DGI:Geschlechtskrankheiten/Klinisches Bild/Epidemiologie: Difference between revisions
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Mit Ausnahme für HIV und Syphilis besteht in Deutschland keine Meldepflicht (nach den Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes). Epidemiologische Daten zu dem Vorkommen von STIs beruhen daher auf unterschiedlichen Quellen. {{Tooltip|text=Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzte 2016, dass jährlich weltweit etwa 376 Mio. neue Infektionen von vier behandelbaren STI bei 15-49-jährigen Personen auftreten, davon 127 Millionen durch Chlamydien, 87 Millionen durch Gonokokken, 6.3 Millionen durch Syphilis und 156 Millionen durch Trichomonas spp.)<ref | Mit Ausnahme für HIV und Syphilis besteht in Deutschland keine Meldepflicht (nach den Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes). Epidemiologische Daten zu dem Vorkommen von STIs beruhen daher auf unterschiedlichen Quellen. {{Tooltip|text=Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzte 2016, dass jährlich weltweit etwa 376 Mio. neue Infektionen von vier behandelbaren STI bei 15-49-jährigen Personen auftreten, davon 127 Millionen durch Chlamydien, 87 Millionen durch Gonokokken, 6.3 Millionen durch Syphilis und 156 Millionen durch Trichomonas spp.)<ref>RKI, Epidemiologisches Bulletin 3/10; 20-27</ref>. Mehr als 500 Millionen Menschen leben mit einer Herpes genitalis-Infektion und geschätzt 300 Millionen Frauen haben eine HPV-Infektion<ref>RKI, Epidemiologisches Bulletin 3/10; 20-27<br /></ref>.}} | ||
Dem ECDC wurden 2013 etwa 400.000 Chlamydien-, etwa 66.000 Gonokokken- und über 24.000 Syphilisinfektionen aus 26 Ländern übermittelt. {{Tooltip|text=Von den übermittelten Infektionen stammten bis zu 60% aus Großbritannien, während verschiedene zentral- und osteuropäische Länder nur vereinzelt Infektionen meldeten.}} Das ECDC geht daher von einer Untererfassung aus, da unter den EU-Mitgliedsstaaten weiterhin große Unterschiede in Teststrategien, Testmethoden und Surveillance bestehen. Eine zuverlässige Aussage zur wirklichen Situation in Europa kann anhand dieser Daten nicht getroffen werden <ref | Dem ECDC wurden 2013 etwa 400.000 Chlamydien-, etwa 66.000 Gonokokken- und über 24.000 Syphilisinfektionen aus 26 Ländern übermittelt. {{Tooltip|text=Von den übermittelten Infektionen stammten bis zu 60% aus Großbritannien, während verschiedene zentral- und osteuropäische Länder nur vereinzelt Infektionen meldeten.}} Das ECDC geht daher von einer Untererfassung aus, da unter den EU-Mitgliedsstaaten weiterhin große Unterschiede in Teststrategien, Testmethoden und Surveillance bestehen. Eine zuverlässige Aussage zur wirklichen Situation in Europa kann anhand dieser Daten nicht getroffen werden <ref>Bremer V, Dudareva-Vizule S, Buder S, An der Heiden M, Jansen K. [Sexually transmitted infections in Germany : The current epidemiological situation]. ''Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz''. 2017;60(9):948-957. doi:[https://doi.org/10.1007/s00103-017-2590-1 10.1007/s00103-017-2590-1]</ref> | ||
Die Epidemiologie unterscheidet sich auch in den einzelnen Risikogruppen. Gemäß Daten des RKI liegt bei MSM die allgemeine Prävalenz von STI bei 30%. Mycoplasma genitalium ist dabei der häufigste Erreger mit über 16% gefolgt von Chlamydia trachomatis (9.9%) und Neisseria gonorrhoe (8,9%)<ref>Jansen | Die Epidemiologie unterscheidet sich auch in den einzelnen Risikogruppen. Gemäß Daten des RKI liegt bei MSM die allgemeine Prävalenz von STI bei 30%. Mycoplasma genitalium ist dabei der häufigste Erreger mit über 16% gefolgt von Chlamydia trachomatis (9.9%) und Neisseria gonorrhoe (8,9%)<ref>Jansen K, Steffen G, Potthoff A, et al. STI in times of PrEP: high prevalence of chlamydia, gonorrhea, and mycoplasma at different anatomic sites in men who have sex with men in Germany. ''BMC Infect Dis''. 2020;20(1):110. doi:[https://doi.org/10.1186/s12879-020-4831-4 10.1186/s12879-020-4831-4]</ref>. | ||
