DGI:Durchfallerkrankungen
Diarrhoen stellen ein häufiges Symptom in der ambulanten und stationären Versorgung dar. Die differentialdiagnostische Abgrenzung kann im Einzelfall schwierig sein. Nur in einem Teil der Fälle liegt ursächlich eine Infektion vor, die durch eine Vielzahl bakterieller, viraler und parasitärer Erreger bedingt sein kann. Das klinische Spektrum reicht von Befindlichkeitsstörungen bis hin zu lebensbedrohlichen Erkrankungen. Die einzusetzende Diagnostik und ggf. empirische Therapie werden maßgeblich vom klinischen Setting bestimmt.
Klinisches Bild
Klinische Situationen
Weltweit:
- Ca. 500 Millionen Fälle pro Jahr
- Ca. 1.2 Millionen Todesfälle pro Jahr (insb. Kleinkinder)
Akute Diarrhoe in Deutschland (2022):
- Ca. 130.000 gemeldete Fälle (hohe Dunkelziffer)
- Stationäre Aufnahme bei ca. 1/400 Patient:innen
- Todesfälle ca. 3/100.000
- Erregernachweise (RKI):
- 55% viral (insb. Norovirus, auch Rotavirus)
- 45% bakteriell (insb. Campylobacter, auch Salmonellen)
- ca. 10% parasitär (Giardia, Kryptosporidien)
Reisediarrhoe:
- Häufigste Reiseerkrankung (bis 60% der Reisenden)
- Erreger:
- Meist ETEC (bis 70%)
- Je 5-15% andere E. coli, Salmonellen, Campylobacter, Shigellen
- 5-10 % Protozoen
- 5-10% Viren (Rota-, Norovirus)
Leitsymptome
Akute Diarrhoe: ≥3 ungeformte Stuhlgänge innerhalb von 24h
Chronische Diarrhoe: Diarrhoe ≥3 ungeformte Stuhlgänge > 4 Wochen
| Begleitsymptome | Warnsymptome |
|---|---|
|
|
CAVE: Warnsymptome bei Durchfallerkrankungen sind:
- Hämatochezie
- Nächtliche Diarrhoe
- Gewichtsverlust
- Exsikkose / Hypotonie
- Verwirrung
- Fieber
- Abdominelle Schmerzen
Epidemiologie
DGI:Durchfallerkrankungen/Klinisches Bild/Epidemiologie
Prognose
- Akute unkomplizierte Diarrhoe: sehr gute Prognose
- Ansonsten je nach Verlauf und Komplikationen
- Risikofaktoren für komplizierten Verlauf: Immunsuppression, sehr junges oder hohes Alter, Multimorbidität
Diagnostik
Anamnese, insb. mit Hinblick auf Warnsymptome (s.o.)
- Symptomatik und Dauer
- Flüssigkeitsaufnahme und -ausscheidung
- Vorerkrankungen und Medikamente, insb. Immunsuppression und stattgehabte Antibiosen
- Reiseanamnese
- Umgebungs- und Berufsanamnese (Kita/Pflegeheim o.Ä., Arbeit mit Lebensmitteln, weitere Fälle ähnlichen Symptomen oder gleichem Erreger, Tierkontakte)
- Zeitlicher Zusammenhang mit Nahrungsaufnahmen (Infektion vs. Intoxikation)
Körperliche Untersuchung
- Vitalparameter
- Abdomenstatus inkl. Peritonismus-Zeichen
- Weitere körperliche Untersuchung inkl. Herz, Lunge, orientierend neurologisch
(Zeichen systemischer Beteiligung?)
Ausreichend bei akutem, unkompliziertem Verlauf und fehlenden Warnsymptomen/ Risikofaktoren
Weitere Diagnostik bei:
- Hämatochezie
- Immunsuppression
- Chronischer Diarrhoe (>14 Tage)
- Beschäftigung im Lebensmittelbereich / in Gemeinschaftseinrichtungen
- Nosokomialer Diarrhoe (>72h nach Aufnahme)
- Stattgehabter Antibiotikaeinnahme (<3 Mo. Zurück)
- Schweren Vorerkrankungen (z.B. Niereninsuffizienz, Herzinsuffizienz)
- Epidemiologische Häufung (V.a. Ausbruch)
Labordiagnostik bei Warnsymptomen/ Risikofaktoren:
Stuhldiagnostik mittels Inspektion (blutig, nicht-blutig, Beschaffenheit), ggf. Blutentnahme: insb. Blutbild, Elektrolyte, Retentionsparameter, CRP bei klinisch schwerem Verlauf und Blutkulturen bei Fieber. Ein Überblick über die im Regelfall initial abzuklärenden Erreger gibt Tabelle 5. Bzgl. der, für die Stuhldiagnostik zu verwendenden Tests besteht aktuell ein ausgeprägter Trend weg von der Kultur/Mikroskope und hin zur PCR. Je nach lokalem Standard können dementsprechend unterschiedliche diagnostische Ansätze zur Anwendung kommen (s.Tabelle 1).
