DGI:Effloreszenzen mit Pus und Erythem

From Infektiopedia

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Inhaltsverzeichnis

Abstract:

Erkrankungsbilder wie Furunkel, Karbunkel, Abszesse und die Phlegmone gehören zu den eitrigen kutanen Infektionen. Das nicht-eitrige Erysipel zeichnet sich durch ein scharf begrenztes Erythem aus. Diese genannten Haut- und Weichteilinfektionen kommen weltweit sehr häufig vor. Je nach Schwere des klinischen Befundes, Allgemeinzustand, Vorerkrankungen und Risikofaktoren des Patienten ist eine rein äußerliche, rein chirurgische oder mit systemischer Antibiose kombinierte Therapie nötig. Voraussetzung für die adäquate Therapie ist eine genaue diagnostische Einordnung. Häufig handelt es sich um Blickdiagnosen. Liegt Pus vor, so ist meist S. aureus an der Infektion beteiligt. Während der Abszess eine abgekapselte Ansammlung von Pus darstellt, befindet sich der Eiter bei der Phlegmone diffus im Gewebe verteilt. Die Chirurgie ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie.

Als Erysipel bezeichnet man eine oberflächliche Infektion der Haut, die sich entlang der Lymphgefäße ausbreitet und meist durch Streptococcus pyogenes hervorgerufen wird. Dementsprechend ist die systemische Therapie mit Penicillin Mittel der Wahl.

Die (nekrotisierende) Fasziitis bezeichnet die maximale Ausprägung einer Weichteilinfektion. Hierbei handelt es sich um eine binnen Stunden foudroyant verlaufende, bakterielle Infektion der Haut und Unterhaut, bei der die Faszie mitbetroffen ist, und dringende chirurgische Interventionsnotwendigkeit besteht. Die Letalität ist sehr hoch.


Follikulitis

Die Follikulitis stellt eine eitrige oder nicht-eitrige Entzündung des Haarfollikels dar. Die klassische, bakterielle Follikulitis ist eine oberflächliche, zumeist durch Staphylococcus aureus ausgelöste Pyodermie.

Klinisches Bild

Klinisches Bild

Follikulitis
  • Kleine, follikulär gebundene Pusteln mit gelblichem Inhalt
  • Ggf. Perifollikulitis: entzündlich gerötete, ödematös geschwollene Follikelumgebung


Furunkel und Karbunkel

Das Furunkel ist eine eitrige, zentral abszedierende Entzündung eines Haarfollikels, meist verursacht durch eine Infektion mit Staphylococcus aureus. Kommt es zu einer Entzündung mehrerer nebeneinanderliegender Haarfollikel, so spricht man von einem Karbunkel.


Abszess

Ein Abszess ist eine abgekapselte Ansammlung von Eiter in einem nicht präformierten, durch Einschmelzung von Zellen neu gebildeten Gewebehohlraum mit einer Abszessmembran. Kommt es zu einer Eiteransammlung in einer präformierten Höhle, so spricht man von einem Empyem. Wenn Eiter sich diffus im Gewebe ausbreitet, so spricht man von einer Phlegmone.

Staphylococcus aureus wird am häufigsten in Abszessen isoliert, es kommen aber auch Anaerobier oder gram-negative Bakterien vor.


Leitsymptome

Furunkel und Karbunkel

Hautbefund: rötliche, schmerzhafter und zunächst derber Knoten (oder mehrere konfluierende Knoten) mit eitriger Einschmelzung (palpable Fluktuation) und ggf. Eiteraustritt

Verteilung: kann an jeder behaarter Körperstelle auftreten Schmerzhafter, entzündlicher zentral fluktuierender Knoten mit gelblicher Kruste und Umgebungserythem am Abdomen links. Mit freundlicher Genehmigung von: Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, LMU München Schmerzhafter, entzündlicher zentral fluktuierender Knoten mit gelblicher Kruste und Umgebungserythem am Abdomen links. Mit freundlicher Genehmigung von: Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, LMU München

Abszess
  • klassische Entzündungszeichen wie Schwellung, Schmerzen, Rötung, Überwärmung
  • ggf. Funktionseinschränkung, je nach Lokalisation
  • ggf. Fieber und Schüttelfrost bei größeren Abszessen mit reduziertem Allgemeinzustand


Klinische Situation

Furunkel und Karbunkel

Furunkel und Karbunkel in der Zentrofazialregion benötigen eine zusätzliche systemische antibiotische Therapie

Abszess

Die Lokalisation des Abszesses ist bezüglich des therapeutischen Vorgehens wichtig. So besteht bei einer Lokalisation im Gesicht, an den Händen oder im Genitoanalbereich die Indikation zu einer systemischen Antibiose.


Epidemiologie

Follikulitis

Sehr häufig, insbesondere bei mangelnder Hygiene, Okklusion, Mikrotraumen, Diabetes mellitus und atopischer Diathese. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Furunkel und Karbunkel

Sehr häufig


Abszess

Weltweit häufig


Prognose

Follikulitis

Gut.


Furunkel und Karbunkel

Gut.

Erhöhtes Komplikationsrisiko bei Furunkel/Karbunkel in der Zentrofazialregion. Heilung meist unter Narbenbildung.


Abszess

Abhängig von der Lokalisation, Größe und Ausdehnung des Abszesses. Im Prinzip aber gut.