Auffällig ist ein deutlicher Anstieg der Syphilis-Meldezahlen um 149% (zwischen 2009 und 2016). {{Tooltip|text=Mit 7889 gemeldeten Fällen wurde 2019 die bisherige Höchstzahl erreicht<span class="MsoCommentReference">[[#%20msocom%201|[FM1]]]</span> , wie das RKI im epidemiologischen Bulletin 49/2020 berichtet. Bundesweit lag die Syphilisinzidenz bei 8,5/100000 Einwohner. Die bundesweit höchsten Inzidenzen wurden in Berlin gemeldet (62,8-117,8).}} Die höchste Inzidenz weisen Männer zwischen 30 und 39 Jahren auf. Achtzig Prozent der Fälle wurden bei MSM diagnostiziert<ref | Auffällig ist ein deutlicher Anstieg der Syphilis-Meldezahlen um 149% (zwischen 2009 und 2016).{{Tooltip|text=Mit 7889 gemeldeten Fällen wurde 2019 die bisherige Höchstzahl erreicht<span class="MsoCommentReference">[[#%20msocom%201|[FM1]]]</span> , wie das RKI im epidemiologischen Bulletin 49/2020 berichtet. Bundesweit lag die Syphilisinzidenz bei 8,5/100000 Einwohner. Die bundesweit höchsten Inzidenzen wurden in Berlin gemeldet (62,8-117,8).}} | ||
Die höchste Inzidenz weisen Männer zwischen 30 und 39 Jahren auf. Achtzig Prozent der Fälle wurden bei MSM diagnostiziert<ref>Bremer V, Dudareva-Vizule S, Buder S, An der Heiden M, Jansen K. [Sexually transmitted infections in Germany : The current epidemiological situation]. ''Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz''. 2017;60(9):948-957. doi:[https://doi.org/10.1007/s00103-017-2590-1 10.1007/s00103-017-2590-1]</ref>.<br />Bei Frauen ist Chlamydia trachomatis der häufigste Erreger. Insgesamt sind 3,8% der Chlamydientests (Chlamydienscreening unter 25 Jahren und Schwangerschaft) bei Frauen positiv<ref>Jansen K, Steffen G, Potthoff A, et al. STI in times of PrEP: high prevalence of chlamydia, gonorrhea, and mycoplasma at different anatomic sites in men who have sex with men in Germany. ''BMC Infect Dis''. 2020;20(1):110. doi:[https://doi.org/10.1186/s12879-020-4831-4 10.1186/s12879-020-4831-4]</ref>. Die Infektionen verlaufen bei 80% der Frauen und 50% der Männer asymptomatisch und bleiben häufig unerkannt. Koinfektionen mit Gonokokken treten bei 15% der infizierten Männer auf<ref>Bremer V, Dudareva-Vizule S, Buder S, An der Heiden M, Jansen K. [Sexually transmitted infections in Germany : The current epidemiological situation]. ''Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz''. 2017;60(9):948-957. doi:[https://doi.org/10.1007/s00103-017-2590-1 10.1007/s00103-017-2590-1]</ref>. | |||
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Mit Ausnahme für HIV und Syphilis besteht in Deutschland keine Meldepflicht (nach den Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes). Epidemiologische Daten zu dem Vorkommen von STIs beruhen daher auf unterschiedlichen Quellen. ⓘ
Dem ECDC wurden 2013 etwa 400.000 Chlamydien-, etwa 66.000 Gonokokken- und über 24.000 Syphilisinfektionen aus 26 Ländern übermittelt. ⓘ Das ECDC geht daher von einer Untererfassung aus, da unter den EU-Mitgliedsstaaten weiterhin große Unterschiede in Teststrategien, Testmethoden und Surveillance bestehen. Eine zuverlässige Aussage zur wirklichen Situation in Europa kann anhand dieser Daten nicht getroffen werden [3]
Die Epidemiologie unterscheidet sich auch in den einzelnen Risikogruppen. Gemäß Daten des RKI liegt bei MSM die allgemeine Prävalenz von STI bei 30%. Mycoplasma genitalium ist dabei der häufigste Erreger mit über 16% gefolgt von Chlamydia trachomatis (9.9%) und Neisseria gonorrhoe (8,9%)[4].
