DGI:Durchfallerkrankungen/Diagnostik/Diagnosekriterien
Anamnese, insb. mit Hinblick auf Warnsymptome (s.o.)
- Symptomatik und Dauer
- Flüssigkeitsaufnahme und -ausscheidung
- Vorerkrankungen und Medikamente, insb. Immunsuppression und stattgehabte Antibiosen
- Reiseanamnese
- Umgebungs- und Berufsanamnese (Kita/Pflegeheim o.Ä., Arbeit mit Lebensmitteln, weitere Fälle ähnlichen Symptomen oder gleichem Erreger, Tierkontakte)
- Zeitlicher Zusammenhang mit Nahrungsaufnahmen (Infektion vs. Intoxikation)
Körperliche Untersuchung
- Vitalparameter
- Abdomenstatus inkl. Peritonismus-Zeichen
- Weitere körperliche Untersuchung inkl. Herz, Lunge, orientierend neurologisch
(Zeichen systemischer Beteiligung?)
Ausreichend bei akutem, unkompliziertem Verlauf und fehlenden Warnsymptomen/ Risikofaktoren
Weitere Diagnostik bei:
- Hämatochezie
- Immunsuppression
- Chronischer Diarrhoe (>14 Tage)
- Beschäftigung im Lebensmittelbereich / in Gemeinschaftseinrichtungen
- Nosokomialer Diarrhoe (>72h nach Aufnahme)
- Stattgehabter Antibiotikaeinnahme (<3 Mo. Zurück)
- Schweren Vorerkrankungen (z.B. Niereninsuffizienz, Herzinsuffizienz)
- Epidemiologische Häufung (V.a. Ausbruch)
Labordiagnostik bei Warnsymptomen/ Risikofaktoren:
Stuhldiagnostik mittels Inspektion (blutig, nicht-blutig, Beschaffenheit), ggf. Blutentnahme: insb. Blutbild, Elektrolyte, Retentionsparameter, CRP bei klinisch schwerem Verlauf und Blutkulturen bei Fieber. Ein Überblick über die im Regelfall initial abzuklärenden Erreger gibt Tabelle 5. Bzgl. der, für die Stuhldiagnostik zu verwendenden Tests besteht aktuell ein ausgeprägter Trend weg von der Kultur/Mikroskope und hin zur PCR. Je nach lokalem Standard können dementsprechend unterschiedliche diagnostische Ansätze zur Anwendung kommen (s.Tabelle 1).
Präanalytik:
Für die mikrobiologischen Diagnostik sind primär Stuhlproben geeignet, Abstriche nur in Ausnahmefällen. Bei der Probengewinnung ist auf ein Einhalten der Hygienemaßnahmen zu achten. Kontaminationen z.B. mit Toilettenspülwasser oder anderen sanitären Oberflächen sollte vermieden werden. Stationär ist eine Abnahme aus einem sauberen Gefäß möglich. Ambulante Patienten können den Stuhlgang ebenfalls in der Toilette mit geeigneten Materialen abfangen und eine Probe davon entnehmen.
Für die mikrobiologische Diagnostik genügt eine mit dem Löffelchen des Stuhltransportröhrchens gewonnen erbsengoße Stuhlprobe. Sollten zusätzlich auch noch parasitologische und / oder virologische (z.B. Antigenbestimmung) Untersuchungen angefordert werden, bietet es sich an die doppelte Menge oder mehrere Proben einzuschicken.
Der Transport der Stuhlproben in das Labor sollte im Idealfall nicht länger als 4 Std betragen. Bei einem längeren Zeitraum empfiehlt sich die Kühlung der Proben auf etwa 3 – 4°. Virologische Proben können unter Umständen auch nach längerer kühler Lagerung verarbeitet werden. Parasitologische Untersuchungen sollten möglichst an 3 unabhängigen Proben durchgeführt werden.