Kopf Hals Infektionen/Otitis media chronica: Difference between revisions
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| Kapitelinformationen | |
|---|---|
| Stand: | Juni 2021 |
| Kapitelleitung: | Masen Sueifan |
| Autor:innen: | Hanni Bartels |
| Reviewer:innen: | Klaus Pelz |
| Beteiligte Fachgesellschaften: | |
| Feedback: | Mitwirken |
Die Otitis media chronica stellt eine eigene Krankheitsentität dar. Man unterscheidet dabei die Otitis media chronica mesotympanalis, die sich meist auf Grund einer Tubenbelüftungsstörung entwickelt, von der Otitis media chronica epitympanalis, die typischerweise ein Cholesteatom aufweist.
Klinisches Bild
Otitis media chronica mesotympanalis
Die Otitis media chronica mesotympanalis ist charakterisiert durch einen zentralen Trommelfelldefekt und das Fehlen von Schmerzen. Zudem treten rezidivierende Otorrhöen und eine Schallleitungsschwerhörigkeit auf dem betroffenen Ohr auf.
Leitsymptome
- Rezidivierende schleimig, geruchlose Otorrhoe (bei akuter Exazerbation eitrig)
- Hörminderung
- Fehlen von Schmerzen
Epidemiologie
Die Prävalenz liegt bei ca. 2% der Erwachsenen
Prognose
- Nach stattgehabter Tympanoplastik günstig
- Sonst schubweiser Verlauf möglich
Otitis media chronica epitympanalis
Die Entstehung einer Otitis media chronica epitympanalis ist ebenfalls nicht vollständig geklärt. Unter einem Cholesteatom versteht man eine eitrige Entzündung des Trommelfels mit Knochendestruktion in den Mittelohrräumen. Ursache hierfür sind entweder von Geburt an vorhandene oder im Laufe des Lebens einwachsende verhornende Plattenepithelzellen.
Leitsymptome
- Progrediente Schalleitungsschwerhörigkeit
- Eventuell gefolgt von Innenohrschwerhörigkeit
- Tinnitus
Komplikationen
- Geschmacksstörungen auf der betroffenen Seite (Befall der Chorda tympani)
- Periphere Fazialisparese (ebenfalls auf der betroffenen Seite)
Epidemiologie[1],[2]
Daten aus Deutschland nicht verfügbar. Laut einer Studie aus Finnland:
- Kinder 3/100.000 pro Jahr
- Erwachsene 9/100.000 pro Jahr
Eine weltweite Studie ergab eine Inzidenz von 4,76%
Prognose
Potenziell sind folgende Komplikationen möglich
- Fazialisparese
- Zerstörung umliegender Strukturen wie Labyrinth, Bogengänge, Gehörknöchel
- Mastoiditis
- Labyrinthitis
- Cerebrale- und epidurale Abszesse
- Sinus sigmoideus Thrombose
- Meningitis
- Trotz OP ist eine Verbesserung des Hörens nicht immer gegeben
- Unter Umständen lebenslange Tauchunfähigkeit trotz OP
- Sepsis
Diagnostik
Otitis media chronica mesotympanalis
- Anamnese
- Otoskopie
- Zentraler Trommelfell-Defekt?
- Seröse oder eitrige Sekretion?
- Schleimhautpolypen?
- Tubenfunktionsprüfung durch Nasen-Rachen-Inspektion
- Weber-Versuch: Lateralisation ins betroffene Ohr
- Rinne-Versuch: Auf dem betroffenen Ohr negativ
- Schallleitungsschwerhörigkeit auf dem betroffenen Ohr
- Gleichgewichtsprüfung
- Mikrobiologische Untersuchung (Abstrich)
Otitis media chronica epitympanalis
- Anamnese
- Otoskopie
- Ohr ohne Otorrhoe
- Randständiger Trommelfell-Defekt?
- Cholesteatomperlen?
- Weißlich glänzende Retraktionstasche
- Ohr mit Otorrhoe
- Trommelfell-Defekt kann hinter Sekret liegen
- Trommelfell-Defekt kann durch Polypen verdeckt sein
- Ohr ohne Otorrhoe
- Tubenfunktionsprüfung durch Nasen-Rachen-Inspektion
- Weber-Versuch: Lateralisation ins betroffene Ohr
- Schallleitungsschwerhörigkeit auf dem betroffenen Ohr
- Gleichgewichtsprüfung
- Frenzel-Brille: Spontan- und Provokationsnystagmus
- Vestibularisprüfung: Ausfall oder Untererregbarkeit auf dem betroffenen Ohr
- Mikrobiologische Untersuchung (Abstrich)
- Bildgebung mittels CT oder MRT
- Meningismus?
