DGI:Harnwegsinfektionen

From Infektiopedia
Revision as of 09:21, 18 June 2021 by imported>Bestem

  Diese Seite dient lediglich dem Aufbau der Hauptseiten. Bitte navigieren Sie zur Startseite und wählen Sie aus der unten stehenden Liste.


In Planung In Bearbeitung Im Review Fertiggestellt

Nächste Kapitel in Abstimmung mit Infektiopedia Gesamtredaktion. Sie sind herzlich dazu eingeladen mitzuwirken!

Fieber unbekannter Ursache bei Neutropenie

Harnwegsinfektionen


Blutstrominfektion

Borreliose

Endokarditis

Fieber Unklarer Herkunft

Geburtshilfliche Infektionen

Gynäkologische Infektionen

Haut- und Weichgewebsinfektionen

Knochen- , Gelenks- und Protheseninfektionen

Opportunistische Infektionen


Abdominelle Infektionen

Ambulant Erworbene Pneumonie

Antibiotikatherapie bei Sepsis

Durchfallerkrankungen

Geschlechtskrankheiten

Helicobacter Pylori

Kopf Hals Infektionen

Multiresistente Erreger

Nosokomiale Pneumonie

Penicillinallergie

Perioperative Prophylaxe

Postexpositionsprophylaxe/Hepatitis

Postexpositionsprophylaxe/HIV

Tuberkulose

ZNS-Infektionen



Harnwegsinfektionen gehören zu den häufigsten bakteriellen Infektionen überhaupt. In ihrer Alltäglichkeit bergen sie einiges an Komplexität und bleiben so eine interdisziplinäre Herausforderung.


In den folgenden Auflistungen sind Erreger entsprechend der Publikation in Leitlinien und mikrobiologischen Qualitätsstandards zusammengestellt [1][2]. Da Harnwegsinfektionen in erster Linie empirisch behandelt werden, lohnt es sich, das lokale Erregerspektrum, sowie die lokale Resistenzsituation zu kennen. Hilfreich hierzu ist die entsprechende aktuelle Statistik des betreuenden mikrobiologischen Labors.

Häufige und typische uropathogene Erreger:

  • Escherichia coli
  • Weitere gram-negative Stäbchen wie:
    • Proteus spp.
    • Klebsiella spp.
    • Enterobacter spp.
    • Morganella spp.
    • Citrobacter spp.
    • Providencia spp.
    • Pseudomonas aeruginosa
  • Staphylococcus saprophyticus
  • ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A und B
    • Streptococcus pyogenenes
    • Streptococcus agalactiae

Escherichia coli ist bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen mit mehr als 70% der bei weitem häufigste Erreger.


Weitere Erregernachweise im Urin, bei denen eine besondere Bewertung vorgenommen werden sollte:

  • Staphylococcus aureus
  • Enterokokken
  • Hefen (Candida spp.)
  • Aerococcus urinae bzw. sanguinicola
  • Actinotignum schaalii
  • Corynebacterium urealyticum
  • Mycoplasma / Ureaplasma spp.
  • Neisseiria spp.
  • Mykobakterien


Die Entscheidung, ob der Nachweis dieser Erreger für eine Harnwegsinfektion ursächlich ist, ist bei allen Patient:innen individuell zu treffen. In solchen Fällen kann eine infektiologische oder mikrobiologische Rücksprache sinnvoll sein.

Enterokokken und ß-hämolyserende Streptokokken spielen bei nicht schwangeren Frauen als Erreger einer unkomplizierten Zystitis in der Regel keine Rolle, können jedoch u.a. bei einer komplizierten Zystitis Ursache einer Infektion sein.

Der Nachweis von Candida ist meist Zeichen einer Kontamination aufgrund einer vaginalen Besiedlung oder Folge einer antibiotischen Vortherapie, und in der Regel nicht systemisch behandlungsbedürftig.

S. aureus siedelt sich häufig sekundär im Rahmen von systemischen Infektionen ab. Bei Nachweis im Urin sollte einem Verdacht auf eine systemische Infektion immer nachgegangen werden, im Vordergrund stehen die Blutkulturdiagnostik und Fokussuche.

Bei Nachweis von Neisserien, Mycoplasmen oder Ureaplasmen ist an sexuell übertragbare Infektionen zu denken. Bitte in diesem Fall im entsprechenden Kapitel in infektiopedia weiterlesen.

Erfolgt der Nachweis von uropathogenen Erregern ohne begleitende klinische Symptomatik, spricht man von einer asymptomatischen Bakteriurie. Ausführliche Informationen hierzu finden sich im Abschnitt: Die besondere klinische Situation: Die asymptomatische Bakteriurie.

Grundsätzlich werden Erreger (semi)quantitativ angegeben. Durch standardisierte diagnostische Verfahren der Bakterienkultivierung kann eine Erregeranzahl pro Milliliter Urin abgeschätzt werden. Dabei erfolgt die Bewertung in der Angabe KBE / ml (KBE= koloniebildende Einheiten).

