Opportunistische Infektionen/Pneumocystis Pneumonie
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| Kapitelinformationen | |
|---|---|
| Stand: | November 2023 |
| Kapitelleitung: | |
| Autor:innen: | Diana Riebold |
| Reviewer:innen: | Oliver Cornely |
| Beteiligte Fachgesellschaften: | |
| Feedback: | Mitwirken |
PCP ist eine Pilzinfektion mit dem humanpathogenen Pilz Pneumocystis jirovecii (P. jirovecii), die zunächst hauptsächlich mit einer Pneumonie bei HIV-Patienten mit fortgeschrittenem Immundefekt assoziiert wurde. Seit der Einführung der antiretroviralen Therapie ist die Inzidenz der PCP innerhalb dieser Patientengruppe deutlich zurückgegangen und spielt vorwiegend in der unbehandelten HIV-Infektion eine Rolle. Allerdings nimmt die Inzidenz bei Patienten mit Immunsuppressionen verschiedenster Genese zu. Es wird angenommen, dass Pneumocystis aerogen von Mensch zu Mensch übertragen wird. Menschen mit HIV und PCP haben in der Regel einen langsam progredienten Verlauf, immunsupprimierte, HIV-negative Patienten zeigen häufig ein rasch progredientes Bild. Die Mortalität der PCP-Infektion ist insbesondere bei beatmeten Patienten hoch. Um die Mortalität zu senken, ist eine rasche Diagnose und Therapie wichtig. Die Diagnose der PCP gelingt durch die direkte Identifizierung des Organismus entweder durch Polymerase-Kettenreaktion (PCR) oder Färbung des Erregers oder aus bronchoalveolärer Lavageflüssigkeit (BAL). Für die Therapie ist hochdosiertes Trimethoprim-Sulfamethoxazol das Medikament der Wahl. Dieses wird auch in niedrigerer Dosierung zur Prophylaxe der PCP erwiesen.
Klinisches Bild
Leitsymptome
Die klinische Symptomatik der PCP beginnt oft unspezifisch.
Häufige Symptome (klassische Trias):
Trockener trockenem Reizhusten (95%)
Subfebrile Temperaturen (80%)
Progrediente Belastungsdyspnoe (95%) (schleichend oder rasch progredient)
Untersuchungsbefunde:
Häufig Tachykardie und Tachypnoe
Die Lungenauskultation ist oft unauffällig
Kapilläre/arterielle Blutgasanalyse (BGA):
Der PO2-Wert wird als einer der Parameter für die Entscheidung zur Einleitung einer entsprechenden Therapie herangezogen.
Hypoxämie in Ruhe mit erhöhter alveolo-arterieller Sauerstoffdruckdifferenz.
Ein PO2 < 55-60 mm Hg gilt als Zeichen einer schweren PCP.
Hinweis:
Nicht selten finden sich bei Patienten mit relevanter Immunsuppression mehrere opportunistische Infektionen. Soor als Blickdiagnose kann einen Hinweis auf eine vorbestehende Immunschwäche liefern. Insbesondere bei schwieriger Anamnese (Sprachbarriere, Vigilanzminderung) kann dies hilfreich sein.
Klinische Situationen
CAVE:
Zur Einschätzung des Erkrankungsrisikos ist zunächst eine Einteilung zwischen Menschen mit und ohne HIV-Infektion notwendig. Bei HIV-negativen Patienten muss bei PCP-Verdacht eine ausführliche Anamnese auf mögliche Immundefekte und/oder Dosis und Dauer einer immunsuppressiven Therapie durchgeführt werden.
HIV-positive Patienten:
Bei Patienten mit HIV im Stadium der erworbenen Immunschwäche (AIDS) entwickelt sich die PCP typischerweise bei CD4-Zellen < 200 Zellen/µL. Die PCP ist daher immer eine AIDS-definierende Erkrankung. Bei einem positiven Pneumocystis-Nachweis sollte immer eine HIV-Infektion mit in Erwägung gezogen werden.