Präanalytik:
Für die mikrobiologischen Diagnostik sind primär Stuhlproben geeignet, Abstriche nur in Ausnahmefällen. Bei der Probengewinnung ist auf ein Einhalten der Hygienemaßnahmen zu achten. Kontaminationen z.B. mit Toilettenspülwasser oder anderen sanitären Oberflächen sollte vermieden werden. Stationär ist eine Abnahme aus einem sauberen Gefäß möglich. Ambulante Patienten können den Stuhlgang ebenfalls in der Toilette mit geeigneten Materialen abfangen und eine Probe davon entnehmen.
Für die mikrobiologische Diagnostik genügt eine mit dem Löffelchen des Stuhltransportröhrchens gewonnen erbsengoße Stuhlprobe. Sollten zusätzlich auch noch parasitologische und / oder virologische (z.B. Antigenbestimmung) Untersuchungen angefordert werden, bietet es sich an die doppelte Menge oder mehrere Proben einzuschicken.
Der Transport der Stuhlproben in das Labor sollte im Idealfall nicht länger als 4 Std betragen. Bei einem längeren Zeitraum empfiehlt sich die Kühlung der Proben auf etwa 3 – 4°. Virologische Proben können unter Umständen auch nach längerer kühler Lagerung verarbeitet werden. Parasitologische Untersuchungen sollten möglichst an 3 unabhängigen Proben durchgeführt werden. Basisdiagnostik Tabelle 1:
| Situation | Erregerdiagnostik |
|---|---|
| Im Krankenhaus erworbene Diarrhoe (> 72 h nach Hospitalisierung) | Initiale Abklärung:
Erweiterte Abklärung:
|
| Ambulant erworbene Diarrhoe (< 72 h nach Hospitalisierung) | Initiale Abklärung:
Erweiterte Abklärung:
|
| Reise-/Migrationsanamnese UND Diarrhoe > 5 Tage / Hämatochezie / schwerer Verlauf / Gruppenerkrankung |
|
Zusätzlich:
- Bei Beschäftigung / Unterbringung in Gemeinschaftseinrichtungen, Kindern: Virologie-PCR (Noro-, Adeno-, Rotaviren)
- Bei Nachweis von Salmonellen (Gefahr septischer Absiedelung):
- Blutkulturen (bis negativ)
- Abdomensonographie
Differentialdiagnostik
- Nahrungsmittelunverträglichkeiten/Allergien (u.U. postinfektiös, insb. Laktoseintoleranz)
- Genussmittel, z.B. Alkohol, Koffein, Nikotin
- Paradoxe Diarrhoe (CAVE Malignome)
- Pseudodiarrhoe (erhöhte Stuhlfrequenz bei normaler Konsistenz und Menge)
- Medikamentös: Laxantienabusus, Medikamentennebenwirkung
- Kolitis anderer Genese (chronisch entzündlich, ischämisch)
- Endokrin (z.B. Hyperthyreose, Serotonin-Syndrom)
- Zoeliakie
- Pankreasinsuffizienz
- Nicht-infektiöse Intoxikation (z.B. Histamin, Schwermetalle, Pilze, Schalentiere)
Diagnosekriterien
Anamnese, insb. mit Hinblick auf Warnsymptome (s.o.)
- Symptomatik und Dauer
- Flüssigkeitsaufnahme und -ausscheidung
- Vorerkrankungen und Medikamente, insb. Immunsuppression und stattgehabte Antibiosen
- Reiseanamnese
- Umgebungs- und Berufsanamnese (Kita/Pflegeheim o.Ä., Arbeit mit Lebensmitteln, weitere Fälle ähnlichen Symptomen oder gleichem Erreger, Tierkontakte)
- Zeitlicher Zusammenhang mit Nahrungsaufnahmen (Infektion vs. Intoxikation)
Körperliche Untersuchung
- Vitalparameter
- Abdomenstatus inkl. Peritonismus-Zeichen
- Weitere körperliche Untersuchung inkl. Herz, Lunge, orientierend neurologisch
(Zeichen systemischer Beteiligung?)
