DGI:Durchfallerkrankungen

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Diarrhoen stellen ein häufiges Symptom in der ambulanten und stationären Versorgung dar. Die differentialdiagnostische Abgrenzung kann im Einzelfall schwierig sein. Nur in einem Teil der Fälle liegt ursächlich eine Infektion vor, die durch eine Vielzahl bakterieller, viraler und parasitärer Erreger bedingt sein kann. Das klinische Spektrum reicht von Befindlichkeitsstörungen bis hin zu lebensbedrohlichen Erkrankungen. Die einzusetzende Diagnostik und ggf. empirische Therapie werden maßgeblich vom klinischen Setting bestimmt.

Tabelle 2: Bakterien als Auslöser einer Diarrhoe

Bakterien
Erreger Inkubationszeit Klinische Symptomatik Komplikationen
Campylobacter spp. 2 - 5 Tage • Häufig Prodromi: Myalgie, Kopfschmerzen, Fieber

• Wässrige (später blutige) Durchfälle und Tenesmen

• Asymptomatische Verläufe häufig

• Dauer bis 7 Tage

• Reaktive Arthritis

• Guillain-Barré-Syndrom

• Myokarditis

• Protrahierte, disseminierte (insb. C. coli) und chronische Verläufe möglich bei Immunsuppression

Clostridioides difficile Antibiotika-assoziiert (bis zu 4 Wo. nach Absetzen) • Variable Symptomatik

• Diarrhoen (blutig bis wässrig, übelriechend)

• Pseudomembranöse Kolitis

• Risiko je nach Antibiotikatherapie: Anzahl der Antibiotika und Therapiedauer, Wahl des Antibiotikums (insb. Clindamycin, Fluorchinolone, Cephalosporine ab der 2. Generation)

• Weitere Risikofaktoren: PPI/H2-Blocker, Alter, Hospitalisierungen, Gemeinschaftseinrichtung, abdominelle Chirurgie, Nasensonde, Begleiterkrankungen

• Toxisches Megakolon

• Rezidive

Enteritis-Salmonellen (nicht typhöse Salmonellen) 12 - 26 h • Wässrige Diarrhoe, Brechreiz (Erbrechen) und Fieber (38°-39°C)

• Dauer 4-10 Tage

• Septische Absiedelungen (5%)

• Reaktive Arthritis

• Dauerausscheider (>4 Wochen): <1%

Salmonella typhi/paratyphi

(Typhus)

10 - 21 Tage • Keine klassische Durchfallerkrankung

• Kopf-/ Gliederschmerzen

• 1. Krankheitswoche: staffelförmig ansteigendes hohes Fieber (bis Kontinua) mit Bewusstseinstrübung (ca. 7-14 Tage), Leukopenie, relative Bradykardie

• 2.-3. Krankheitswoche Organmanifestation: Splenomegalie, Typhome, Haut-Roseolen (septische Embolien), Obstipation, breiige Durchfälle

• Darmperforation

• Peritonitis

• Tod (<1%)

• Dauerausscheider (>1 Jahr): 5% (erhöhtes Risiko für Gallenblasenkarzinom)

Yersinia enterocolitica

Yersinia pseudotuberculosis

(selten)

4 - 7 Tage • Subakuter Verlauf

• breiige Durchfälle, Fieber, Bauchschmerzen

• selten Erbrechen

• Pseudoappendizitis (10.-30. LJ)

• Dauer: wenige Tage bis max. 2 Wochen

• Sepsis

• Nach wenigen Tagen bis zu 1 Monat: reaktive Arthritis, Erythema nodosum, Myokarditis (unabhängig von Antibiotikagabe)

Enteroinvasive E.coli

(EIEC)

12 - 96 h • Wässrige Diarrhoe bis hin zu blutig-eitriger Diarrhoe mit Fieber, Tenesmen, Koliken (Shigellenruhr)

• Kopfschmerzen

• Allgemeinsymptome

• Dauer: ca. 7 Tage

Selten:

• Kolonblutung

• Kolonperforation

• HUS

• reaktive Arthritis

Enterohämorrhargische E. coli (EHEC) 3 - 4 Tage • Übelkeit, Erbrechen

• Diarrhoe, häufig blutig (10-20%)

• Bauchschmerzen

• Dauer ca. 7 Tage

• V.a. bei Säuglingen, Kleinkindern, älteren Patienten und Immunsupprimierten

• HUS (6-9%): nach 5-10 Tagen, insb. bei Kindern
Enteropathogene E. coli (EPEC) 12 h - 6 Tage • Säuglingsenteritis: meist < 6. LM

• Erbrechen

• Wässrige bis breiige Diarrhoe

Enterotoxinogene E. coli (ETEC) 24 h • Reisediarrhoe: Mexiko, sub-Sahara Afrika, Südasien

• Übelkeit, selten Erbrechen und wässrige Diarrhoe

• Dauer: 1-5 Tage

Enteroaggregative E. coli (EAEC) • Diarrhoe bei Kindern, Erwachsenen, Reiserückkehrern und HIV-Patienten

• Dauer im Mittel 3 Tage

• Auch asymptomatische Verläufe

Toxinbildende O1/0139-positive Vibrio cholerae • Stunden bis wenige Tage • Hauptsächlich Südostasien, Südamerika, West- und Zentralafrika in Zusammenhang mit mangelhaften hygienischen Zuständen

• Akut, reiswasserartige Durchfälle (bis zu 20 Liter pro Tag!)

• Asymptomatische Verläufe beschrieben

• Dauer: ca. 5 Tage

• Metabolische Azidose

• Elektrolytstörungen, insb. Hypokaliämie

• Hypoglykämie

• Volumenmangelschock

Aeromonas spp. • Insb. im Sommer nach Wasserkontakt

• Wässrige Diarrhoe, meist selbstlimitierend

• Ggf. Fieber, Bauchschmerzen, Hämatochezie

• HUS

• Selten Sepsis (insb. bei Immunsuppression)

Weitere bakterielle Toxinbildner (C. perfringens, S. aureus, B. cereus) • 0,5-16 h nach Nahrungs-Aufnahme • Diarrhoe und Bauchschmerzen

• Ggf. Erbrechen

• Dauer 12-24 h

• C. perfringens: Nekrotisierende Colitis

Tabelle 3: Viren als Auslöser einer Diarrhoe

Viren
Erreger Inkubationszeit Klinische Symptomatik Komplikationen
Norovirus 6 - 50 h • Akuter Verlauf

• Übelkeit, schwallartiges Erbrechen

• Abdominelle Krämpfe

• Starke Diarrhoe

• Kopf- und Muskelschmerzen

• Fieber

• Dauer: 2-3 Tage

• Chronische Verläufe bei Immunsuppression
Rotavirus 1 - 3 Tage • Insbesondere Säuglinge und Kleinkinder

• Diarrhoe, Erbrechen, Fieber

• Dauer: 4-7 Tage

• Chronische Verläufe bei Immunsuppression
Adenoviren

(insb. Typ 40 und 41)

Bis 12 Tage • Wässrige Diarrhoe

• Fieber

• Erbrechen

• Dauer 8-12 Tage

•weitere Organbeteiligung bei Immunsuppression
Astroviren 2 - 4 Tage • Diarrhoe, Bauchschmerzen

• Allgemeinsymptome mit erhöhter Temperatur

• Übelkeit, ggf. Erbrechen

• Eher milder als Noro-/Rotavirus

• Dauer bis 5 Tage

Tabelle 4: Protozoen als Auslöser einer Diarrhoe

Protozoen / eukaryontische Einzeller
Erreger Inkubationszeit Klinische Situationen Komplikationen
Giardia lamblia 2 - 10 Tage • Akute, wässrige-schleimige übel-riechende, entfärbte, voluminöse Diarrhoe