HIV-negative Patienten:
Risikofaktoren:
- Solide und hämatologische Tumorerkrankungen
- Chronisch inflammatorische Erkrankungen (z.B. Rheumatoide Arthritis)
- Primäre Immundefekte
- Medikamentöse Immunsuppression:
- Glukokortikoide (auch in Kombination mit weiteren Immunsuppressiva)[1].
- Prednisolon-Äquivalent >20 mg/Tag für mehr als 1 Monat[2][3]= hohes Risiko
- Cyclophosphamid
- Methotrexat
- Calcineurininhibitoren (Tacrolimus, Cyclosporin)
- Tumor-Nekrose-Faktor (TNF)-α-Inhibitoren: (Adalimumab, Etanercept, Infliximab)
- Rituximab (anti-CD20-Ak)
- Abatacept (anti-CD80/86-CD28-Interaktionsinhibtor)
- Chemotherapeutika
Unterschiede in Abhängigkeit einer HIV-Infektion:
Eine Hypoxie, Pneumothorax oder Lungenversagen sind ohne HIV-Infektion häufiger, dafür sind Dyspnoe, Husten sowie Laktadehydrogenase (LDH)-Erhöhung meist seltener[4][5][6][7].
Bei HIV-assoziierter Immunsuppression ist die Progredienz der Symptome zumeist langsamer als bei immunsupprimierten Patienten ohne HIV bei denen die Infektion bei einem abrupten Auftreten einer Atemnot einen Verlauf einer raschen Progredienz mit zunehmender respiratorischer Insuffizienz nehmen kann.
Epidemiologie
Pneumocystis jirovecii, ist ein Pilz, der überwiegend aerogen aufgenommen wird[8]. Die PCP ist weltweit keine meldepflichtige Erkrankung. Weltweit treten pro Jahr ca. 400.000 PCP-Fälle auf [9][10][11][12][13][14][15][16][17][18][19]. Dabei ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.
Reservoir und Übertragungswege
Da die Erreger aerogen übertragen werden können, ist nicht auszuschließen, dass es zu Transmissionen im Krankenhaus kommen kann [20][21]. Nosokomiale Ausbrüche bei Immunsupprimierten sind beschrieben worden [10][13][22], weshalb das Center for Disease Control and Prevention (CDC) seit 2007 die Isolation von PCP-Patienten von anderen Immunsupprimierten empfiehlt [23].
Da P. jirovecii eine sehr lange Generationszeit hat, ist der Zusammenhang zwischen Infektionszeitpunkt und Ausbruch der Erkrankung (ca. 6 Monate nach Infektion) oft nicht nachweisbar[21] [23][24].
Prognose
Prognostische Marker
Müssen die Patienten im Verlauf ihrer Erkrankung beatmet werden, verschlechtern sich die Prognosen erheblich [4] [25][26]. Ein erhöhtes Mortalitätsrisiko besteht bei: Älteren Patienten, Patienten mit Komorbiditäten, PO2 ≤ 70 mm Hg [26][27]. PCP-Patienten mit CMV-Koinfektion haben schwerere Symptome, erholen sich langsamer von der Pneumonie und haben eine höhere Mortalität als bei PCP allein [27][28].
Hinweis:
Die Letalität bei Patienten ohne Beatmung beträgt ca. 10%. Bei später Diagnosestellung muss oft noch eine Beatmung erfolgen. Dann steigt die Letalität auf bis zu 60%.
Diagnostik
Einfaches Thorax-Röntgenbild
CAVE:
Ein einfaches Röntgenbild ist für die Diagnose oft nicht zielführend, da 10-15 % der Patienten normale Röntgenaufnahmen haben. Ca. 30 % haben unspezifische oder unklare Befunde.
Thorax-CT
Deutlich sensitiver
Bei Verdachtsdiagnose PCP sollte immer ein Thorax-CT erfolgen. Dieses dient auch zum Ausschluss einer PCP.
Das Thorax-CT kann folgende Charakteristika aufweisen [29]:
- Entzündlich verdicktes Interstitium wird als lineare und retikuläre Transparenzminderungen sichtbar.