Klinische Situationen

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Leitsymptome

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Epidemiologie

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Prognose

DGI:Effloreszenzen mit Pus und Erythem/Klinisches Bild/Prognose

Diagnostik

Diagnostik

Follikulitis

Blickdiagnose


Furunkel und Karbunkel

Blickdiagnose

Abszess

Blickdiagnose


Diagnostische Schritte

Follikulitis
  • Abstrich mit Antibiogramm
  • Bei Therapieresistenz ggf. Biopsie z.A. nicht-infektiöser Erkrankungen, z.B. eosinophile pustulöse Follikulitis (Ofuji-Follikulitis) oder follikulotrope Lymphome


Furunkel und Karbunkel
  • Abstrich mit Antibiogramm
  • Ggf. Sonographie zur Abgrenzung einer superinfizierten Epidermalzyste
  • Ggf. Blutkulturen bei Sepsisverdacht
  • Ggf. Diagnostik bezüglich „Panton-Valentin-Leukozidin“ (PVL) bei rezidivierenden Furunkel
Abszess
  • Klinische Untersuchung: insbesondere Palpation
  • Klinische Zeichen der Entzündung bei meist intakter Hautoberfläche
  • Laboruntersuchung, insbesondere Entzündungsmarker
  • Bildgebung durch Sonographie, CT oder MRT
  • Punktion
  • Mikrobiologie


Differentialdiagnosen

Follikulitis

mykotische Follikulitis (z.B. Pityrosporum-Follikulitis)

  • parasitäre Follikulitis (z.B. Demodex- Follikulitis)
  • virale Follikulitis (z.B. Herpes-simplex-Follikulitis)
  • gramnegative Follikulitis (z.B. Whirpool Follikulitis)
  • Akne vulgaris
  • Furunkel (LINK)
  • Superinfektion von kleineren Verletzungen, z.B. nach Insektenstichen
  • nicht-infektiöse Follikulitis


Furunkel und Karbunkel
  • Follikulitis (LINK)
  • Superinfizierte Epidermalzyste
  • Superinfektion von kleineren Verletzungen, z.B. nach Insektenstichen


Abszess
  • Empyem
  • Phlegmone (LINK)

Diagnosekriterien

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Diagnostische Schritte

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Differentialdiagnosen

DGI:Effloreszenzen mit Pus und Erythem/Diagnostik/Differentialdiagnosen

Erreger

Erreger

Follikitis

Meist Staphylococcus aureus, selten Streptokokken oder auch gram-negative Erreger oder Pilze (s.o.).


Furunkel und Karbunkel

Meist Staphylococcus aureus, sehr selten Streptokokken oder auch gram-negative Erreger oder Pilze.


Abszess

Meist Staphylococcus aureus, sehr selten Streptokokken oder auch gram-negative Erreger oder Pilze.

Therapie

Therapie

Follikitis

Antiseptische äußerliche Therapie:

  1. Antiseptika: lokal Polyhexanid, Polyvidon, Octenidin, Chlorhexidin
  2. Keimlastreduktion durch antiseptische Waschlotionen (z.B. Baktolin oder Octenisan Waschlotion)
  3. Ggf. lokales Antibiotikum z.B. Fusidinsäure


Furunkel und Karbunkel
Abszess

Therapie der Wahl ist eine chirurgische Therapie mit Inzision bzw. Spaltung des Abszesses. Ggf. sollte eine sogenannte „Lasche“ eingelegt werden, um das Abfließen des Eiters zu begünstigen und den vorzeitigen Verschluss der Abszesshöhle zu verhindern. Je nach Lage sollte zusätzliche eine Antibiose gegeben werden, insbesondere wenn der Abszess sich im Gesicht, an den Händen oder im genitoanalen Bereich befindet. Da es sich bei dem Erreger häufig um einen Staphylococcus handelt, wird ein entsprechendes Antibiotikum ausgewählt.

Empirische Therapie

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Kalkulierte Therapie

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Erregerspezifische Therapie

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Prophylaxe und Prävention

Prophylaxe/Prävention

Furunkel und Karbunkel

persönliche Hygiene

Unterkapitel

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Weiterführende Literatur und Hilfestellungen

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Anmerkungen der Redaktion

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Quellen

Quellen

Follikitis

1. Altmeyer P. Follikulitis (Übersicht) [Internet]. Altmeyers Enzyklopädie - Fachbereich Dermatologie. 2019 [cited 2021 Jan 31]. Available from: https://www.altmeyers.org/de/dermatologie/follikulitis-ubersicht-1423

2. AWMF. S2k + IDA Leitlinie: Diagnostik Diagnostik und Therapie Staphylococcus aureus bedingter Infektionen der Haut und Schleimhäute. 2011.


Furunkel und Karbunkel

1. AWMF. S2k + IDA Leitlinie: Diagnostik Diagnostik und Therapie Staphylococcus aureus bedingter Infektionen der Haut und Schleimhäute. 2011.

2. Hülsemann W, Habenicht R. Toxische Schäden nach Wundspülung mit Octenidin-haltigem Antiseptikum. Obere Extrem. 2011 Mar 17;6(1):35–9.

3. Franz T, Vögelin E. Aseptic tissue necrosis and chronic inflammation after irrigation of penetrating hand wounds using Octenisept ®. J Hand Surg (European Vol. 2012 Jan 4;37(1):61–4.

4. AWMF S2k Leitlinie: Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen AWMF-Registernummer 082-006. Update 2018

Einzelnachweise