Borreliose/Neuroborreliose

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Kapitelinformationen
Stand: March 2025
Kapitelleitung: Hanni Bartels
Autor:innen: Christian Radke, Ralf Scheidhauer
Reviewer:innen: Mark Oette
Beteiligte Fachgesellschaften:
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Die Meningoradikulitis (Garin-Bujadoux-Bannwarth-Syndrom) ist nach dem Erythema chronicum migrans die häufigste Manifestation einer akuten Lyme-Borreliose. Kennzeichen der Radikulitis sind segmentale, vor allem nachts intensiver auftretende Schmerzen mit z.T. wechselnder Lokalisation. Zum klinischen Bild können sowohl Paresen als auch Sensibilitätsausfälle gehören. Vor allem bei Kindern beobachtet man isolierte Meningitiden. Symptome einer Neuroborreliose können auch Hirnnervenausfälle sein (z. B. Nervus facialis mit z. T. auch bilateralem Befall, Nervus abducens etc.). Polyneuropathien finden sich meistens in Assoziation mit der Acrodermatitis chronica atrophicans. Das zentrale Nervensystem ist selten beteiligt. Hierbei findet sich oft ein chronisch-schleichender Verlauf der Symptomatik. Klinisch im Vordergrund steht hier eine Myelitis mit spastisch-ataktischem Gang und Blasenstörung. Daneben existieren encephalitische Verläufe, die sich z.B. in psychiatrischen Krankheitsbildern äußern. Sehr selten treten eine Vasculitis oder Myositis auf.


Inhaltsverzeichnis



Diagnostik

Diagnostik bearbeiten
Diagnostik der frühen Neuroborreliose

(Symptome können Wochen bis Monate andauern): Symptome, die auf eine frühe Neuroborreliose hinweisen, treten wenige Wochen bis Monate nach Zeckenstich auf und können sich klinisch darstellen als:

  • Radikulitis der Spinal-/ Hirnnerven
  • Neuritis peripherer Nerven
  • Meningitis
  • Encephalitis/ Myelitis
  • Zerebrale Vaskulitis

In der Anamnese sollte man nach einem Zeckenstich, Aufenthalt in einem Endemiegebiet und Allgemeinsymptomen fragen. Die klinische Untersuchung (neurologischer Status, Erythema migrans ? etc.) ergibt weitere Hinweise. Im Rahmen der Serum-/Liquordiagnostik werden folgende Parameter empfohlen:: Zellzahl, Eiweiß, Lactat, Albuminquotient, IgA-,IgG-,IgM-Quotienten, oligoklonale Banden und borrelienspezifischer Antikörper-Index

Antikörper-Index =

           Spezifische IgG-Ak Liquor (Einheiten) : Spezifische IgG-Ak Serum (Einheiten)
                 ______________________________________________________________
               IgG-Konzentration Liquor (mg/L) : IgG-Konzentration Serum (mg/L)

Die Bestimmung des IgG-Serum-/ Liquorindex ist meistens ausreichend. Bei Kindern kann allerdings der IgM-Serum-/ Liquorindex isoliert positiv sein, insbesondere bei erst kurzem Krankheitsverlauf. Ein positiver Serum-/ Liquorindex kann noch jahrelang nach Therapie nachweisbar sein. Somit ist er nicht zur Therapiekontrolle geeignet. Der Nachweis des Chemokins CXCL13 im Liquor ist noch Gegenstand wissenschaftlicher Evaluation. Bei entzündlichem Liquorsyndrom plus intrathekaler Synthese Borrelien-spezifischer Antikörper gilt die Neuroborreliose als gesichert. Eine normale Zellzahl im Liquor plus ein negativer Antikörper-Index machen die Diagnose Neuroborreliose sehr unwahrscheinlich. Liegt lediglich ein entzündliches Liquorsyndrom vor, spricht man von einer wahrscheinlichen Neuroborreliose.

Diagnostik der späten Neuroborreliose

(Symptome können Monate bis Jahre andauern, synonym als chronische Neuroborreliose bezeichnet): Klinisch bestehen chronische neurologische Beschwerden. Hierzu zählen insbesondere Encephalomyelitis, Encephalitis, Myelitis, chronische Meningitis oder zerebrale Vaskulitis. Liegt eine lymphozytäre Pleozytose und erhöhtes Gesamteiweiß mit positivem Antikörper-Index vor, gilt die Neuroborreliose als gesichert (DD: Früher durchgemachte Neuroborreliose mit aktuell anderer entzündlicher Erkrankung).



Therapie

Die Behandlung einer Neuroborreliose folgt in der Regel einer Therapieeskalation auf eine intravenöse Therapie mit Ceftriaxon, Cefotaxim oder Penicillin G. Das oral applizierte Doxycyclin weist nach einer Meta-Analyse keinen statistisch signifikanten Unterschied in Hinblick auf die Rückbildung der neurologischen Symptomatik zu den β–Laktam-Antibiotika auf und ließe sich äquivalent anwenden. Alle Therapeutika gelten hinsichtlich ihrer Wirksamkeit als gleichwertig. Die Therapiedauer für die frühe Neuroborreliose liegt bei 14 Tagen, während die Therapie für eine späte Neuroborreliose auf bis zu 3 Wochen ausgeweitet wird. Generell ist die Lage zur Evidenz der Therapiedauer jedoch als eher unzureichend einzustufen.

Klinische Situation Präferenz Substanz Dosierung Dauer Anpassungen Kommentar
Frühe Neuroborreliose Therapie der Wahl Doxycyclin

ODER

200 mg q24h p.o. 14 d Für Jugendliche und Erwachsene ab 50 kg
Ceftriaxon

ODER

2 g q24 h i.v. 14 d
Cefotaxim

ODER

2 g q8h i.v. 14 d
Penicillin G 5 Mio I.E. q6h i.v. 14 d
Späte Neuroborreliose Therapie der Wahl Ceftriaxon

ODER

2 g q24h i.v. 14-21 d
Cefotaxim

ODER

2 g q8h i.v. 14-21 d
Penicillin G

ODER

5 Mio I.E. q6h i.v. 14-21 d
Doxycyclin 200(-300) mg q24 h p.o. 14-21 d Für Jugendliche und Erwachsene ab 50 kg




Quellen

DGI:Borreliose/Neuroborreliose/Quellen