Auffällig ist ein deutlicher Anstieg der Syphilis-Meldezahlen um 149% (zwischen 2009 und 2016).<abbr title="Mit 7889 gemeldeten Fällen wurde 2019 die bisherige Höchstzahl erreicht[FM1] , wie das RKI im epidemiologischen Bulletin 49/2020 berichtet. Bundesweit lag die Syphilisinzidenz bei 8,5/100000 Einwohner. Die bundesweit höchsten Inzidenzen wurden in Berlin gemeldet (62,8-117,8)." style="cursor:help; border-bottom:1px dotted #666; font-style:normal;">ⓘ
Die höchste Inzidenz weisen Männer zwischen 30 und 39 Jahren auf. Achtzig Prozent der Fälle wurden bei MSM diagnostiziert[5].
Bei Frauen ist Chlamydia trachomatis der häufigste Erreger. Insgesamt sind 3,8% der Chlamydientests (Chlamydienscreening unter 25 Jahren und Schwangerschaft) bei Frauen positiv[6]. Die Infektionen verlaufen bei 80% der Frauen und 50% der Männer asymptomatisch und bleiben häufig unerkannt. Koinfektionen mit Gonokokken treten bei 15% der infizierten Männer auf[7].
- ↑ RKI, Epidemiologisches Bulletin 3/10; 20-27
- ↑ RKI, Epidemiologisches Bulletin 3/10; 20-27
- ↑ Bremer V, Dudareva-Vizule S, Buder S, An der Heiden M, Jansen K. [Sexually transmitted infections in Germany : The current epidemiological situation]. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2017;60(9):948-957. doi:10.1007/s00103-017-2590-1
- ↑ Jansen K, Steffen G, Potthoff A, et al. STI in times of PrEP: high prevalence of chlamydia, gonorrhea, and mycoplasma at different anatomic sites in men who have sex with men in Germany. BMC Infect Dis. 2020;20(1):110. doi:10.1186/s12879-020-4831-4
- ↑ Bremer V, Dudareva-Vizule S, Buder S, An der Heiden M, Jansen K. [Sexually transmitted infections in Germany : The current epidemiological situation]. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2017;60(9):948-957. doi:10.1007/s00103-017-2590-1
- ↑ Jansen K, Steffen G, Potthoff A, et al. STI in times of PrEP: high prevalence of chlamydia, gonorrhea, and mycoplasma at different anatomic sites in men who have sex with men in Germany. BMC Infect Dis. 2020;20(1):110. doi:10.1186/s12879-020-4831-4
- ↑ Bremer V, Dudareva-Vizule S, Buder S, An der Heiden M, Jansen K. [Sexually transmitted infections in Germany : The current epidemiological situation]. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2017;60(9):948-957. doi:10.1007/s00103-017-2590-1