Kopf Hals Infektionen/Otitis externa: Difference between revisions
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Latest revision as of 13:26, 6 December 2021
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| Kapitelinformationen | |
|---|---|
| Stand: | Juni 2021 |
| Kapitelleitung: | Masen Sueifan |
| Autor:innen: | Hanni Bartels |
| Reviewer:innen: | Klaus Pelz |
| Beteiligte Fachgesellschaften: | |
| Feedback: | Mitwirken |
Bei der Otitis externa handelt es sich um eine Infektion des äußeren Gehörgangs mit zwei möglichen Verlaufsformen. Zum einen ist dies die Otitis externa diffusa (Schwimmbad-Otitis) und die Otitis externa circumscripta. Bei ersterer handelt es sich um eine Entzündung der Kutis und Subkutis, während es sich bei der zweiten Form um ein Gehörgangsfurunkel bzw. einer Infektion der Haarbälge handelt.
Bei vornehmlich schlecht eingestellten Diabetiker:innen und immunsupprimierten Personen kann es zu einer Otitis externa maligna kommen. Es handelt sich hierbei um eine nekrotisierende Entzündung des äußeren Gehörgangs. Eine gefürchtete Komplikation dieser Form ist der Ausfall von Hirnnerven, v.a. des Nervus fascialis sowie einem Übergreifen der Infektion auf umliegende Knochen. Unbehandelt kann diese Erkrankung tödlich verlaufen.
Klinisches Bild
Leitsymptome
Otitis externa diffusa (Schwimmbad-Otitis)
- Starke Ohrenschmerzen
- Schmerzen beim Kauen
- Tragusdruckschmerz
- Juckreiz
- Schwellung und Rötung des äußeren Gehörgangs
- Übelriechendes Sekret
- Schwerhörigkeit
Otitis externa circumscripta
- Starke Ohrenschmerzen
- Schmerzen beim Kauen
- Tragusdruckschmerz
- Juckreiz
- Rötliche Erhebung im Eingangsbereich des Gehörgangs, oft mit eitriger Einschmelzung
Otitis externa maligna (necroticans)
- Starke Ohrenschmerzen die trotz Behandlung über einen längeren Zeitraum nicht ausheilt
- Schmerzen beim Kauen
- Tragusdruckschmerz
- Otorrhoe
- Schallleitungsschwerhörigkeit
- Ausfall von Hirnnerven, v.a. Fazialis Lähmung
- Osteomyelitis möglich
Prädisponierende Faktoren:
- Schlecht eingestellter Diabetes mellitus
- Immunsupression
Epidemiologie
Otitis externa diffusa (Schwimmbad-Otitis) und Otitis externa circumscripta
- Lebenszeitprävalenz liegt bei geschätzten 10% [1]
- Schwimmer:innen fünf Mal häufiger betroffen [2]
- Erwachsene häufiger betroffen als Kinder
Otitis externa maligna (necroticans)
keine Daten Verfügbar
Prognose
Otitis externa diffusa (Schwimmbad-Otitis) und Otitis externa circumscripta
Die Prognose ist bei adäquater lokaler Behandlung gut. Allerdings kann es auch zu Rezidiven kommen, vor allem wenn prädisponierende Faktoren nicht berücksichtigt werden.
Otitis externa maligna (necroticans)
Unbehandelt kann die Infektion tödlich verlaufen. Zudem besteht die Gefahr des Übergreifens der Infektion auf Hirnnerven, insbesondere dem Nervus facialis und der Entstehung einer Osteomyelitis.
Weitere mögliche Komplikationen:
- Innenohrschäden
- Sinusvenenthrombose
- Meningitis
- Cerebrale Abszesse
Eine erhöhte Mortalität liegt vor, wenn zwei der genannten Punkte vorhanden sind:
- Alter > 70 Jahre
- Diabetes mellitus
- Nervus fazialis Parese
- Knochenerosion und/oder Weichteilschwellung in der CT
Diagnostik
Otitis externa diffusa (Schwimmbad-Otitis) und Otitis externa circumscripta
- Klinische Untersuchung
- Tragusdruckschmerz
- Schmerzen bei Zug an Ohrmuschel
- Otoskopie
- Geröteter und geschwollener Gehörgang
- Audiogramm (Schalleitungsschwerhörigkeit am betroffenen Ohr)
- Abstrich
Otitis externa maligna (necroticans)
- Klinische Untersuchung
- Otoskopie → typisch ist Granulation der Haut am Übergang knorpeligen zum knöchernen Anteil
- Schalleitungsschwerhörigkeit
- Abstrich
- Bildgebung mittels einer CT oder MRT in Erwägung ziehen
Differentialdiagnosen
Otitis externa diffusa (Schwimmbad-Otitis) und Otitis externa circumscripta
- Otitis media chronica mesotympanalis mit einhergehender sezernierender Superinfektion
- Durch Fremdkörper verursachte Verletzungen im Gehörgang
- Zoster oticus
- Gehörgangscholesteatom
Erreger
Otitis externa diffusa (Schwimmbad-Otitis) und Otitis externa circumscripta
Der am häufigsten verantwortliche Erreger ist Pseudomonas aeruginosa und dies hauptursächlich für die sogenannte Schwimmbad-Otitis.