Die Interpretation der mikrobiologischen Befunde sollte stets im Zusammenhang mit der klinischen Symptomatik erfolgen. Auch der Nachweis einer hohen Keimzahl, kann lediglich Ausdruck einer asymptomatischen Bakterurie sein. Urogenitale Schleimhautflora ist in der Regel KEIN Auslöser von unkomplizierten Harnwegsinfektionen:

Bei Werten von  ≥ 103 KBE/ml und passender Klinik ist eine Harnwegsinfektion nur bei typischen uropathogenen Erregern wahrscheinlich.

Bei besonderen klinischen Konstellationen (z. B. Blasenpunktionsurin,

Nierenbeckenpunktion) sollten auch niedrigere Erregerzahlen von ≥ 102 KBE/ml berücksichtigt werden.

Bei Nachweis von Schleimhautflora bzw. nicht-uropathogenen Erregern ist unabhängig der Höhe der Erregerkonzentrationnicht von einer Harnwegsinfektionen auszugehen.


Folgende Erreger gehören  der urogenitalen Schleimhautflora an:

  • Koagulase-negative Staphylokokken (S. epidermidis, S. haemolyticus etc.)
    • Ausnahme: S. saprophyticus
  • Vergrünende und nicht-hämolysierende Streptokokken
  • Enterokokken
  • Corynebakterien
  • Anaerob wachsende Kokken (z.B. Veillonella spp, Peptostreptokokken)
  • Cutibacterium acnes
  • Lactobacillus. spp.
  • Haemophilus spp.


DGI:Harnwegsinfektionen/Prophylaxe und Prävention DGI:Harnwegsinfektionen/Weiterführende Literatur und Hilfestellungen

Anmerkung der Redaktion

  1. Bonkat, G., Bartolett, R. et al. EAU guidelines on urological infections. 2022. uroweg.org. URL : https://uroweb.org/guideline/urological-infections/
  2. Coussement, J. et al. Bacteriuria in Renal Transplantation (BiRT) study group. Antibiotics versus no therapy in kidney transplant recipients with asymptomatic bacteriuria (BiRT): a pragmatic, multicentre, randomized, controlled trial. Clin Microbiol Infect. 2021;27(3):398-405
  3. DEGAM: Brennen beim Wasserlassen. S3-Leitlinie und Anwenderversion der S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen. AWMF Registernummer: 053-001. URL: https://www.degam.de/files/Inhalte/Leitlinien-Inhalte/Dokumente/DEGAM-S3-Leitlinien/053-001_Brennen%20beim%20Wasserlassen/053-001l_Brennen%20Wasserlassen_Langversion_29-08-18.pdf
  4. Fleischmann-Struzek, C. Inzidenz der Sepsis in Deutschland und weltweit. Med Klin Intensivmed Notfmed. 2021; 28: 1-5
  5. Foxman B. et al. Urinary tract infection syndromes: occurrence, recurrence, bacteriology, risk factors, and disease burden. Infect Dis Clin North Am. 2014: 28 (1): 1-13
  6. Holstiege, J. et al. Update: Die ambulante Anwendung systemischer Antibiotika in Deutschland im Zeitraum 2010 bis 2018 – Eine populationsbasierte Studie. Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi). Versorgungsatlas-Bericht Nr. 19/07. Berlin 2019. URL: https://www.versorgungsatlas.de/fileadmin/ziva_docs/104/VA_19-07_Bericht_UpdateAntibiotika_2019-08-21V1.pdf
  7. Kazemier, BM. et al. Maternal and neonatal consequences of treated and untreated asymptomatic bacteriuria in pregnancy: a prospective cohort study with an embedded randomised controlled trial. Lancet Infect Dis. 2015; 15(11): 1324-1333.
  8. Leitlinienprogramm DGU: Interdisziplinäre S3 Leitlinie: Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten. Langversion 1.1-2, 2017 AWMF Registernummer: 043/044. URL: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043-044l_S3_Harnwegsinfektionen_2017-05.pdf
  9. MIQ 02: Harnwegsinfektionen. Schubert, S. Herausgeber: DGHM, Podbieski, A., Schubert, S. 3. Auflage. Erschienen 10/2020.
  10. Seven, J. et al. A national survey on the implementation of key infection prevention and control structures in German hospitals: results from 736 hospitals conducting the WHO Infection Prevention and Control Assessment Framework (IPCAF). Antimicrob Resist Infect Control. 2019; 8: 73-90
  1. Leitlinienprogramm DGU: Interdisziplinäre S3 Leitlinie: Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten. Langversion 1.1-2, 2017 AWMF Registernummer: 043/044. URL: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043-044l_S3_Harnwegsinfektionen_2017-05.pdf
  2. MIQ 02: Harnwegsinfektionen. Schubert, S. Herausgeber: DGHM, Podbieski, A., Schubert, S. 3. Auflage. Erschienen 10/2020.