Ausreichend bei akutem, unkompliziertem Verlauf und fehlenden Warnsymptomen/ Risikofaktoren
Weitere Diagnostik bei:
- Hämatochezie
- Immunsuppression
- Chronischer Diarrhoe (>14 Tage)
- Beschäftigung im Lebensmittelbereich / in Gemeinschaftseinrichtungen
- Nosokomialer Diarrhoe (>72h nach Aufnahme)
- Stattgehabter Antibiotikaeinnahme (<3 Mo. Zurück)
- Schweren Vorerkrankungen (z.B. Niereninsuffizienz, Herzinsuffizienz)
- Epidemiologische Häufung (V.a. Ausbruch)
Labordiagnostik bei Warnsymptomen/ Risikofaktoren:
Stuhldiagnostik mittels Inspektion (blutig, nicht-blutig, Beschaffenheit), ggf. Blutentnahme: insb. Blutbild, Elektrolyte, Retentionsparameter, CRP bei klinisch schwerem Verlauf und Blutkulturen bei Fieber. Ein Überblick über die im Regelfall initial abzuklärenden Erreger gibt Tabelle 5. Bzgl. der, für die Stuhldiagnostik zu verwendenden Tests besteht aktuell ein ausgeprägter Trend weg von der Kultur/Mikroskope und hin zur PCR. Je nach lokalem Standard können dementsprechend unterschiedliche diagnostische Ansätze zur Anwendung kommen (s.Tabelle 1).
Präanalytik:
Für die mikrobiologischen Diagnostik sind primär Stuhlproben geeignet, Abstriche nur in Ausnahmefällen. Bei der Probengewinnung ist auf ein Einhalten der Hygienemaßnahmen zu achten. Kontaminationen z.B. mit Toilettenspülwasser oder anderen sanitären Oberflächen sollte vermieden werden. Stationär ist eine Abnahme aus einem sauberen Gefäß möglich. Ambulante Patienten können den Stuhlgang ebenfalls in der Toilette mit geeigneten Materialen abfangen und eine Probe davon entnehmen.
Für die mikrobiologische Diagnostik genügt eine mit dem Löffelchen des Stuhltransportröhrchens gewonnen erbsengoße Stuhlprobe. Sollten zusätzlich auch noch parasitologische und / oder virologische (z.B. Antigenbestimmung) Untersuchungen angefordert werden, bietet es sich an die doppelte Menge oder mehrere Proben einzuschicken.
Der Transport der Stuhlproben in das Labor sollte im Idealfall nicht länger als 4 Std betragen. Bei einem längeren Zeitraum empfiehlt sich die Kühlung der Proben auf etwa 3 – 4°. Virologische Proben können unter Umständen auch nach längerer kühler Lagerung verarbeitet werden. Parasitologische Untersuchungen sollten möglichst an 3 unabhängigen Proben durchgeführt werden.
Diagnostische Schritte
Basisdiagnostik Tabelle 1:
| Situation | Erregerdiagnostik |
|---|---|
| Im Krankenhaus erworbene Diarrhoe (> 72 h nach Hospitalisierung) | Initiale Abklärung:
Erweiterte Abklärung:
|
| Ambulant erworbene Diarrhoe (< 72 h nach Hospitalisierung) | Initiale Abklärung:
Erweiterte Abklärung:
|
| Reise-/Migrationsanamnese UND Diarrhoe > 5 Tage / Hämatochezie / schwerer Verlauf / Gruppenerkrankung |
|
Zusätzlich:
- Bei Beschäftigung / Unterbringung in Gemeinschaftseinrichtungen, Kindern: Virologie-PCR (Noro-, Adeno-, Rotaviren)
- Bei Nachweis von Salmonellen (Gefahr septischer Absiedelung):
- Blutkulturen (bis negativ)
- Abdomensonographie
Differentialdiagnosen
DGI:Durchfallerkrankungen/Diagnostik/Differentialdiagnosen
Erreger
Tabelle 2: Bakterien als Auslöser einer Diarrhoe
| Bakterien | |||
|---|---|---|---|
| Erreger | Inkubationszeit | Klinische Symptomatik | Komplikationen |
| Campylobacter spp. | 2 - 5 Tage | • Häufig Prodromi: Myalgie, Kopfschmerzen, Fieber
• Wässrige (später blutige) Durchfälle und Tenesmen • Asymptomatische Verläufe häufig • Dauer bis 7 Tage |
• Reaktive Arthritis
• Guillain-Barré-Syndrom • Myokarditis • Protrahierte, disseminierte (insb. C. coli) und chronische Verläufe möglich bei Immunsuppression |
