DGI:Ambulant erworbene Pneumonie/Diagnostik
Diagnostik
Zu den Diagnosekriterien zählen die klinische Symptomatik mit Fieber bzw. Temperatur <36.0 °C und/oder Leukozytose (>10/nl) bzw. Linksverschiebung (>15%) in Kombination mit Neuauftreten oder Zunahme eines Infiltrats im Röntgenthorax, radiologischen Befund PLUS mindestens einem der folgenden Kriterien:
- Produktiver Husten
- Purulenter Auswurf
- Luftnot und Tachypnoe
- Feinblasige Rasselgeräusche
- Atemabhängige Thoraxschmerzen
Die mikrobiologische Diagnostik ist für die adäquate Therapie insbesondere bei der stationären Behandlung obligat. Laborparameter haben teilweise prognostische Aussagekraft und können bei der Therapiesteuerung Hilfestellung leisten unter Berücksitigung der spezifischen Ätiologie, des Schweregrads oder Dekompensation von Begleiterkrankungen. Genaue Grenzwerte für einzelne Biomarker wie CRP und PCT, ab denen eine antimikrobielle Therapie indiziert ist, existieren nicht, und sind abhängig von der jeweiligen Labormethode [1] [2]. Dies ist auch für die Primärversorgung im ambulanten Bereich bedeutend.
Diagnostische Schritte
(in Klammern wünschenswert, ambulant jedoch logistisch meist schwer umsetzbar)
| Basisdiagnostik | ambulant | stationär inkl. intensiv |
|---|---|---|
| Röntgenthorax | x | x |
| Blutkulturen1 | (x) | x |
| Adäquates Sputum/ Trachealsekret
das innerhalb von 2-4h verarbeitet werden soll |
(x) | x |
| Entzündungswerte (großes Blutbild, CRP, ggf. PCT) | x | x |
| Risikostratifizierung SpO2 (Laktat und BGA) | x | x |
| Legionellen AG im Urin (Mitteilung Ergebnis innerhalb von 3 Tagen = Qualitätsindikator) [3] | x | |
| Parapneumonischen Pleuraerguss2 | (x) | x |
| Zusätzliche Diagnostik | ||
| Pneumokokken-Antigen im Urin (kann zur Therapiefokussierung verwendet werden) | x | x |
| Mycoplasma-Serologie (nur bei typischer Anamnese: junger Patient, ambulant, selten Ausbrüche, Epidemiologie) | x | x |
| Influenza A/B-Schnelltest oder Influenza Abstrich (PCR) als tiefer Nase-Rachenabstrich (besonders in den Herbst- und Wintermonaten, Epidemiologie) | x | x |
| SARS-CoV-2 Abstrich (PCR) als tiefer Nase-Rachenabstrich aufgrund der aktuellen Pandemie | x | x |
| multiplex PCR (nach Verfügbarkeit, jedoch nicht als Routine empfohlen) z. B. Pannel mit respiratorischen Erregern | x |
1 2x2 Flaschen mit aeroben und anaeroben Kulturmedien, an separaten Punktionsstellen abgenommen) vor Therapiebeginn (= Qualitätsindikator). Abnahme auch bei fehlendem Fieber! Die Einhaltung eines zeitlichen Mindestabstands zwischen den Blutkulturen ist nicht erforderlich[4] 2 Bei allen Patienten mit einem Pleuraerguss, soll eine frühe diagnostische Thorakozentese unter Berücksichtigung der Kontraindikationen erfolgen
Bildgebende Diagnostik:
Das Thoraxröntgen ist ein Teil der obligaten Basisdiagnostik. Diese sollte möglichst immer im Stehen und in zwei Ebenen durchgeführt werden. Eine Thoraxröntgen-Verlaufskontrolle ist nur in Abhängigkeit des Ausgangsbefundes empfohlen.
Die Thoraxsonographie ist differentialdiagnostisch aussagekräftig und kann aufgrund der fehlenden Strahlenbelastung beliebig wiederholt werden. Zudem eignet sich die Sonographie ideal als bettseitige Untersuchungsmethode. Charakteristisch, aber unspezifisch sind konsolidierte Veränderungen (“an Leberparenchym erinnernd”). In Kombination mit der klinischen Untersuchung hat die Thoraxsonographie einen sehr guten Vorhersagewert und kann auch zur Erfassung und Verlaufskontrolle eines Pleuraergusses oder Empyem beitragen.
Das Computertomogramm des Thorax ist nur in Ausnahmefällen indiziert, insbesondere bei Verdacht auf ein Lungenkarzinom, eine Lungenembolie oder interstitielle Lungenerkrankung oder zum differentialdiagnostischen Ausschluss weiterer pathologischer Befunde (z.B. Lungenembolie).
Für die Diagnostik mittels MRT gibt es aktuell keine Empfehlungen.
Differentialdiagnosen
Auf Grundlage des radiologischen Befunds, des klinischen Bildes und der Anamnese müssen verschiedene Differentialdiagnosen in Betracht gezogen werden. Dazu zählen z.B. die Lungentuberkulose, Tumore, Aspirationen und Begleiterkrankungen mit Zeichen der Herzinsuffizienz (Kardiomegalie), hydropischer Dekompensation (Kerley-B Linien) oder andere Konditionen wie Pleuraerguss, Abszedierungen, Lungenembolie und -infarkt.
- ↑ Almirall, J., et al., Contribution of C-reactive protein to the diagnosis and assessment of severity of community-acquired pneumonia. Chest, 2004. 125(4): p. 1335-42.
- ↑ Muller, F., et al., Procalcitonin levels predict bacteremia in patients with community-acquired pneumonia: a prospective cohort trial. Chest, 2010. 138(1): p. 121-9.
- ↑ Forst, G., et al., Clinimetric properties and suitability of selected quality indicators for assessing antibiotic use in hospitalized adults: a multicentre point prevalence study in 24 hospitals in Germany. J Antimicrob Chemother, 2019. 74(12): p. 3596-3602
- ↑ de With K, W.K., Kern WV et al S3-Leitlinie Strategien zur Sicherung rationaler Antibiotika-Anwendung im Krankenhaus. . 2018