• Oberbauchschmerzen, Magenkrämpfe, Meteorismus

• Dauer sehr unterschiedlich

• Auch asymptomatische Verläufe

• Intermittierende Laktose-Intoleranz (20-40%)

• Chronisch-rezidivierende Verläufe mit Malabsorption und Gewichtsverlust

Entamoeba histolytica Wochen bis Monate • Asymptomatische Verläufe (häufig)

• Breiige, später blutige Durchfälle, krampfartige Bauchschmerzen, Gewichtsverlust, Fieber

• Toxisches Megakolon

• Nekrotisierende Kolitis

• Septische Absiedlungen, insb. Amöben-Leberabszess / Amoebom (Monate bis Jahre nach Infektion)

Cryptosporidien 2 - 14 Tage • Wässrige/schleimige Diarrhoe,

• Oft mild bis asymptomatisch

• Schwere Verläufe bei Kindern und Immunsupprimierten

• Dauer meist 5-14 Tage

• Cholangitis

• Rezidive

Mikrosporidien • Wässrige Diarrhoe mit Gewichtsverlust

• Insb. bei Kindern und Immunsupprimierten

• Chronischer Verlauf, bis Jahre

• Cholangitis, Cholezystitis
Cyclospora (z.B. C. cayatenensis) 1 - 11 Tage • Wässrige Diarrhoe

• Grippale Allgemeinsymptome

• Dauer 1-7 Wochen

• Insb. Immunsupprimierte und ältere Patienten

• Chronische Verläufe, Rezidive

• Bei Immunsuppression: Hämatochezie, Cholangitis, Dissemination, reaktive Arthritis

Cystoisospora 1 Woche • Wässrige Diarrhoe, Bauchschmerzen

• Allgemeinsymptome

• Dauer 2-3 Wochen

• Assoziiert mit Eosinophilie

Tabelle 5: Helminthen als Auslöser einer Diarrhoe

Helminthen
Erreger Inkubationszeit Klinische Symptomatik Komplikationen
Strongyloides stercoralis 2 - 10 Tage • Oft asymptomatisch

• Oberbauchschmerzen

• Übelkeit, Erbrechen

• Chronische wässrige Diarrhoe, ggf. im Wechsel mit Obstipation

• Bei chronischer Infektion: rekurrente Larva currens (lokale filiforme Dermatitis)

Insb. bei Immunsuppression:

• Generalisierung / Hyperinfektionssyndrom

Weitere Helminthen (z.B. T. trichuria, A. duodenale, S. mansoni, A. lumbricoides) Monate bis Jahre • I.d.R. asymptomatisch, ansonsten mild

• Bauchschmerzen, Diarrhoe, Malabsorption

• Übelkeit

• Chronische Verläufe mit AZ-Reduktion, ggf. Anämie

Anmerkung der Redaktion

Infektionsschutz


• Isolation bis 48 h durchfallfrei!

• C. difficile: Nachweis meldepflichtig nach § 6 IFSG, wenn eine schwere Infektion nach einem der folgenden Kriterien vorliegt: Stationäre Aufnahme ODER Verlegung auf die Intensivstation aufgrund der Infektion, Chirurgischer Eingriff aufgrund der Infektion, Tod innerhalb von 30d nach Beginn der Infektion und vermutetes Beitragen der Infektion zum Versterben

• Cholera: Nachweis meldepflichtig nach §7 IFSG (erfolgt durch Labor). Der Krankheitsverdacht sowie die Erkrankung an Cholera und der Tod sind nach §6 IFSG namentlich zu melden

• Sonstige virale und bakterielle Gastroenteritiden: Nachweis meldepflichtig nach §7 IFSG (erfolgt durch Labor) und nach § 6 IFSG durch behandelnden Kliniker, wenn der Patient Umgang mit Lebensmittel hat und/ODER zwei ODER mehr Fälle auftreten

• HUS: meldepflichtig durch Kliniker nach § 6 IFSG