Kopf Hals Infektionen/Otitis media chronica

From Infektiopedia
Revision as of 07:22, 1 December 2021 by Akelec (talk | contribs) (Die Kategorien wurden geändert.)

Achtung: Ihre Meinung ist uns wichtig!    Nehmen Sie gerne an unserer Umfrage teil

Kapitelinformationen
Stand: Juni 2021
Kapitelleitung: Masen Sueifan
Autor:innen: Hanni Bartels
Reviewer:innen: Klaus Pelz
Beteiligte Fachgesellschaften:
Feedback: Mitwirken

Die Otitis media chronica stellt eine eigene Krankheitsentität dar. Man unterscheidet dabei die Otitis media chronica mesotympanalis, die sich meist auf Grund einer Tubenbelüftungsstörung entwickelt, von der Otitis media chronica epitympanalis, die typischerweise ein Cholesteatom aufweist.


Inhaltsverzeichnis

Klinisches Bild

Klinisches Bild bearbeiten

Otitis media chronica mesotympanalis

Die Otitis media chronica mesotympanalis ist charakterisiert durch einen zentralen Trommelfelldefekt und das Fehlen von Schmerzen. Zudem treten rezidivierende Otorrhöen und eine Schallleitungsschwerhörigkeit auf dem betroffenen Ohr auf.

Leitsymptome
  • Rezidivierende schleimig, geruchlose Otorrhoe (bei akuter Exazerbation eitrig)
  • Hörminderung
  • Fehlen von Schmerzen
Epidemiologie

Die Prävalenz liegt bei ca. 2% der Erwachsenen

Prognose
  • Nach stattgehabter Tympanoplastik günstig
  • Sonst schubweiser Verlauf möglich


Otitis media chronica epitympanalis

Die Entstehung einer Otitis media chronica epitympanalis ist ebenfalls nicht vollständig geklärt. Unter einem Cholesteatom versteht man eine eitrige Entzündung des Trommelfels mit Knochendestruktion in den Mittelohrräumen. Ursache hierfür sind entweder von Geburt an vorhandene oder im Laufe des Lebens einwachsende verhornende Plattenepithelzellen.

Leitsymptome
  • Progrediente Schalleitungsschwerhörigkeit
  • Eventuell gefolgt von Innenohrschwerhörigkeit
  • Tinnitus

Komplikationen

  • Geschmacksstörungen auf der betroffenen Seite (Befall der Chorda tympani)
  • Periphere Fazialisparese (ebenfalls auf der betroffenen Seite)
Epidemiologie[1],[2]

Daten aus Deutschland nicht verfügbar. Laut einer Studie aus Finnland:

  • Kinder 3/100.000 pro Jahr
  • Erwachsene 9/100.000 pro Jahr

Eine weltweite Studie ergab eine Inzidenz von 4,76%

Prognose

Potenziell sind folgende Komplikationen möglich

  • Fazialisparese
  • Zerstörung umliegender Strukturen wie Labyrinth, Bogengänge, Gehörknöchel
  • Mastoiditis
  • Labyrinthitis
  • Cerebrale- und epidurale Abszesse
  • Sinus sigmoideus Thrombose
  • Meningitis
  •  Trotz OP ist eine Verbesserung des Hörens nicht immer gegeben
  • Unter Umständen lebenslange Tauchunfähigkeit trotz OP
  • Sepsis



Diagnostik

Diagnostik bearbeiten
Otitis media chronica mesotympanalis
  • Anamnese
  • Otoskopie
    • Zentraler Trommelfell-Defekt?
    • Seröse oder eitrige Sekretion?
    • Schleimhautpolypen?
  • Tubenfunktionsprüfung durch Nasen-Rachen-Inspektion
  • Weber-Versuch: Lateralisation ins betroffene Ohr
  • Rinne-Versuch: Auf dem betroffenen Ohr negativ
  • Schallleitungsschwerhörigkeit auf dem betroffenen Ohr
  • Gleichgewichtsprüfung
  • Mikrobiologische Untersuchung (Abstrich)



Otitis media chronica epitympanalis
  • Anamnese
  • Otoskopie
    • Ohr ohne Otorrhoe 
      • Randständiger Trommelfell-Defekt?
      • Cholesteatomperlen?
      • Weißlich glänzende Retraktionstasche
    • Ohr mit Otorrhoe
      • Trommelfell-Defekt kann hinter Sekret liegen
      • Trommelfell-Defekt kann durch Polypen verdeckt sein
  • Tubenfunktionsprüfung durch Nasen-Rachen-Inspektion
  • Weber-Versuch: Lateralisation ins betroffene Ohr
  • Schallleitungsschwerhörigkeit auf dem betroffenen Ohr
  • Gleichgewichtsprüfung
    • Frenzel-Brille: Spontan- und Provokationsnystagmus
    • Vestibularisprüfung: Ausfall oder Untererregbarkeit auf dem betroffenen Ohr
  • Mikrobiologische Untersuchung (Abstrich)
  • Bildgebung mittels CT oder MRT
  • Meningismus?
  • Prüfung N. fascialis
  • Prüfung Chorda tympani