Zweithäufigster Erreger und hauptursächlich für eine Infektion von Haarbälgen (Otitis externa circumscripta) verantwortlich, ist Staphylococcus aureus.
Weitere potenzielle Erreger:
- Proteus mirabilis
- E. coli
- Streptococcus spp.
Weitere mögliche Erreger und Ursachen
- Candida albicans
- Aspergillus niger
- Allergene
Otitis externa maligna (necroticans)
- In 90% der Fälle Pseudomas aeruginosa
Therapie
Otitis externa diffusa (Schwimmbad-Otitis) und Otitis externa circumscripta
Grundsätzlich sollte zunächst eine Reinigung des äußeren Gehörgangs durch Absaugen erfolgen sowie das trocken Halten angestrebt werden. Je nach Schwere der Infektion kann zunächst ein konservativer Therapieversuch mit antientzündlichen Ohrentropfen in Erwägung gezogen werden.[3] Empfehlenswert ist bei leichten Infektionen die Applikation von antibiotikahaltigen Ohrentropfen, die bei ausgeprägteren Verläufen auch auf einem Gase-Streifen in den Gehörgang eingebracht werden können. Zusätzlich können auf den Gaze-Streifen ein Glukokortikoid und ein Lokalanästhetikum aufgebracht werden.
| Klinische Situation | Präferenz | Substanz | Dosierung | Dauer | Anpassungen |
|---|---|---|---|---|---|
|
Otitis externa |
Therapie der Wahl | Lokaltherapie mit Ciprofloxacin Ohrtropfen | 2 x 3-4 Gtt. | 5 - 7 d | Ggf. plus z.B. Betamethason |
| Alternativ | Gentamycin Ohrentropfen | 2 x 3-4 Gtt. | 5 - 7 d | CAVE: nicht bei (v.a.) Trommelfellruptur da Innenohr-Toxizität!
ggf. plus z.B. Betamethason |
Bei einer schweren Infektion, die mit einer Ausbreitungstendenz auf umliegende Strukturen und Fieber einhergeht, ist eine systemische Antibiotika-Gabe indiziert.
| Klinische Situation | Präferenz | Substanz | Dosierung | Dauer | Anpassungen |
|---|---|---|---|---|---|
|
Otitis externa |
Therapie der Wahl | Piperacillin/
Tazobactam |
3 x 4,5g i.v. | 5 - 7 d | |
| Alternativ | Levofloxacin | 500mg 2x/d i.v. | 5 - 7 d | Hohe Dosierung |
| Klinische Situation | Präferenz | Substanz | Dosierung | Dauer | Anpassungen |
|---|---|---|---|---|---|
|
Otitis externa Pädiatrie |
Therapie der Wahl | Piperacillin/
Tazobactam |
100/12,5mg/kg
KG 3 x /d i.v. |
5 - 7 d | 2 - 12 Jahre |
| Alternativ | Ciprofloxacin | 400mg 2x/d i.v. | 5 - 7 d | Hohe Dosierung |
Otitis externa maligna (necroticans)
| Klinische Situation | Präferenz | Substanz | Dosierung | Dauer | Anpassungen |
|---|---|---|---|---|---|
|
Otitis externa maligna |
Therapie der Wahl | Lokaltherapie mit Ciprofloxacin Ohrtropfen | 2 x 3-4 Gtt | 5 - 7 d | Ggf. plus z.B. Betamethason |
| Alternativ | Gentamycin Ohrentropfen | 2 x 3-4 Gtt | 5 - 7 d | CAVE: Nicht bei (v.a.) Trommelfellruptur da Innenohr-Toxizität!
ggf. plus z.B. Betamethason |
Des Weiteren ist eine sofortige systemische antibiotische Therapie mit einem gegen Pseudomonas aeruginosa wirksamen Antibiotikum notwendig.
| Klinische Situation | Präferenz | Substanz | Dosierung | Dauer | Anpassungen |
|---|---|---|---|---|---|
|
Otitis externa |
Therapie der Wahl | Piperacillin/
Tazobactam |
3 x 4,5g i.v. | 4 - 6 Wochen | |
| Alternativ | Ceftazidim +
Ciprofloxacin |
3 x 2g i.v.