- Sind die Retikulationen sehr fein und liegen unterhalb des Auflösungsvermögens der CT, können die Veränderungen mitunter auch flächenhaft milchglasartig imponieren.
- Gleichzeitig auftretende septale Verdickungen bei Vorhandensein von Milchglastrübungen werden als “crazy paving” bezeichnet.
- Knötchen können Kavitäten oder “tree-in-bud”-Muster bilden.
Laborwerte
Erhöhung der Entzündungswerte (CRP), häufig nicht sehr ausgeprägt.
Laborwertveränderungen sind oft sehr unspezifisch.
Eine LDH-Erhöhung kann auf eine PCP hinweisen, ein hoher LDH-Wert ≥ 450 IU kann mit einer negativen Prognose einhergehen [30]. Ein normaler LDH-Wert schließt aber eine PCP nicht aus.
Der Nachweis von 1.3 Beta-D-Glukan kann auf eine Pilzinfektion hinweisen, aber nie spezifisch nur auf eine PCP deuten.
Diagnostische Schritte
Initiale (klinische) Diagnostik
Bei passender Symptomatik und typischen Risikofaktoren sollte umgehend ein (low dose) CT der Lunge erfolgen um nach den für die PCP recht typischen milchglasartigen Verschattungen („ground glass opacities“) zu suchen. Außerdem sollte eine kapilläre/arterielle BGA, ein HIV-Test, ein Blutbild und die Bestimmung von CRP und LDH durchgeführt werden.
Der Erregernachweis sollte im zweiten Schritt mittels broncho-alveoläre Lavage (BAL) erfolgen. Sollte die Durchführung einer BAL nicht möglich sein, kann ein induziertes Sputum oder Trachealsekret verwendet werden, wobei die Diagnose im Sputum nur mittels PCR und nicht per Mikroskopie gelingt!
Labordiagnostik
A. Untersuchungsmaterialien
Untersuchungsmaterial der Wahl für den Nachweis des Erregers ist BAL, in der P. jirovecii mit höchster Sensitivität und Spezifität mittels PCR nachgewiesen werden kann.
B. Labordiagnostische Methoden
Nachweis per PCR und quantitativer PCR aus BAL, Trachealsekret und (mit Einschränkungen) aus induzierten Sputen
Die PCR ist die sensitivste und spezifischste Methode zum Nachweis des Erregers. Idealerweise sollte ein quantitativer Nachweis (qPCR) durchgeführt werden. Bei HIV-negativen Patienten wird häufig eine niedrigere Erregerlast nachgewiesen. Diese Erregerlast ist aber oft mit deutlich schwereren Verläufen assoziiert [31].
Weiterführende Informationen zur Diagnostik sind in Abbildung 1 zusammengefasst (Leseempfehlungen: [32][33][34][35]).
Einfaches Thorax-Röntgenbild
CAVE:
Es treten auch Besiedelungen mit P. jirovecii auf, die asymptomatisch sind, aber als „Beibefund“ oft bei differentialdiagnostischen Untersuchungen erhoben werden. Aufgrund fehlender Quantifizierung bei PCR-Ergebnissen („ja/nein-Ergebnis“) – werden diese oft labordiagnostisch als PCP gewertet. Eine sichere Unterscheidung PCP/Besiedelung ist durch fehlende Studien zu Erregerlasten/PCP-Cutoffs schwierig. Nur der Nachweis von P. jirovecii mittel PCR ist nicht ausreichend für die Diagnose einer PCP. Klinische Befunde und Laborergebnis sollten immer zusammen betrachtet werden. Ergänzend sollte mit dem Labor Rücksprache zur quantitativen Nachweisgrenze gehalten werden.
Mikroskopie von Färbungen und direkten Fluoreszenztests aus BAL und Trachealsekreten
Der mikroskopische Nachweis erlaubt eine Differenzierung zwischen Infektion und Kolonisierung und sollte daher als zusätzliche Methode zur PCR immer mit eingesetzt werden. Allerdings schließt ein negativer mikroskopischer Befund eine PCP nicht aus. Die verschiedenen Färbungen (z.B. Grocott, Giemsa, Fluoreszenztest) haben eine wesentlich geringere Sensitivität und Spezifität (60-80%) als die PCR und qPCR.
