Geburtshilfliche Infektionen/Prophylaxe der Neugeborenen Sepsis durch Gruppe-B-Streptokokken
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| Kapitelinformationen | |
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| Stand: | Dezember 2024 |
| Kapitelleitung: | Masen Sueifan |
| Autor:innen: | Marzia Bonsignore, Sabine Mauruschat, Nathalie Pausner, Helmut Reinhold |
| Reviewer:innen: | Julia Jückstock |
| Beteiligte Fachgesellschaften: | |
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Eine der häufigsten Ursachen für systemische Infektionen Neugeborener stellen Streptokokken der Gruppe B nach Lancefield (Streptococcus agalctiae) dar. Unterschieden wird dabei zwischen einer Infektion innerhalb von 72 Stunden postpartal (early-onset) und nach 72 Stunden (late-onset). Dabei erfolgt die Infektion oftmals bereits intrauterin.
Klinisches Bild
Leitsymptome
Die Mutter ist bei einer Besiedelung mit B-Streptokokken meist asymptomatisch. Auch Neugeborene können zunächst asymptomatisch sein oder nur unspezifische Symptome zeigen. Deshalb ist die konsequente postnatale Überwachung zur möglichst raschen Feststellung einer Infektion entscheidend.
Unspezifische Symptome:
- Trinkschwäche
- Apathie/Lethargie
- Arterielle Hypertonie/Tachykardie
- Dyspnoe
- Fieber oder Hypothermie
- Veränderungen des Hautkolorits (fahl bis grau)
Spezifische Symptome
- Neubegorenenmeningitis:
- Kein Meningismus!
- Early-onset: Erbrechen
- Late-onset: Vorwölbung der Fontanelle, Krampfanafalle, schrilles Schreien
- Neugeborenen Pneumonie
- Tachypnoe mit interkostalen und sternalen Einziehungen
- Dyspnoe
Epidemiologie
- In Deutschland haben ca. 16% der Schwangeren eine Gruppe-B-Streptokokken Besiedelung
- Geschätzt gibt es 2 bis 5 GBS Infektionen je 1000 Geburten in Deutschland
- In den USA lag die Inzidenz der early-onset-Infektionen vor Einführung der GBS-Prophylaxe bei 1,8 Fällen je 1000 Geburten. Im Jahr 2010 lag diese nach Einführung der GBS-Prophylaxe bei 0,26 Fällen je 1000 Geburten.
- Die Letalität liegt bei ca. 4%
- Bei der Mehrheit der betroffenen Kinder handelt es sich um reife Neugeborene
Prognose
Die Einführung eines Screenings auf vaginale Gruppe-B-Streptokokken Besiedelung, sowie der prophylaktischen Antibiotikagabe bei positiv getesteten und Schwangeren mit unbekannter Besiedelung, führte zu einer Reduzierung der early-onset-Neugeborenensepsis um 85%. Und obwohl die Letalität der reifen Neugeborenen in den vergangenen Jahren gefallen ist, liegt sie noch bei 4%. Eine durchgemachte GBS-Meningitis zeigt in 19% der Fälle schwere und in 25% leichte- bis mittelschwere neurologische Langzeitfolgen.
Diagnostik
Bei Schwangeren zwischen der 35 + 0 und 37 + 0 SSW Abstrich von Introitus vaginae und Anorektum. Dabei erhöht ein kombinierter Abstrich (vaginal/rektal) die Nachweiswahrscheinlichkeit um 30%.
Erreger
Gruppe-B-Streptokokken (Streptococcus agalaticiae)
Therapie
| Klinische Situation | Präferenz | Substanz | Dosierung | Dauer | Anpassungen | Kommentar |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Subpartale Antibiotikaprophylaxe
2. GBS Bakteriurie 3. Vorausgehende Geburt eines an GBS-erkranktem Kindes 4. Fieber der Mutter >38° subpartal 5. Drohende FG < 37+0 SSW und GBS-Status unbekannt 6. Blasensprung > 18h und SSW > 37+1 |
Therapie der Wahl | Penicillin G | Initial 5 Mio. IE | 1x | Im Anschluss 2,5 Mio. IE alle 4 Stunden bis zur Geburt | |
| Alternative bei anamnestischer Penicillin Allergie | Cefazolin | 2 g i.v. | 1x | Im Anschluss 1 g i.v. alle 8 Stunden bis zur Geburt | ||
| Bei gesicherter Penicillin-Allergie | Clindamycin | 900 mg i.v. | alle 8 Stunden | Gabe bis zur Geburt |
Quellen
Einzelnachweise