Geburtshilfliche Infektionen/Triple I
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| Kapitelinformationen | |
|---|---|
| Stand: | Februar 2022 |
| Kapitelleitung: | Masen Sueifan |
| Autor:innen: | Marzia Bonsignore, Sabine Mauruschat, Nathalie Pausner, Helmut Reinhold |
| Reviewer:innen: | Julia Jückstock |
| Beteiligte Fachgesellschaften: | |
| Feedback: | Mitwirken |
Der Begriff "Triple I" wurde auf einem internationalen Workshop als Ersatz für die bis dahin gebräuchlichen Bezeichnungen Amnioninfektionssyndrom und Chorioamnionitis beschlossen. Ziel war es, maternales Fieber von einer intrauterinen Infektion und/oder Inflammation zu unterscheiden. Dabei steht "Triple I" für "intrauterine Inflammation oder Infektion oder beidem". Häufigste Ursache für ein Triple I ist der (frühe) vorzeitige Blasensprung und die einhergehende aszendierende Infektion.
Klinisches Bild
Das klinische Bild ist geprägt durch ein Auffiebern der Patientin (siehe Tabelle Leitsymptome). Treten zudem entweder eine fetale Tachykardie, eine maternale Leukozytose oder ein purolenter Fluor auf, besteht der Verdacht auf ein Triple I. Gelingt der Nachweis einer Infektion im Fruchtwasser, der Plazenta, Eihäute oder der Nabelschnur, spricht man von einem bestätigten Triple I.
Leitsymptome
| Definition | |
|---|---|
| Maternales Fieber |
dann Wiederholung der Messung nach 30 min. wenn Temperatur > 38,0 °C, dann liegt ebenfalls maternales Fieber vor. |
| V.a. Triple I | Maternales Fieber unklarer Genese
plus mind. einer der Punkte:
2. Maternale Leukozytose > 15.000µg ohne Kortikosteoridgabe 3. Purulenter Fluor aus dem Zervikalkanal |
| Bestätigtes Triple I | V.a. Triple plus objektive Befunde einer Infektion:
|
Epidemiologie
Konkrete Zahlen aus Deutschland liegen nicht vor. Die Recherche hierzu wird erschwert durch die neue und alte Begriffsdefinition. Eine Untersuchung ergab für das Jahr 2008 in den USA 2,2 Millionen Lebendgeburten mit der Angabe einer Chorioamnionitis. Die Prävalenz wird mit 9,7/1000 Lebendgeburten angegeben, wobei die neonatale Mortalität bei 1,4/1000 Lebendgeburten lag. Im Vergleich lag diese unter den Kindern ohne eine Chorioamnionitis bei 0,81/1000 Lebendgeburten[1].
Prognose
Das Vorliegen eines Triple I ist ein Prädiktor für einige potenziell gefährliche Komplikationen:
- Neugeboreneninfektion
- Fetales Inflammatory Response Syndrom (FIRS)
- Sepsis der Mutter
- Frühgeburt
- Uterine Dysfunktion mit Gefahr eines Geburtsstillstands und/oder postpartaler Atonie
- Bei Sectio caesarea erhöhtes Risiko von
- Wundinfektion
- Endomyometritis
- Thrombophlebitis
Diagnostik
- Maßgeblich ist die Klinik
- Amniozentese (positive Gramfärbung, Glukosekonzentration < 14mg/dl, erhöhte Leukozytenzahl > 30/mm3,Interleukin-6-Bestimmung aus Fruchtwasser)
- Postpartale Histopathologie
Therapie
Bei Verdacht oder bestätigtem Triple I ist die Entbindung unter subpartaler Antibiotika Therapie indiziert:
frühzeitiger vorzeitiger Blasensprung (PPROM)
| Klinische Situation | Präferenz | Susbtanz | Dosierung | Dauer | Anpassungen | Kommentar |
|---|---|---|---|---|---|---|
| < 37. + 0 SSW | Therapie der Wahl
zusätzlich |
Azithromycin po
Ampicillin iv |
1 g
|
1x
|
| |
| ab Tag 3 | Amoxicillin | 500 mg | 5 d | keine ß-Laktamase Hemmer |
früher vorzeitiger Blasensprung (PPROM) bei bestätigter Penicillin Allergie
| Klinische Situation | Präferenz | Susbtanz | Dosierung | Dauer | Anpassungen | Kommentar |
|---|---|---|---|---|---|---|
| < 37. + 0 SSW | Therapie der Wahl
zusätzlich |
Azithromycin po
Clindamycin iv |
1 g
|
1x
|
||
| ab Tag 3 | Clindamycin po | 900 mg | 5 d |
vorzeitiger Blasensprung (PROM)
| Klinische Situation | Präferenz | Susbtanz | Dosierung | Dauer | Anpassungen | Kommentar |
|---|---|---|---|---|---|---|
| < 37. + 0 SSW | Therapie der Wahl | Cefuroxim iv | 1,5 g | bis zur Geburt |
vorzeitiger Blasensprung (PROM) bei gesicherter Penicillin Allergie
| Klinische Situation | Präferenz | Susbtanz | Dosierung | Dauer | Anpassungen | Kommentar |
|---|---|---|---|---|---|---|
| < 37. + 0 SSW | Therapie der Wahl | Clindamycin iv | 900 mg | bis zur Geburt |
Quellen
DGI:Geburtshilfliche Infektionen/Triple I/Quellen
- ↑ Malloy MH. Chorioamnionitis: epidemiology of newborn management and outcome United States 2008. J Perinatol. 2014 Aug;34(8):611-5. doi: 10.1038/jp.2014.81. Epub 2014 May 1. PMID: 24786381.