| Clostridioides difficile | Antibiotika-assoziiert (bis zu 4 Wo. nach Absetzen) | • Variable Symptomatik
• Diarrhoen (blutig bis wässrig, übelriechend) • Pseudomembranöse Kolitis • Risiko je nach Antibiotikatherapie: Anzahl der Antibiotika und Therapiedauer, Wahl des Antibiotikums (insb. Clindamycin, Fluorchinolone, Cephalosporine ab der 2. Generation) • Weitere Risikofaktoren: PPI/H2-Blocker, Alter, Hospitalisierungen, Gemeinschaftseinrichtung, abdominelle Chirurgie, Nasensonde, Begleiterkrankungen |
• Toxisches Megakolon
• Rezidive |
| Enteritis-Salmonellen (nicht typhöse Salmonellen) | 12 - 26 h | • Wässrige Diarrhoe, Brechreiz (Erbrechen) und Fieber (38°-39°C)
• Dauer 4-10 Tage |
• Septische Absiedelungen (5%)
• Reaktive Arthritis • Dauerausscheider (>4 Wochen): <1% |
| Salmonella typhi/paratyphi
(Typhus) |
10 - 21 Tage | • Keine klassische Durchfallerkrankung
• Kopf-/ Gliederschmerzen • 1. Krankheitswoche: staffelförmig ansteigendes hohes Fieber (bis Kontinua) mit Bewusstseinstrübung (ca. 7-14 Tage), Leukopenie, relative Bradykardie • 2.-3. Krankheitswoche Organmanifestation: Splenomegalie, Typhome, Haut-Roseolen (septische Embolien), Obstipation, breiige Durchfälle |
• Darmperforation
• Peritonitis • Tod (<1%) • Dauerausscheider (>1 Jahr): 5% (erhöhtes Risiko für Gallenblasenkarzinom) |
| Yersinia enterocolitica
Yersinia pseudotuberculosis (selten) |
4 - 7 Tage | • Subakuter Verlauf
• breiige Durchfälle, Fieber, Bauchschmerzen • selten Erbrechen • Pseudoappendizitis (10.-30. LJ) • Dauer: wenige Tage bis max. 2 Wochen |
• Sepsis
• Nach wenigen Tagen bis zu 1 Monat: reaktive Arthritis, Erythema nodosum, Myokarditis (unabhängig von Antibiotikagabe) |
| Enteroinvasive E.coli
(EIEC) |
12 - 96 h | • Wässrige Diarrhoe bis hin zu blutig-eitriger Diarrhoe mit Fieber, Tenesmen, Koliken (Shigellenruhr)
• Kopfschmerzen • Allgemeinsymptome • Dauer: ca. 7 Tage |
Selten:
• Kolonblutung • Kolonperforation • HUS • reaktive Arthritis |
| Enterohämorrhargische E. coli (EHEC) | 3 - 4 Tage | • Übelkeit, Erbrechen
• Diarrhoe, häufig blutig (10-20%) • Bauchschmerzen • Dauer ca. 7 Tage • V.a. bei Säuglingen, Kleinkindern, älteren Patienten und Immunsupprimierten |
• HUS (6-9%): nach 5-10 Tagen, insb. bei Kindern |
| Enteropathogene E. coli (EPEC) | 12 h - 6 Tage | • Säuglingsenteritis: meist < 6. LM
• Erbrechen • Wässrige bis breiige Diarrhoe |
|
| Enterotoxinogene E. coli (ETEC) | 24 h | • Reisediarrhoe: Mexiko, sub-Sahara Afrika, Südasien
• Übelkeit, selten Erbrechen und wässrige Diarrhoe • Dauer: 1-5 Tage |
|
| Enteroaggregative E. coli (EAEC) | • Diarrhoe bei Kindern, Erwachsenen, Reiserückkehrern und HIV-Patienten
• Dauer im Mittel 3 Tage • Auch asymptomatische Verläufe |
||
| Toxinbildende O1/0139-positive Vibrio cholerae | • Stunden bis wenige Tage | • Hauptsächlich Südostasien, Südamerika, West- und Zentralafrika in Zusammenhang mit mangelhaften hygienischen Zuständen
• Akut, reiswasserartige Durchfälle (bis zu 20 Liter pro Tag!) • Asymptomatische Verläufe beschrieben • Dauer: ca. 5 Tage |
• Metabolische Azidose
• Elektrolytstörungen, insb. Hypokaliämie • Hypoglykämie • Volumenmangelschock |
| Aeromonas spp. | • Insb. im Sommer nach Wasserkontakt
• Wässrige Diarrhoe, meist selbstlimitierend • Ggf. Fieber, Bauchschmerzen, Hämatochezie |
• HUS
• Selten Sepsis (insb. bei Immunsuppression) | |
| Weitere bakterielle Toxinbildner (C. perfringens, S. aureus, B. cereus) | • 0,5-16 h nach Nahrungs-Aufnahme | • Diarrhoe und Bauchschmerzen