Zur Diagnostik sollten immer mindestens 2 mL BAL oder mehr an die Mikrobiologie versandt werden [36][37].
Differentialdiagnosen
Differentialdiagnostisch muss bei Immunsupprimierten an folgende Lungeninfektionen gedacht werden:
- Tuberkulose
- Infektionen mit nichttuberkulösen Mykobakterien
- Aspergillose, Kryptokokkose und weitere Mykosen
- Cytomegalievirus
- SARS-CoV-2, Influenza und weitere respiratorische Viren
Nichtinfektiöse Ursachen:
- Kaposi-Sarkom (KS) der Lunge (bei Patienten mit CD4-Zahl ≤ 100 Zellen/µl)
- ARDS
- fibrosierende Erkrankungen der Lunge
Erreger
Zunächst wurde Pneumocystis spp. aufgrund seiner Morphologie, den bekannten Entwicklungsstadien und seiner Resistenz gegenüber Antimykotika zu den Protozoen gezählt. Seit 2002 gehören er zu den Pilzen, da Genomanalysen die Verwandtschaft zu den Ascomycota zeigten [38][39]. Eigenschaften dieses Pilzes weichen aber oft von denen anderer invasiver Pilze ab (z.B. keine Wirksamkeit von Antimykotika, extrem langsamer Lebenszyklus, Besonderheiten im Zellwandaufbau, etc.). Einige biochemischen Eigenschaften scheinen auch auf eine Verwandtschaft mit den Pflanzen hinzudeuten [40].
Bisher sind eine ausschließlich humanpathogene Spezies (P. jirovecii) und zehn weitere, für den Menschen nicht infektiöse Pneumocystis-Spezies, die verschiedene Säugetiere befallen, bekannt [41][42]. P. jirovecii, die einzige humanpathogene Form, kommt ubiquitär vor, die Verbreitung erfolgt vorwiegend über Aerosole und selten über Schmierinfektionen.
Therapie
Bei einem hinreichendem klinischen Verdacht sollte eine sofortige empirische Therapie (noch vor Durchführung der diagnostischen Bronchoskopie) begonnen werden [4]. Unwirksam sind alle gängigen Antimykotika (einschl. Amphotericin B) aufgrund des fehlenden Ergosterols in der Zellwand von P. jirovecii. Spezifische Antibiotika zeigen eine gute Wirksamkeit (Tabelle 1).
Erregerspezifische Therapie
Standardtherapeutikum ist Cotrimoxazol (Trimethoprim/Sulfamethoxazol), das bei leichter PCP oral und ambulant, bei schwerer PCP intravenös und stationär hochdosiert über mindestens 21 Tage gegeben wird (Tabelle 1) [4]. Eine Verschlechterung innerhalb der ersten Tage ist, zumindest bei Patienten mit HIV, nicht ungewöhnlich [4]. Die Initialtherapie sollte jedoch möglichst frühestens nach einer Woche überdacht werden. Bei fehlendem Therapieansprechen sollte in Betracht gezogen werden, Ko-Infektionen wie CMV (Zytomegalievirus) oder atypische Mykobakteriosen auszuschließen [4].
Bei Cotrimoxazol können schwere Nebenwirkungen (hepatotoxisch, nephrotoxisch, myelotoxisch, Arzneimittel-Exanthem, Drug Fever) in bis zu 30% der Therapien auftreten. Bei besonders schweren Nebenwirkungen, die zu einem Organversagen führen könnten, sollte auf alternative Therapien, wie Clindamycin und Primaquin oder Atovaquon, umgestellt werden (Tabelle 1) [4][43].