2 x 400 mg i.v. |
4 - 6 Wochen |
Eine chirurgische Intervention sollte bei prolongiertem Verlauf oder einer Therapieresistenz in Erwägung gezogen werden. Hierbei sollte nekrotisches Gewebe und Knochensequester abgetragen werden. Nach drei Wochen ist eine Oralisierung der i.v.-Antibiotika-Therapie bei gutem Verlauf möglich. Therapie der Wahl wäre: Ciprofloxacin 500 mg 2x/d für weitere drei Wochen.
Prophylaxe und Prävention
Otitis externa diffusa (Schwimmbad-Otitis) und Otitis externa circumscripta
- Ohren nach dem Baden/Duschen gut trocknen
- Keine Verwendung von Watteträgern im Gehörgang
- Bei bekannter erhöhter Zerumenproduktion (Hörgeräte), regelmäßiges Aufsuchen eines HNO-Arztes
- Nach dem Tauchen Ohren mit Trinkwasser ausspülen und gut abtrocknen. Empfehlenswert sind antiseptische Ohrentropfen
Quellen
Otitis externa diffusa (Schwimmbad-Otitis) und Otitis externa circumscripta und Otitis externa maligna (necroticans)
- Raza SA, Denholm SW, Wong JC. An audit of the management of acute otitis externa in an ENT casualty clinic. J Laryngol Otol. 1995;109(2):130-133. doi:10.1017/s0022215100129469
- Roland PS, Stroman DW. Microbiology of acute otitis externa. Laryngoscope. 2002;112(7 Pt 1):1166-1177. doi:10.1097/00005537-200207000-00005
- Wiegand S, Berner R, Schneider A, Lundershausen E, Dietz A. Otitis Externa. Dtsch Arztebl Int. 2019;116(13):224-234. doi:10.3238/arztebl.2019.0224
- 017-066l_S2k_Antibiotikatherapie_der_Infektionen_an_Kopf_und_Hals_2019-11_1.pdf. Accessed July 9, 2021. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/017-066l_S2k_Antibiotikatherapie_der_Infektionen_an_Kopf_und_Hals_2019-11_1.pdf
Otitis externa maligna (necroticans)
- Roland PS, Stroman DW. Microbiology of acute otitis externa. Laryngoscope. 2002;112(7 Pt 1):1166-1177. doi:10.1097/00005537-200207000-00005
- Stern Shavit S, Soudry E, Hamzany Y, Nageris B. Malignant external otitis: Factors predicting patient outcomes. Am J Otolaryngol. 2016;37(5):425-430. doi:10.1016/j.amjoto.2016.04.005
- Wiegand S, Berner R, Schneider A, Lundershausen E, Dietz A. Otitis Externa. Dtsch Arztebl Int. 2019;116(13):224-234. doi:10.3238/arztebl.2019.0224
- 017-066l_S2k_Antibiotikatherapie_der_Infektionen_an_Kopf_und_Hals_2019-11_1.pdf. Accessed August 9, 2021. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/017-066l_S2k_Antibiotikatherapie_der_Infektionen_an_Kopf_und_Hals_2019-11_1.pdf
- Otitis Externa: Investigation and Evidence-Based Treatment (29.03.2019). Accessed August 9, 2021. https://www.aerzteblatt.de/int/archive/article/206313
Einzelnachweise
- ↑ Raza SA, Denholm SW, Wong JC. An audit of the management of acute otitis externa in an ENT casualty clinic. J Laryngol Otol. 1995;109(2):130-133. doi:10.1017/s0022215100129469
- ↑ Roland PS, Stroman DW. Microbiology of acute otitis externa. Laryngoscope. 2002;112(7 Pt 1):1166-1177. doi:10.1097/00005537-200207000-00005
- ↑ 1. Wiegand S, Berner R, Schneider A, Lundershausen E, Dietz A: Otitis externa—investigation and evidence-based treatment. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 224–34. DOI: 10.3238/arztebl.2019.0224