• Ggf. Erbrechen • Dauer 12-24 h |
• C. perfringens: Nekrotisierende Colitis |
Tabelle 3: Viren als Auslöser einer Diarrhoe
| Viren | |||
|---|---|---|---|
| Erreger | Inkubationszeit | Klinische Symptomatik | Komplikationen |
| Norovirus | 6 - 50 h | • Akuter Verlauf
• Übelkeit, schwallartiges Erbrechen • Abdominelle Krämpfe • Starke Diarrhoe • Kopf- und Muskelschmerzen • Fieber • Dauer: 2-3 Tage |
• Chronische Verläufe bei Immunsuppression |
| Rotavirus | 1 - 3 Tage | • Insbesondere Säuglinge und Kleinkinder
• Diarrhoe, Erbrechen, Fieber • Dauer: 4-7 Tage |
• Chronische Verläufe bei Immunsuppression |
| Adenoviren
(insb. Typ 40 und 41) |
Bis 12 Tage | • Wässrige Diarrhoe
• Fieber • Erbrechen • Dauer 8-12 Tage |
•weitere Organbeteiligung bei Immunsuppression |
| Astroviren | 2 - 4 Tage | • Diarrhoe, Bauchschmerzen
• Allgemeinsymptome mit erhöhter Temperatur • Übelkeit, ggf. Erbrechen • Eher milder als Noro-/Rotavirus • Dauer bis 5 Tage |
|
Tabelle 4: Protozoen als Auslöser einer Diarrhoe
| Protozoen / eukaryontische Einzeller | |||
|---|---|---|---|
| Erreger | Inkubationszeit | Klinische Situationen | Komplikationen |
| Giardia lamblia | 2 - 10 Tage | • Akute, wässrige-schleimige übel-riechende, entfärbte, voluminöse Diarrhoe
• Oberbauchschmerzen, Magenkrämpfe, Meteorismus • Dauer sehr unterschiedlich • Auch asymptomatische Verläufe |
• Intermittierende Laktose-Intoleranz (20-40%)
• Chronisch-rezidivierende Verläufe mit Malabsorption und Gewichtsverlust |
| Entamoeba histolytica | Wochen bis Monate | • Asymptomatische Verläufe (häufig)
• Breiige, später blutige Durchfälle, krampfartige Bauchschmerzen, Gewichtsverlust, Fieber |
• Toxisches Megakolon
• Nekrotisierende Kolitis • Septische Absiedlungen, insb. Amöben-Leberabszess / Amoebom (Monate bis Jahre nach Infektion) |
| Cryptosporidien | 2 - 14 Tage | • Wässrige/schleimige Diarrhoe,
• Oft mild bis asymptomatisch • Schwere Verläufe bei Kindern und Immunsupprimierten • Dauer meist 5-14 Tage |
• Cholangitis
• Rezidive |
| Mikrosporidien | • Wässrige Diarrhoe mit Gewichtsverlust
• Insb. bei Kindern und Immunsupprimierten • Chronischer Verlauf, bis Jahre |
• Cholangitis, Cholezystitis | |
| Cyclospora (z.B. C. cayatenensis) | 1 - 11 Tage | • Wässrige Diarrhoe
• Grippale Allgemeinsymptome • Dauer 1-7 Wochen • Insb. Immunsupprimierte und ältere Patienten |
• Chronische Verläufe, Rezidive
• Bei Immunsuppression: Hämatochezie, Cholangitis, Dissemination, reaktive Arthritis |
| Cystoisospora | 1 Woche | • Wässrige Diarrhoe, Bauchschmerzen
• Allgemeinsymptome • Dauer 2-3 Wochen • Assoziiert mit Eosinophilie |
|
Tabelle 5: Helminthen als Auslöser einer Diarrhoe
| Helminthen | |||
|---|---|---|---|
| Erreger | Inkubationszeit | Klinische Symptomatik | Komplikationen |
| Strongyloides stercoralis | 2 - 10 Tage | • Oft asymptomatisch
• Oberbauchschmerzen • Übelkeit, Erbrechen • Chronische wässrige Diarrhoe, ggf. im Wechsel mit Obstipation • Bei chronischer Infektion: rekurrente Larva currens (lokale filiforme Dermatitis) |
Insb. bei Immunsuppression:
• Generalisierung / Hyperinfektionssyndrom |
| Weitere Helminthen (z.B. T. trichuria, A. duodenale, S. mansoni, A. lumbricoides) | Monate bis Jahre | • I.d.R. asymptomatisch, ansonsten mild
• Bauchschmerzen, Diarrhoe, Malabsorption • Übelkeit |
• Chronische Verläufe mit AZ-Reduktion, ggf. Anämie |
Therapie
Ohne Erregernachweis
| Klinische SItuationen | Therapie 1. Wahl | Therapie 2. Wahl | Komplikationen/Hygiene Hinweise/Meldepflicht |
|---|---|---|---|
