auf die Entstehung einer VAP reevaluiert werden.