Angesichts des fulminanten Verlaufs und der hohen Mortalität bei moderater bis schwerer PCP sollte bei Patienten mit PCP, die bei Raumluftatmung einen arteriellen Blutgaswert zeigen, der einen Sauerstoffpartialdruck von <70 mm Hg oder einen alveolären-arteriellen (A-a) Sauerstoffgradienten von ≥35 mmHg aufweist, oder bei Hypoxämie nach Pulsoxymetrie (z. B. Sauerstoffsättigung bei Raumluft <92 Prozent), eine Glukokortikoidtherapie eingesetzt werden [4]. Ergebnisse aus Studien geben Hinweise darauf, dass dadurch das Mortalitätsrisiko gesenkt wird und die Patienten seltener eine Beatmung benötigen [44][10][45].
Eine PCP-Therapie muss bei einer Pneumocystis-Besiedelung ohne entsprechende Symptomatik nicht durchgeführt werden.
| Klinische Situation | Präferenz | Substanz | Dosierung | Dauer | Kommentar |
|---|---|---|---|---|---|
| Leichte PCP ohne Co-Morbiditäten | Therapie der Wahl | Cotrimoxazol
(Trimethoprim + Sulfamethoxazol) |
960 mg/d p.o.
(3x3 Tbl. Cotrim forte tgl.) |
mind. 21d | |
| Alternativen | Atovaquon | 2 x 750 mg/Tag p.o. | mind. 21d | ||
| Clindamycin + Primaquin | Clindamycin (3)-4x600 mg i.v. oder p.o. plus
Primaquin 30 mg p.o. |
mind. 21d | beste Wirksamkeit nach Cotrimoxazol | ||
| Dapson + Trimethoprim | Dapson 1 x 100 mg pro Tag
plus Trimethoprim 5 mg/kg KG 3 x pro Tag |
mind. 21d | |||
| Pentamidin | 300 mg /d inhal. | mind. 21d | Inhalative Therapie wird kontrovers diskutiert 1 | ||
| Schwere PCP | Therapie der Wahl | Cotrimoxazol
(Trimethoprim + Sulfamethoxazol) zusätzlich Cortison |
TMP (15-)20 mg/kg und Tag i.v.
SMX (75-)100 mg/kg und Tag i.v. Prednison 1mg/kg/d p.o. aufgeteilt in zwei Gaben |
mind. 21d
| |
| Alternativen | Atovaquon | 2 x 750 – 1500 mg tgl. i.v.
(2 x 5-10 mL tgl.) |
|||
| Clindamycin + Primaquin | 3-4x 600 mg i.v. Clindamycin
(3-4 x 1 Amp. a 600 mg) 30 mg tgl. p.o. Primaquin (1Tbl. tgl.) |
||||
| Pentamidin | 200 – 300 mg (4 mg/kg) i.v. | 5 Tage, dann halbe Dosis für mind. weitere16 Tage |
1 Arbeitssicherheit für das Personal beachten! Muss mit RESPIGART II ® vernebelt werden und sollte daher nur in Räumen mit Unterdruck verabreicht werden!
Beurteilung der Therapiewirksamkeit
Die Therapie kann in einigen Fällen (z.B. bei HIV-Infektion) verzögert anschlagen[10]. Nach einer Woche Therapie ohne Besserung der Symptome muss eine weitere Diagnostik auf Co-infektionen, z.B. auf CMV oder NTM, erfolgen. In einigen Studien wird auch auf die Entwicklung von Resistenzen hingewiesen, eine Bedeutsamkeit für die Klinik kann aber noch nicht definiert werden [4].
Prophylaxe und Prävention
Eine PCP-Prophylaxe sollte bei HIV-Patienten bei CD4-Zellzahlen <200/µL gegeben werden gerade, wenn bereits eine PCP in der Vorgeschichte vorlag (Tabelle 2). [4][46][47]. Eine PCP-Prophylaxe bei HIV-negativen Patienten richtet sich nach Art und Dauer der Immunsuppression. Hinten stehend haben wir beispielhaft die Prophylaxe-Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V. aufgeführt (Tabelle 3) [10]. Für weitere Indikationen zur Prophylaxe verweisen wir auf die Empfehlungen der jeweiligen Fachgesellschaften.