| Ambulant erworben (≤72h stationär)
Keine Immunsuppression Keine Zeichen der schweren Dehydratation/Sepsis |
Ambulante, supportive Therapie mit oraler Flüssigkeits- und Elekrolytzufuhr
Keine empirische antimikrobielle Therapie Häufig selbstlimitierend Schonkost Ggf. Antiemetika bei Erwachsenen (z.B. Metoclopramid) Ggf. Analgetika Ggf. Spasmolytika (z.B. N-Butylscopalamin) Motilitätshemmer (z.B. Loperamid) vermeiden (Allenfalls über max. 2 Tage bei Erwachsenen mit unkompliziertem Verlauf) Ggf. antisekretorische Substanzen (z.B. Racecadotril) |
||
| Nosokomial erworben (>72h stationär) oder
ambulant erworben plus Immunsuppression und/oder Zeichen der schweren Dehydratation/Sepsis |
Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich
Keine primär empirische antimikrobielle Therapie Häufig selbstlimitierend Schonkost Ggf. Antiemetika bei Erwachsenen (z.B. Metoclopramid) Ggf. Analgetika Ggf. Spasmolytika (z.B. N-Butylscopalamin) Motilitätshemmer (z.B. Loperamid) vermeiden (allenfalls über max. 2 Tage bei Erwachsenen mit unkompliziertem Verlauf) Ggf. antisekretorische Substanzen (z.B. Racecadotril) |
Bei schweren Verläufen oder Verläufe >3 Tage
(NACH Abnahme der Stuhldiagnostik): • Azithromycin 1x 500 mg oral für 3 Tage (alternativ Azithromycin 1000 mg einmalig) oder • Aminopenicillin + Betalaktamase-Inhibitor i.v. |
Isolation bei Krankenhausaufnahme bis 48h durchfallfrei |
| Nach Fernreise | Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich·
Keine primär empirische antimikrobielle Therapie bei leichten Verläufen keine motilitätshemmende Therapie Bei blutiger Diarrhoe, Fieber oder Risikopatienten (Immunsuppression): Azithromycin 1x 500 mg p.o. für 3 Tage (alternativ Azithromycin 1000 mg einmalig
|
Frühzeitiger Kontakt Tropeninstitut zur weiteren Diagnostik und ggf Therapie.
Bei komplizierenden Faktoren (zB. Leberabszess), Kontakt spezialisiertes Zentrum/Tropeninstitut. |
Bei Erregernachweis
| Erreger | Nachweismethode | Indikation zur spezifischen antiinfektiven Therapie | Therapie 1. Wahl | Therapie 2. Wahl |
|---|---|---|---|---|
| Clostridioides difficile | Initial: Toxin-PCR oder GDH-ELISA
Alternativ: Nachweis von Pseudomembranen in der Koloskopie |
immer indiziert | Auslösende Antibiotika-Therapie (sofern möglich) beenden!
Initiale Episode: Vancomycin 4x 125 mg p.o. über 10 Tage ODER Fidaxomicin 2x 200 mg p.o. über 10 Tage (insb. bei erhöhtem Rezidivrisiko) ODER Metronidazol 3x 400 mg p.o. (nur in leichten Fällen ohne nennenswerte Komorbiditäten)
Metronidazol 500 mg 3x/d i.v. oder Tigecyclin 2 x 50 mg/d i.v. (Startdosis 100 mg) |
Jeweils die in der ersten Episode nicht verabreichte Option |
| Enteritis-Salmonellen (nicht typhöse Salmonellen) | Stuhlkultur oder -PCR | • Systemische Infektion (Fieber)
• Blutstrominfektion • Immunsuppression • Hämodialysepatienten • (Vorliegen von Gefäßprothesen, Aneurysmata, Fremdmaterial im Körper) |
Ciprofloxacin 2x 500 mg p.o. bzw. 2x 400 mg i.v. für 5-7 Tage (bei Immunsuppression je 14 Tage)
Ceftriaxon 1x 2 g i.v. für 5-7 Tage (bei Immunsuppression 14 Tage) |
Azithromycin 500 mg/Tag über 7 Tage |
| Salmonella typhi/paratyphi
(Typhus) |
Inkubationszeit: Blutkulturen
1. Woche: Kultur aus Blut, KM, Gewebe Ab 2. Woche: Stuhlkultur |
immer indiziert | Empirisch (vor Antibiogramm):
Ceftriaxon 2x 1 g i.v. für 10-14 Tage Mittel der Wahl wenn sensibel getestet: Ciprofloxacin 2x 500 mg p.o. ODER 2x 400 mg i.v für 7-10 Tage
|
Azithromycin 1x 1000 mg oral für 5-7 Tage ODER
Ceftriaxon 1x 2 g i.v. für 10-14 Tage |
| Shigella spp.