- Prüfung N. fascialis
- Prüfung Chorda tympani
Differentialdiagnosen
- Otitis externa
- Traumatische Trommelfellperforation
- Felsenbeinfraktur
- Mittelohrkarzinom
Erreger
Otitis media chronica mesotympanalis
Grundsätzlich gilt die Ursache als nicht vollständig geklärt. Häufig ist es im Kindesalter zu rezidivierenden Mittelohrentzündungen gekommen. In diesem Fall stehen folgende Erreger im Blickpunkt:
- S. pneumoniae
- H. influenzae
- S. pyogenes
- M. catarrhalis
- Staph.aureus
Als weitere Ätiologie können folgende Ursachen in Betracht gezogen werden:
- Chronische Tubenfunktionsstörung
- Parazentese/Paukendrainage
- Traumatische Trommelfellruptur
Des Weiteren ist häufig ein nicht oder schlecht pneumatisiertes Mastoid vorhanden
Otitis media chronica epitympanalis
Bei Otorrhoe sind die häufigsten Erreger
- Pseudomonas aeruginosa
- Staph. aureus
- Proteus mirabilis
- Mischinfektionen
Therapie
Otitis media chronica mesotympanalis
Bei der Therapie können grundsätzlich zwei Wege eingeschlagen werden.
Konservativer Pfad
- Im infektfreien Intervall sollte ein Wassereintritt in das betroffene Ohr unbedingt vermieden werden
- Regelmäßige Gehörgangs Reinigung
- Bei fehlender OP-Indikation Versorgung mit einem Hörgerät
- Im akuten, sezernierenden Stadium
| Klinische Situation | Präferenz | Substanz | Dosierung | Dauer | Anpassungen | Kommentar |
|---|---|---|---|---|---|---|
|
Otitis media chronica mesotympanalis |
Therapie der Wahl | Lokaltherapie mit Ciprofloxacin Ohrtropfen | 2 x 3-4 Gtt. | 5 - 7 d | - | Gefahr von Pilzinfektionen bei längerer Anwendung |
| Zusätzlich | Antiseptikum | Natriumhypo-chlorid Spüllösung
1% oder 3% |
5 - 7 d | - | - |
Operativer Pfad
- Tympanoplastik (im infektfreien Intervall)
- Bei Kindern Adenotomie zur besseren Mittelohrbelüftung
- Bei Erwachsenen Conchotomie, Nasenseptumplastik
Otitis media chronica epitympanalis
Bei der Otitis media chronica epitympanalis besteht die Indikation zur chirurgischen Versorgung, da es zu Komplikationen wie Hörverlust kommen kann.
| Klinische Situation | Präferenz | Substanz | Dosierung | Dauer | Anpassungen | Kommentar |
|---|---|---|---|---|---|---|
|
Otitis media chronica epi- und mesotympanalis |
Therapie der Wahl | Lokaltherapie mit Ciprofloxacin Ohrtropfen | 2 x 3-4 Gtt. | 5 - 7 d | - | Gefahr von Pilzinfektionen bei längerer Anwendung |
| Zusätzlich | Antiseptikum | Natriumhypo-chlorid Spüllösung
1% oder 3% |
5 - 7 d | - | - |
Im Falle eine Exazerbation ist eine antibiotische Therapie indiziert.
| Klinische Situation | Präferenz | Substanz | Dosierung | Dauer | Anpassungen | Kommentar |
|---|---|---|---|---|---|---|
|
Otitis media chronica epi- und mesotympanalis |
Therapie der Wahl | Piperacillin/
Tazobactam |
3 x 4,5 g i.v. | 5 - 7 d | - | - |
| Alternativ | Ciprofloxacin | 2 x 500 mg p.o. | 5 - 7 d | - | - |
Quellen
- Kemppainen HO, Puhakka HJ, Laippala PJ, Sipilä MM, Manninen MP, Karma PH. Epidemiology and aetiology of middle ear cholesteatoma. Acta Otolaryngol. 1999;119(5):568-572. doi:10.1080/00016489950180801
- Monasta L, Ronfani L, Marchetti F, et al. Burden of disease caused by otitis media: systematic review and global estimates. PLoS One. 2012;7(4):e36226. doi:10.1371/journal.pone.0036226
- 017-074l_S2k_Chronisch-mesotympanale-Otitis-media_2020-11_01.pdf. Accessed August 9, 2021. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/017-074l_S2k_Chronisch-mesotympanale-Otitis-media_2020-11_01.pdf
Einzelnachweise
- ↑ Kemppainen HO, Puhakka HJ, Laippala PJ, Sipilä MM, Manninen MP, Karma PH. Epidemiology and aetiology of middle ear cholesteatoma. Acta Otolaryngol. 1999;119(5):568-572. doi:10.1080/00016489950180801
- ↑ Monasta L, Ronfani L, Marchetti F, et al. Burden of disease caused by otitis media: systematic review and global estimates. PLoS One. 2012;7(4):e36226. doi:10.1371/journal.pone.0036226