| Präferenz | Substanz | Dosierung | Dauer | Anpassungen | Kommentar |
|---|---|---|---|---|---|
| Therapie der Wahl | Cotrimoxazol
(Trimethoprim + Sulfamethoxazol) |
1 x 480 mg/Tag p.o.
oder 960 mg p.o. 3x/Wo. |
Tägliche Gabe ist möglicherweise weniger toxisch als 3x wöchentliche [4] | ||
| Alternativen | Pentamidin | 300 mg
1-2 x/Monat per inhalationem |
Kontinuierlich bis CD4 Zellen > 200 | Sehr gut verträglich, aber eventuell nach durchgemachten Lungenerkrankungen (auch PCP) weniger wirksam [4] | |
| Dapson | 1 x 100 mg p.o. | ||||
| Dapson + Pyrimethamin | 1 x 200 mg/Wo. p.o. plus Pyrimethamin 1 x 75 mg/Wo
p.o. plus Folinsäure 1 x 250 mg/Wo p.o. |
||||
| Atovaquon | 2 x 750 mg p.o. | Hohe Kosten [4] |
PCP-Prophylaxen bei HIV-Patienten können unter einer wirksamen ART abgesetzt werden, sofern ein Anstieg der CD4-Zellen auf mindestens 200 CD4-Zellen/μL über wenigstens drei Monate nachweisbar ist [4][48]. Sind unter PCP-Therapie mit Cotrimoxazol Nebenwirkungen aufgetreten, kann meist trotzdem eine Prophylaxe damit erfolgen (aufgrund der wesentlich niedrigeren Dosierung), Ausnahme sind Allergien gegen Cotrimoxazol [49]. Eine PCP-Prophylaxe bietet Personen mit hohem Risiko auch Schutz gegen andere Infektionen wie Toxoplasmose und Nocardiose[4].
| Hohes Risiko | Intermediäres Risiko | Besondere Indikatoren |
|---|---|---|
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Weiterführende Literatur und Hilfestellungen
Diagnostik, Therapie und Prophylaxe der PCP bei HIV-Patienten: Buch „HIV 2020/21“ (deutsch, kostenfreier pdf download, alle 2 Jahre neue Auflage): https://www.hivbuch.de
Leitlinien zur Diagnostik, Therapie und Prophylaxe invasiver Pilzinfektionen der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie: https://www.dgho.de/arbeitskreise/i-k/infektionen/leitlinien/leitlinien
Siehe auch: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/invasive-pilzinfektionen-diagnostik/@@guideline/html/index.html
Weiterführende Artikel:
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Siegel M, Masur H, Kovacs J. Pneumocystis jirovecii pneumonia in human immunodeficiency virus infection. Semin Respir Crit Care Med 2016; 37(2): 243-56. DOI: 10.1055/s-0036-1579556
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Entscheidungsalgorithmus für die Labordiagnose einer PCP (Figure 2):
Muhlethaler K, Bogli-Stuber K, Wasmer S, et al. Quantitative PCR to diagnose Pneumocystis pneumonia in immunocompromised non-HIV patients. Eur Respir J 2012; 39(4): 971-8. DOI: 10.1183/09031936.00095811
Anmerkungen der Redaktion
Fragen zu Pneumocystis-Diagnostik?
Gern können Sie sich hierhin wenden:
Dr. Diana Riebold
Forschungszentrum für Medizintechnik und Biotechnologie
ZIK Septomics
Albert-Einstein-Straße 10
D-07745 Jena
Tel.: +49 3641 9 396526
Fax: +49 3641 9 396502
E-Mail: driebold@fzmb.de
Portfolio: Pneumocystis Kultur, Färbemethoden (Methamin-Silber-Färbung nach Grocott, DiffQuick/Giemsa, Fluoreszenztest, Calcofluor white, etc.), Erregerquantifizierung mittels qPCR-Methoden, Resistenzanalysen per Mutationsdetektion (für Sulfonamide, Trimethoprim, Atovaquon und Dapson) per PCR + Sequenzierung, Infektionskettenverfolgung über ITS-Sequenzierung und Mini-Typing.
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