Enteroinvasive E.coli (EIEC) |
Stuhlkultur, ggf. -PCR (ipah-Gen) | Bei akuter Infektion immer Therapie (nach Resistenztestung):
Azithromycin 1x 500 mg p.o. für 3 Tage (insb. bei Asienreisenden aufgrund hoher Ciprofloxacinresistenz) ODER Ciprofloxacin 2x 500mg p.o. bzw 2 x 400 mg i.v. für 3-5 Tage (Bei Immunsuppression Therapiedauer je 5-7 Tage) |
Bei Vorliegen von Resistenzen nach Antibiogramm therapieren | |
| Campylobacter spp. | Stuhlkultur, ggf. -PCR | • Beschwerden >1 Woche
• Immunsuppression • Hohes Fieber, stark blutige Diarrhoe |
Azithromycin 1000 mg einmalig | Ciprofloxacin 2x 500 mg p.o. für 3 Tage wenn sensibel |
| Yersinia pseudotuberculosis | Stuhlkultur, ggf. -PCR | • schweres Krankheitsbild
• fehlende klinische Besserung nach 2 Wochen |
Ceftriaxon 1x 2 g i.v. für 7-14 Tage (bei Immunsuppression ggf. länger) | Ciprofloxacin 2x 400 mg i.v. für 7-14 Tage |
| Shigella spp. | Stuhlkultur, ggf. -PCR | i.d.R. indiziert | Azithromycin 500 mg/d p.o. für 3 Tage oder
Ceftriaxon 2 g/d i.v. für 5 Tage oder Pivmecillinam 3 x 400 mg/d p.o. für 5 Tage |
|
| Aeromonas spp. | Stuhlkultur, ggf. -PCR | • Chronischer Verlauf
• Sepsis |
Kontakt zu Infektiologie | |
| Enterohämorrhargische E. coli (EHEC) | Stuhlkultur, -PCR (Shigatoxin 1 / 2) | Extraintestinale Manifestationen
(i.d.R. keine Antibiose, begünstigt möglicherweise Auftreten von HUS) |
a.e., Carbapeneme | |
| Enteropathogene E. coli (EPEC), entero-toxinogene E. coli (ETEC) | Stuhlkultur, ggf. -PCR | i.d.R. eine Antibiotikatherapie, selbstlimitierend! | ||
| Enteroaggregative E. coli (EAEC) | Stuhlkultur, ggf. -PCR | • Immunsuppression
• Dauer >14 Tage (sehr selten) |
Ciprofloxacin 2x 500 mg p.o. ODER 2 x 400 mg i.v. für 3-5 Tage (5-7 Tage bei Immunsuppression) | |
| Toxinproduzierende O1/0139-positive Vibrio cholerae | Stuhlkultur und direkte Stuhlmikroskopie, ggf. PCR | • Schwere Erkrankung | Wichtigste Maßnahme: Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich!