Differentialdiagnosen

  • Otitis externa
  • Traumatische Trommelfellperforation
  • Felsenbeinfraktur
  • Mittelohrkarzinom



Erreger

Otitis media chronica mesotympanalis

Grundsätzlich gilt die Ursache als nicht vollständig geklärt. Häufig ist es im Kindesalter zu rezidivierenden Mittelohrentzündungen gekommen. In diesem Fall stehen folgende Erreger im Blickpunkt:

  • S. pneumoniae
  • H. influenzae
  • S. pyogenes
  • M. catarrhalis
  • Staph.aureus

Als weitere Ätiologie können folgende Ursachen in Betracht gezogen werden:

  • Chronische Tubenfunktionsstörung
  • Parazentese/Paukendrainage
  • Traumatische Trommelfellruptur

Des Weiteren ist häufig ein nicht oder schlecht pneumatisiertes Mastoid vorhanden



Otitis media chronica epitympanalis

Bei Otorrhoe sind die häufigsten Erreger

  • Pseudomonas aeruginosa
  • Staph. aureus
  • Proteus mirabilis
  • Mischinfektionen



Therapie

Otitis media chronica mesotympanalis

Bei der Therapie können grundsätzlich zwei Wege eingeschlagen werden.

Konservativer Pfad
  • Im infektfreien Intervall sollte ein Wassereintritt in das betroffene Ohr unbedingt vermieden werden
  • Regelmäßige Gehörgangs Reinigung
  • Bei fehlender OP-Indikation Versorgung mit einem Hörgerät
  • Im akuten, sezernierenden Stadium


Klinische Situation Präferenz Substanz Dosierung Dauer Anpassungen Kommentar

Otitis media chronica mesotympanalis

Therapie der Wahl Lokaltherapie mit Ciprofloxacin Ohrtropfen 2 x 3-4 Gtt. 5 - 7 d - Gefahr von Pilzinfektionen bei längerer Anwendung
Zusätzlich Antiseptikum Natriumhypo-chlorid Spüllösung

1% oder 3%

5 - 7 d - -
Operativer Pfad
  • Tympanoplastik (im infektfreien Intervall)
  • Bei Kindern Adenotomie zur besseren Mittelohrbelüftung
  • Bei Erwachsenen Conchotomie, Nasenseptumplastik


Otitis media chronica epitympanalis

Bei der Otitis media chronica epitympanalis besteht die Indikation zur chirurgischen Versorgung, da es zu Komplikationen wie Hörverlust kommen kann.

Klinische Situation Präferenz Substanz Dosierung Dauer Anpassungen Kommentar

Otitis media chronica epi- und mesotympanalis

Therapie der Wahl Lokaltherapie mit Ciprofloxacin Ohrtropfen 2 x 3-4 Gtt. 5 - 7 d - Gefahr von Pilzinfektionen bei längerer Anwendung
Zusätzlich Antiseptikum Natriumhypo-chlorid Spüllösung

1% oder 3%

5 - 7 d - -


Im Falle eine Exazerbation ist eine antibiotische Therapie indiziert.

Klinische Situation Präferenz Substanz Dosierung Dauer Anpassungen Kommentar

Otitis media chronica epi- und mesotympanalis

Therapie der Wahl Piperacillin/

Tazobactam

3 x 4,5 g i.v. 5 - 7 d - -
Alternativ Ciprofloxacin 2 x 500 mg p.o. 5 - 7 d - -




Quellen

  • Kemppainen HO, Puhakka HJ, Laippala PJ, Sipilä MM, Manninen MP, Karma PH. Epidemiology and aetiology of middle ear cholesteatoma. Acta Otolaryngol. 1999;119(5):568-572. doi:10.1080/00016489950180801
  • Monasta L, Ronfani L, Marchetti F, et al. Burden of disease caused by otitis media: systematic review and global estimates. PLoS One. 2012;7(4):e36226. doi:10.1371/journal.pone.0036226
  • 017-074l_S2k_Chronisch-mesotympanale-Otitis-media_2020-11_01.pdf. Accessed August 9, 2021. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/017-074l_S2k_Chronisch-mesotympanale-Otitis-media_2020-11_01.pdf


Einzelnachweise

  1. Kemppainen HO, Puhakka HJ, Laippala PJ, Sipilä MM, Manninen MP, Karma PH. Epidemiology and aetiology of middle ear cholesteatoma. Acta Otolaryngol. 1999;119(5):568-572. doi:10.1080/00016489950180801
  2. Monasta L, Ronfani L, Marchetti F, et al. Burden of disease caused by otitis media: systematic review and global estimates. PLoS One. 2012;7(4):e36226. doi:10.1371/journal.pone.0036226