Ciprofloxacin 1 g als Einmaldosis |
Azithromycin 1 g als Einmaldosis |
| Weitere Toxinbildner | Bezug zur Nahrungs-Aufnahme | keine antibiotische Therapie | Symptomatisch | |
| Noro-, Rota-, Astroviren | Stuhl-PCR | keine | Symptomatisch | |
| Adenoviren | Stuhl-PCR | ggf. bei Immunsuppression und schwerer Erkrankung | Kontakt zu Infektiologie | |
| Giardia lamblia | Stuhl-Mikroskopie und -PCR | • Symptomatische Patienten
• Asymptomatische Patienten mit Kontakt zu Immunsupprimierten/Schwangeren |
Metronidazol 3x 500 mg p.o. für 5-7 Tage,
zudem laktosefreie Ernährung für mind. 1 Monat nach Therapie empfohlen. |
Tinidazol 2 g als Einmaldosis |
| Entamoeba histolytica | Stuhl-Mikroskopie und -PCR (bzw. aus Abszess)
Ggf. Serologie (ab 3-7 Tage nach Beginn) |
I.d.R. indiziert | Indikation: Immer bei Nachweis
Metronidazol 3x 10 mg/kg/Tag (max. 3x 800 mg/Tag) i.v. ODER p.o. (wenn asymptomatisch) Im Anschluss zur intraluminalen Behandlung immer Paromomycin 3x 500 mg p.o. für weitere 10 Tage |
|
| Mikrosporidien | Stuhl-Mikroskopie und ggf. -PCR | i.d.R. keine, Immunrekonstitution | Kontakt zur Infektiologie (ggf. Albendazol oder Fumagillin) | |
| Cyclospora | Stuhl-Mikroskopie und PCR | Immunsuppression, chronische Diarrhoe | Cotrimoxazol 2x 960 mg für 7 Tage
Bei HIV: 7-10 Tage, ggf. suppressive Therapie mit Cotrimoxazol 960 mg 3x/Woche über 4 Wochen |
Ciprofloxacin 2x 500 mg für 7 Tage ODER
Nitazoxanid 2x 500 mg für 7 Tage |
| Cystoisospora | Stuhl-Mikroskopie (Ziehl-Neelsen) oder PCR | Immunsuppression, chronische Diarrhoe | Paromomycin p.o. 4 x 500 mg/Tag oder 3 x 1 g/Tag über 14 Tage, ggf. + Azithromycin p.o. 600 mg einmalig | Nitazoxanid 2 x 500 mg/Tag für 2(-8) Wochen |
| S. stercoralis | Stuhl-Mikroskopie und -PCR, Serologie | Immer indiziert | Ivermectin 1x 200 µg/kg über 3 Tage oder 2x Einzeldosis im Abstand von einer Woche | Albendazol 10 mg/kg Einzeldosis |
| Weitere Helminthen (z.B. T. trichuria, A. duodenale, S. mansoni, A. lumbricoides) | Stuhl-Mikroskopie, ggf. PCR (S. mansoni) | I.d.R. indiziert | Kontakt zu Infektiologie / Tropenmedizin |
Empirische Therapie
DGI:Durchfallerkrankungen/Therapie/Empirische Therapie
Kalkulierte Therapie
DGI:Durchfallerkrankungen/Therapie/Kalkulierte Therapie
Erregerspezifische Therapie
DGI:Durchfallerkrankungen/Therapie/Erregerspezifische Therapie
Prophylaxe und Prävention
1. Zur Rezidivprophylaxe kann in Kombination mit der CDI-gerichteten Antibiotikatherapie bei hohem Rezidivrisiko einmalig Bezlotoxumab 10 mg/kg verabreicht werden (Risikofaktoren: Alter >65 Jahre, Immunsuppression, Rezidivsituation, Niereninsuffizienz).
2. Bei multiplen Rezidiven und nach einer Therapie mit mindestens Vancomycin und Fidaxomicin sollte die Möglichkeit eines fäkalen Mikrobiotatransfers als Sekundärprophylaxe eruiert werden.
Unterkapitel
DGI:Durchfallerkrankungen/Unterkapitel
Weiterführende Literatur und Hilfestellungen
Tabellarische Anmerkungen zur Meldepflicht nur bei ganz klarer Lehrmeinung angeben.
Anmerkungen der Redaktion
DGI:Durchfallerkrankungen/Anmerkungen der Redaktion
Quellen
• Manthey, C. et al.: S2k-Leitlinie Gastrointestinale Infektionen der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), 2023
• Li T, Qiang N, Bao Y, Li Y, Zhao S, Chong KC, Deng X, Zhang X, Ran J, Han L. Global burden of enteric infections related foodborne diseases, 1990-2021: findings from the Global Burden of Disease Study 2021. Sci One Health. 2024 Aug 10;3:100075. doi: 10.1016/j.soh.2024.100075
• Robert-Koch-Institut (2024): Infektionsepidemiologische Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2022.
• Bennett, J. E., Dolin, R., & Blaser, M. J.: Mandell, Douglas, and Bennett's Principles and Practice of Infectious Diseases, 2020
• Farrar J., Hotez P. J., Junghanss T., Kang G., Lalloo D., White N. J.: Manson's Tropical Infectious Diseases, 2014.
• Lübbert, C., Grimm, M.: Akute Infektiöse Diarrhoe, 2014.
• (Krankenhaushygiene up2date 2018; 13(04): 451-469
• DOI: 10.1055/s-0043-118640; Diagnostik Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York; Präanalytik: Blutkultur, Urin, Stuhl, Anna Dudakova, Marco H. Schulze)
Einzelnachweise